Mineralica 2026-2

Wittichen: Hommage an ein klassisches Fundgebiet

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Frank Oppenländer & Matthias Reinhardt (2026): Wittichen: Hommage an ein klassisches Fundgebiet. Mineralica 2026-2, S. 8–46.

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Frank Oppenländer & Matthias Reinhardt (2026): Wittichen: Hommage an ein klassisches Fundgebiet. Mineralica online, Juni 2026. https://mineralica.com/a/l7j7f1 (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Das Seitental Wittichen im Schwarzwald war ein Zentrum des Silber- und Kobaltbergbaus und zählt zu den klassischen Fundstellen Deutschlands. Im Mittelpunkt stehen Aufnahmen seltenster Mineralien aus einer der umfangreichsten Sammlungen des Reviers.

Nach dem Revier benannt und sein Aushängeschild: Wittichenit von der Grube Johann am Burgfelsen in Vorder-Wittichen. Das seltene Kupfer-Wismut-Sulfid wurde im 19. Jahrhundert hier erstmals beschrieben und macht Wittichen bis heute zur Typlokalität. BB 3,6 mm. Sammlung Michael Bittmann, Foto Matthias Reinhardt.

Dieses kleine abgelegene Seitental im nordwestlichen Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg war einst ein Zentrum des Silber- und Kobaltbergbaus im Schwarzwald und ist bis in die heutige Zeit ein bekannter Fundort für faszinierende Mineralien. Als eine der klassischen Mineralfundstellen Deutschlands hat das Revier mit seiner außergewöhnlichen Vielfalt längst überregionale Bekanntheit erlangt.

Zahlreiche, teils umfangreiche und detaillierte Aufsätze, haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit Wittichen und seiner Umgebung beschäftigt [1], [2], [3] usw. Sie liefern eine Fülle von Informationen über dieses spannende Gebiet, unter anderem ausführliche Einzelbeschreibungen der Mineralarten. Diese Arbeit verfolgt nicht dieses Ziel. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und versteht sich als Ergänzung vorhandener Literatur. Sie soll eine Anregung für Überlegungen und Diskussionen sein. Dabei werden unter anderem neue Erkenntnisse beleuchtet sowie einige Funde der vergangenen Jahre gezeigt.

Freistehender, gut ausgebildeter Erythrin-Kristalle in der typischen karminroten Farbe. Grube Anton, Heubachtal. Bildbreite 1,6 mm. Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.
Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.

Historische Einordnung

Über die Historie des Bergbaues in Wittichen finden sich zahlreiche Literaturstellen insbesondere bei Bliedtner & Martin 1986 [1]. Grundsätzlich ergeben sich aus den Recherchen folgende Phasen montantechnischer Aktivitäten in und um Wittichen:

Frühe Phase im Hochmittelalter: Für einen Bergbau gibt es aus dieser Zeit keine gesicherten Nachweise, wohl aber für die Gründung des Klosters Wittichen im Jahr 1324 [16]. Dass die Selige Luitgard (1291–1348) ihr Klarissenkloster ausgerechnet in diesem kleinen, abgelegenen Seitental errichtete, dürfte kein Zufall sein: Möglicherweise hängt die Standortwahl mit den Erzvorkommen und einem frühen Bergbau auf Silber und ggf. weitere Erze zusammen.

Silberbergbau bis ins 19. Jhd.: Belegt ist er durch verschiedene Dokumente – etwa eine Verleihungsurkunde für Bergbaurechte, die die Landgräfin Elisabeth zu Fürstenberg 1517 für die Wiederaufnahme des Bergbaues ausstellte [20]. Da bereits von einer Wiederaufnahme die Rede ist, müssen schon vor 1517 Erze abgebaut worden sein. Nach Kapf (1784, [1]) bestand am Witticher Silberberg bereits 1506 Bergbau.

Kobalt-, Silber- und Kupferbergbau: Spätestens ab der ersten Hälfte des 18. Jhd. wurden neben Silber auch Kobalt, Kupfer und andere Metalle abgebaut – vor allem durch das Haus Fürstenberg sowie die Nürnberger und die Calwer Gewerkschaft [1].

Blick auf die Reste des ehemaligen Klarissenklosters Wittichen mit Klosterkirche. Dass die Selige Luitgard (1291–1348) ihr Kloster 1324 ausgerechnet in diesem abgelegenen Seitental errichten ließ, dürfte kein Zufall sein – möglicherweise stand die Standortwahl in Zusammenhang mit den Erzvorkommen und einem frühen Bergbau auf Silber. Aufnahme 2024. Foto Matthias Reinhardt.

Nachlesebergbau auf den Halden und innerhalb der alten Grubenbaue durch ehemalige Bergleute und Bauern nach dem Ende des regulären Bergbaus bis in die zweite Hälfte des 19. Jhd.

Prospektion im 20. Jahrhundert: Zwischen 1935 und 1979 wurde das Revier in verschiedenen Untersuchungen auf sein Abbaupotenzial geprüft, wobei Wismut, Kupfer, Kobalt, Uran und die Mineralisation der Gangarten im Mittelpunkt standen [8].

Nachbergbauliche Nutzung: Seit den 1960er Jahren dienen die Überreste des ehemaligen Bergbaues unterschiedlichen Zwecken. Dem Naturschutz, indem alte Grubenbaue Lebensraum etwa für Fledermäuse und Amphibien bieten [2], der Gewinnung von Schotter- und Auffüllmaterial aus den Halden sowie schließlich touristischen Zwecken in Form des Bergbaulehrpfads.

