Mineralica 2025-3

Der Quarzgang von Maissau in Nieder­ös­ter­reich

Zitieren

Diesen Artikel zitieren

Kurzlink

mineralica.com/a/j8u5l1

Heft

Gerald Knobloch (2025): Der Quarzgang von Maissau in Niederösterreich. Mineralica 2025-3, S. 34–49.

Online

Gerald Knobloch (2025): Der Quarzgang von Maissau in Niederösterreich. Mineralica online, August 2025. https://mineralica.com/a/j8u5l1 (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Am Maissauer Berg in Niederösterreich birgt ein einziger Quarzgang fast alle Farbvarianten des Quarzes – Amethyst, Rauchquarz, Citrin und Eisenkiesel. Gerald Knobloch erzählt seine Geschichte seit 1848 bis zur heutigen „Amethystwelt“.

Angesägter Amethyst-Kristall mit besonders intensivem Farbenspiel im Inneren. Größe 8 x 7 cm und 5 mm dick. Sammlung Gerald Knobloch, Foto Martin Grüll.

Alle farblichen Spielarten der Quarzfamilie in einem einzigen, gangförmigen Vorkommen? Sammlerlatein? Wunschdenken? Oder doch Realität?

Das muss für den Arbeiter ein besonderer Augenblick gewesen sein, als er im kleinen Granitbruch am Maissauer Berg, nur 45 km nordwestlich der Bundeshauptstadt Wien, mit seinem Pickel plötzlich auf glasharten Quarz hieb. Es war nämlich kein gewöhnlicher Quarz. Dieser hier schimmerte in herrlichstem Violett! Man schrieb das Jahr 1848. Kurz zuvor hatte man auf den umgebenden Feldern bereits Streufunde dieses Steins gemacht, ehe man den kleinen Steinbruch zur Gewinnung von Straßenbau-Material anlegte.

166 Jahre später stehen wir in einer Baggergrube, nur knapp hundert Meter von dieser Stelle entfernt. Wir, das sind: Dr. Manfred Linner von der Geologischen Bundesanstalt, Anton Rauscher, Mitarbeiter des Krahuletz-Museums Eggenburg, Peter Tomazic und der Berichterstatter (G.K.). Karl, unser Baggerfahrer kennt den Maissauer Amethyst gut von vorangegangenen Aufschließungs-Aktionen. Behutsam legt er den Quarzgang an seiner Südflanke frei. Dort ist der angrenzende Granit weitgehend in Kaolin umgewandelt. Diese Vorgangsweise (von der Südseite zu graben) schont die empfindlichen Kristallspitzen in den Klüften innerhalb des Ganges. Den Rest erledigen wir händisch. Schon bald zeigt sich eine Spalte, aus der fetter Lehm quillt. Ein gutes Zeichen! Mit wenig Kraftaufwand löse ich den Quarz neben dem Riss. Bereits der erste Brocken lässt Jubel aufkommen. Dezimetergroße Kristallspitzen zieren seine Rückseite! Maissau-Kenner wissen aber: Spitzen aus dem Gangzentrum sind niemals violett. Die Farbe findet sich in ihrem Inneren, verborgen unter einer Milchquarz-Schicht. Violette Kristallspitzen gibt es fast ausschließlich in den schmäleren "Fiederspalten", die vom Hauptgang ins Nebengestein abzweigen. Diese beherbergen auch andere Quarzarten wie Citrin, Rauchquarz oder Eisenkiesel.

Geschnitten und poliert: Typischer Querschnitt aus dem Maissauer Quarzgang mit Amethyst, Rauchquarz und Milchquarz. Breite 16 cm Sammlung und Foto Gerald Knobloch.

Mittlerweilen haben Peter, Manfred und Anton mehrere Klüfte aufgeschlossen. Ein Strahlstock aus Fiberglas erweist sich als hilfreich. Er schont die empfindlichen Kanten und Spitzen. In diesen Apriltagen 2014 bergen wir einige Zentner derben Bänderamethyst und zahlreiche Kristalle bis 15 cm Kantenlänge. Dankbar und zufrieden füllen wir Kiste für Kiste. Ein Großteil des Materials verbleibt in Maissau. Belegstücke kommen ins Karhuletzmuseum sowie ins Geozentrum Steinstadel Aggsbach. Auch die Geologische Bundesanstalt kann nun die dort verwahrten Erstfunde durch aktuelle ergänzen.

Der Autor mit bergfrischer Kristallstufe aus rund 8 m Tiefe.
Im April 2014 wurde der senkrecht stehende Amethyst-Quarzgang bis in 10 m Tiefe aufgeschlossen. Foto Gerald Knobloch.

Bekannt seit mehr als 170 Jahren

Es ist anzunehmen, dass den Entdeckern die Bedeutung ihrer Funde durchaus bewusst war, denn zu jener Zeit galt Amethyst als einer der wertvollsten Edelsteine. So gelangten Stücke des neuen Vorkommens an die "K & K Geologische Reichsanstalt" in Wien, dem Vorläufer der späteren Geologischen Bundesanstalt. Der erste Direktor dieser 1835 gegründeten Institution, Wilhelm von Haidinger, einer der bedeutendsten Mineralogen seiner Zeit, ließ Scheiben daraus schneiden und betrachtete sie unter dem Polarisationsmikroskop. Dabei erkannte er, dass diese Kristalle aus einer innigen Verwachsung von rechtsdrehenden und linksdrehenden Quarzen bestehen. Er publizierte seine Entdeckung und nannte sie "idiophane Achsenbilder". So war der Maissauer Amethyst bei Experten bald ein Begriff. 1849 wurde der kaiserliche Bergbeamte Johann Cžjžek zur Untersuchung des Vorkommens nach Maissau entsandt. Aus seiner Beschreibung geht hervor, dass der Amethystquarzgang damals auf „9–10 Fuß Tiefe“ am Rande des Steinbruches aufgeschlossen war, von wo er sich ca. „100 Klafter weit nach Stund 9 (Osten) gegen Maissau“ zog. Im Jänner 1850 sandte Cžjžek eine 165 Pfund schwere Kiste mit Belegstücken an die Geologische Reichsanstalt.

Erst geschätzt – dann unterschätzt

In der Folge gelangten Maissauer Amethyste in bedeutende Sammlungen. Im ersten Band seines Werkes „Mineralogisches Lexicon für das Kaiserthum Österreich“ widmete Victor Ritter von Zepharovich dem Amethyst von Maissau einen ganzen Absatz. Dann allerdings wurde es allmählich stiller um diesen Bodenschatz, was auch an der Schließung des kleinen Steinbruchs gelegen sein mag.

In Mineralica 2025-3

Dieser Artikel steht auf den Seiten 34–49. Die ersten 2 Seiten können Sie frei durchblättern.

Alle ansehen
Frei

Mineralica 2025-3

The impossible fluorite crystal

Auf einer Mineralienmesse fiel Herwig Pelckmans ein Fluorit in Form eines regelmäßigen Dodekaeders auf – eine Form, die Fluorit gar nicht bilden kann. Die Geschichte eines geschliffenen Stücks mit Gesprächswert.

Von Herwig Pelckmans

Mineralica 2025-3

Wulfenite is love: Die Red Cloud Mine

Die Red Cloud Mine in Arizona lieferte die schönsten tieforangeroten Wulfenite der Welt. Gerd M. Wiedenbeck erzählt ihre Geschichte vom Silberbergbau bis zur „Red Gem Pocket“ und von seiner eigenen Suche in der Mine.

Von Gerd M. Wiedenbeck