Dieser Slogan geht einher mit der Red Cloud Mine im Silver Mining District, Trigo Mountains, La Paz County, Arizona / USA. Die Red Cloud Mine (RCM) lieferte mit die schönsten, tieforangeroten Wulfenitkristalle (kurz: xx für Kristalle) weltweit. Leuchtende Kristalle und Aggregate mit Kantenlängen von > 5 cm sowie die berühmten „Window Panes“ machten die Mine weltberühmt. Wulfenit ist ein Bleimolybdat (PbMoO4).
Das Erzvorkommen (Silbererze, Galenit mit einem Silbergehalt von 17,1 kg / to) wurde 1878 vom Prospektor Warren Hammond gefunden und der Abbau begann bereits kurze Zeit später. In den 1880er Jahren waren bis zu 100 Arbeiter in der RCM beschäftigt; zuerst wurden oberflächliche Ausbisse (Outcrops) abgebaut, bevor man den Untertageabbau begann, der eine Tiefe bis rund 163 Metern unter Gelände erreichte und damit bereits unterhalb des Grundwasserspiegels lag. Zeugnis des unterirdischen Bergbaus ist der rote eiserne Förderturm.
Die ersten Kristalle und Stufen kamen ab den 1880er Jahren auf den Markt, aber die meisten Stufen wurden durch Sprengungen zerstört oder fielen beim Verhütten dem Schmelzofen zum Opfer.
Ein Mr. F. Thomas war der Erste, der sich eine Sammlung von guten Wulfeniten und Vanadiniten aus den Red Cloud, Hamburg und Prinzess Mine zulegten (alle Minen in unmittelbarer Nachbarschaft). 1881 erschien ein Artikel von Benjamin Silliman von der University of Yale im „American Journal of Science“ wo die Red Cloud als Fundstelle hervorragender Wulfenite beschrieben wurde. In der Folge stieg das Interesse bei Sammlern und Händlern an der Mine. Tausende von Wulfenitstufen gelangten in die Sammlungen und Museen. 1938 traf der Sammler Edwin „Ed“ Over an der Mine ein und fing an Wulfenite zu suchen. Bereits wenige Wochen später, am 9. Februar 1938 fand er zahlreiche Pockets mit fantastischen Wulfenitkristallen und Stufen mit bis zu 5 cm Kantenlänge.
Die Mine fand immer wieder neue Besitzer, die den Erzabbau wieder aufblühen lassen wollten; zuletzt von 1981 bis 1984. Zahlreiche Sammler und Händler wie Leigh Price, Bruce Barlow, George Godas oder Wayne Thompson versuchten ihr Glück mit Stufenbergbau. Wayne Thompson erwarb 1995 mit James Horner, dem Hollywoodkomponisten (Titanic, Braveheart) die Abbaurechte und begannen die Mine auszugraben; bereits 1996 fand man ein ungewöhnlich großes Pocket von 4 x 1 x 0,1 m welches Wulfenitstufen mit Kristallen bis 4 cm für über $ 1 Million lieferte. Auch ich erwarb damals meine ersten Red Cloud Wulfenitstufen und meine Liebe zu Wulfenit war entbrannt.
Die Mine wurde in den späten 1990er Jahren an den Bergbauspezialisten Bryan Lees (Rhodochrosite aus der Sweet Home Mine) aus Colorado verpachtet, der die Mine bis 2003 betrieb und den Tagebau in die Tiefe vergrößerte und eine große Abraumhalde („Mount Sutton“ benannt nach dem Chefgeologen Graham Sutton) erschuf. Die Mine wurde bis auf eine Tiefe von 32 Metern unter Gelände ausgekoffert. Im Endstadium hatte die Grube Ausmaße von rund 100 x 30 x 32 Meter (LxBxT). Tiefer kam man, bedingt durch die Reichweite des Baggers, nicht.
Der berühmteste Fund in dieser Abbauphase war das „Red Gem Pocket“ mit brillianten tief orange-roten Wulfenit xx bis 3 cm Kantenlänge. Während dieser Zeit hatte ich die Erlaubnis von Bryan, einige Male dort nach Wulfenit xx zu suchen – doch dazu später.
Viele Jahre lag die Mine im Dornröschenschlaf bis 2011 eine Gruppe um Robert Bell die Mine übernahm und auch für Mineraliensammler zugänglich machte. Neben Wulfenit xx können dort auch Fluorit xx, Willemit xx, Calcit xx und Cerussit xx gefunden werden, sogar auch als fluoreszierende Kristalle. Der Eintritt beträgt $ 35.- / Person und Tag. Für weitere Informationen: www.redcloudmine.com.
Geologie
Die Red Cloud Mine liegt nördlich von Yuma (Arizona, USA) östlich des Colorado Rivers auf einer Höhe von 326 m über dem Meeresspiegel.
Der tiefere Untergrund wird von Granit gebildet, der von vulkanischen Gesteinen (Andesit, andesitische Brekzien und tertiären Tuffen) überlagert wird. Entlang einer ca. 30° nach NE einfallenden Verwerfung hat sich eine ca. 3 – 5 Meter breite mineralisierte Zone („Vein“) gebildet, die zur Tiefe hin bei rund 130 Meter unter Gelände auf rund 0,1 Meter auskeilt.
Die Mineralisation umfasst unter anderem silberhaltigen Galenit (mit bis 17 kg Silber je to Galenit) Quarz, Limonit, Hämatit, Fluorit und Calcit; untergeordnet treten auch Vanadinit, Cerussit und andere Mineralien auf. Innerhalb der andesitischen Brekzien tauchen immer wieder Hohlräume auf, die die Wulfenit xx enthalten.
Minenbesuch
In Tucson 2003 fragte ich Bryan Lees, ob ich wieder in der Red Cloud Mine suchen dürfe. Bryan betrieb die Mine seit einigen Jahren und er gab mir ein Permit (schriftliche Erlaubnis) mit, da damals bei der Mine keine Handys funktionierten. So machte ich mich nach der Tucson Show auf nach Yuma, wo ich übernachtete. Am nächsten Morgen ging es nordwärts zuerst auf geteerten Straßen, dann auf der dirt road weiter an Lake Martinez vorbei durch das Trainingsgelände der US Army. Gott sei Dank hatte ich einen Geländewagen, da die Straße auch „dry washes“ (Trockenflussbette) quert und loser Sand und größere Gerölle Probleme bereiten können.
Die Anfahrt zur Mine war dieses Jahr auch was Besonderes, da die Wüste blühte! Grün, Gelb, Lila – überall farbige Blumen; dies kommt nur alle 15 bis 20 Jahre vor.
An der eingezäunten Mine angekommen, sah ich von weitem schon den roten „Headframe“ (Förderschacht) und ich legte mein Permit den Arbeitern vor und Sie ließen mich hinein. Plötzlich kamen mehrere Autos mit „Snow Birds“ (weißhaarige Rentner) mit an Mad Max erinnernden Autos (VW Käfer mit Spoilern und hochgezogenen Sidepipes). Die rockermäßig bekleideten Männer wollten in die Mine, aber die Arbeiter verwehrten den Zutritt. Eine Diskussion eskalierte und die Arbeiter zeigten ihre Pumpguns … da zogen sich die abenteuerlustigen Snow-Birds zurück und ich wurde zur Rampe, die in den Open-Pit (Grube) führte, gebracht und man wünschte mir viel Erfolg.
In der Grube erkannte ich mehrere ehemalige Stollen, teils noch mit hölzernen Stützbalken. Die Stollen verliefen nur wenige Meter neben der nach Osten einfallenden Verwerfungszone. Östlich der tektonischen Störung steht ein heller Andesit an, westlich der vererzte, sehr brekziöse, dunkle Erzgang und noch weiter westlich der Granit.
Bereits nach wenigen Minuten fand ich die ersten Wulfenitstufen mit Kristallen von 1 – 1,5 cm. Ich wusste gar nicht, wo ich mit Graben anfangen sollte. Ich sammelte viele Kleinstufen die lose im Abraum / Geröll lagen, wo neben Wulfenit xx noch Quarz xx oder Calcit xx auftraten. In einem Pocket von ca. 10 x 10 cm fand ich kleine Wulfenit xx (bis 1 cm), die auf lila Fluorit xx saßen! Das war eine echte Überraschung und Riesenfreude! Es wurde bereits Spätnachmittag und eine Stelle im anstehenden Erzgang machte mich neugierig. Ich fing mit Hammer und Meißel an zu arbeiten. Es sah wie eine Wulfenitader aus … mein Herz schlug höher! Nach langer vorsichtiger Arbeit konnte ich den Deckel abheben und darunter – ein Pocket voller Wulfenit xx! Das Pocket war ca. 30 x 20 x 10 cm groß und überall saßen leuchtend orange-rote Wulfenitkristalle an den Wänden – was für ein Anblick! Der Boden des Pockets bestand aus massivem hellgrünem Fluorit, teils ins Bläuliche übergehend; teils traten kleine Fluorit xx bis 8 mm auf. Eine 3,5 cm große Schwimmerstufe trug bis 1 cm große Wulfenit xx, die auf einer kristallisierten Quarzmatrix sitzen. Die Wulfenitkristalle in dem Pocket waren bis 1,5 cm groß; was muss der berühmte Ed Over gefühlt haben, als er 5 cm große Kristalle fand?
Vorsichtig barg ich zahlreiche Stufen und verpackte diese gut. Leider ging der Tag dem Ende zu. Die Mannschaft lud mich noch zum Barbeque ein und das Bier schmeckte besonders gut nach dem sonnigen und staubigen Tag. Im gleichen Jahr beendete Bryan Lees die Abbauaktivitäten; aber die Vorliebe für Wulfenit ist geblieben: Wulfenit is love!