Münzgeprägte Zeugen des Witticher Silberbergbaues, von oben nach unten: Ausbeutetaler der Grube Sophia (1762), Ausbeutetaler der Grube Alt-St.-Joseph (1729) und die viereckige Dankopferklippe der Grube Gnade Gottes (1704/05), jeweils in Avers und Revers. Während Ausbeutetaler aus dem laufend geförderten Silber einer Grube geschlagen wurden und deren Ertrag dokumentierten, dienten Dankopferklippen als religiöse Dankesgabe für einen besonders reichen Fund. Foto Matthias Reinhardt.
Foto Matthias Reinhardt.
Foto Matthias Reinhardt.
Foto Matthias Reinhardt.
Foto Matthias Reinhardt.
Foto Matthias Reinhardt.

Geografische Abgrenzung

Die Witticher Erzgänge setzen ausschließlich im Granit auf, genauer im Witticher Granit, einem nördlichen Ausläufer des großen Triberger Granitmassivs [19]. Dieser meist rötliche Biotitgranit ist damit der eigentliche Träger der Vererzung. Geologisch handelt es sich um ein einheitliches Ganggebiet, dessen Grenzen quer durch die historischen Herrschaftsverhältnisse – fürstenbergisches und württembergisches Gebiet – verliefen. Schon die alten Bergleute wussten, dass die Gänge dort am ehesten bauwürdig waren, wo das Nebengestein hydrothermal zersetzt und brüchig ist; sie sprachen vom „freundlich mild Gebürg" im Gegensatz zum tauben, harten Gestein abseits der Gänge [19].

Als Kerngebiet des ehemaligen Witticher Bergbaues und damit der Fundstellen kann der Witticher Silberberg auf der orografisch rechten bzw. auf der südlichen Talseite betrachtet werden. Hier liegen die Überreste ehemals bedeutender Bergwerke wie Grube Sophia, Neuglück, Simson, Alt-St.-Joseph, Gnade-Gottes, Adler usw. Charakteristisch für das gesamte Revier ist die einheitliche, etwa SE–NW verlaufende Streichrichtung der meisten Gänge.

Lagerstättenkundlich-geologische Situation der Umgebung von Wittichen: In Weiß der Witticher Granit als eigentlicher Träger der Vererzung, in Gelb die Sandsteindeckschichten, in Grün die Gneise des Grundgebirges; rot dargestellt sind die vererzten Bruchzonen mit Co-Ni-Ag-Bi-U-Paragenese sowie die hydrothermalen Baryt-Fluorit-Gänge, die das Witticher Revier prägen. Nach Zitzelmann (2024) [2], umgezeichnet.
Aufschluss im Heubachtal: Granit mit auflagerndem Gneis – die beiden für das Witticher Revier zentralen Gesteinseinheiten in direkter Kontaktbeziehung. Aufnahme 2025. Foto Matthias Reinhardt.
Anilith vom kürzlich entdeckten Vorkommen an der Aichhalder Mühle – diesem Fund des seltenen Kupfersulfids wird in einer der nächsten Ausgaben ein eigener Beitrag gewidmet. BB 3,4 mm. Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.

Daneben finden sich Spuren von teils umfangreichem Altbergbau in Hinter-Wittichen (Grube Güte-Gottes), im Gallenbachtal (z. B. Grube Daniel), in Vorder-Wittichen (z. B. Gruben Johann) und an anderen Stellen.

Streng genommen gehören aus geologischer und mineralogischer Sicht weitere Lagerstätten in der Umgebung zur Witticher Bi-Co-Ni-Ag-U-Gangformation. So ähnlich sich die Gänge dieses Vererzungsgebietes untereinander sind, so deutlich unterscheiden sie sich von den übrigen Erzgängen des Kinziggebietes – ein Umstand, der bereits Breithaupt 1849 zur Aufstellung einer eigenen „Witticher Erzformation" veranlasste [19]. Räumlich reicht dieses Ganggebiet vom Sulzbächle- und Tiefenbachtal über die Täler des Heubachs, des Witticher Klosterbachs, des Kaltbrunnerbachs und der Reinerzau bis ins große Kinzigtal; nördlich von Alpirsbach und südlich von Schiltach treten weitere Gänge auf, während die erztragenden Granite nach Osten unter dem Deckgebirge der Trias verschwinden [19]. Bei den umliegenden Vorkommen handelt es sich meist um kleine Lagerstätten mit im Vergleich zu Wittichen verarmter Paragenese. In diesem Zusammenhang sind einzelne Vorkommen im Heubachtal (z.B. Andreas, Grube Katharina), in der Reinerzau (z. B. Grube Raphael, Grube Emanuel u. a.), im Stammel- und Hunersbachtal (z. B. Grube Hilfe Gottes), im Kaltbrunner Tal (z. B. Anton-Gang) usw. zu nennen.

Das kleine, mineralogisch aber interessante Vorkommen an der Aichhalder Mühle mit dem seltenen Kupfersulfid Anilith gehört ebenfalls dazu. Dieser erst kürzlich bekannt gewordene Fund wird in einem gesonderten Beitrag in einem der nächsten Hefte ausführlich vorgestellt.

Ausbeutetaler der Grube Dreikönigstern in der Reinerzau (1728), Avers und Revers. Anders als die fürstenbergischen Witticher Gruben lag Dreikönigstern auf württembergischem Gebiet – und gehörte gemeinsam mit der Grube Anton im Heubachtal zu den wenigen Vorkommen der weiteren Witticher Erzformation mit nennenswertem Bergbau. Foto Matthias Reinhardt.
Foto Matthias Reinhardt.
Dendritisch gewachsenes gediegen Silber – die für die Grube Dreikönigstern in der Reinerzau charakteristische Wuchsform. BB 14 mm. Sammlung Uwe Janouch, Foto Matthias Reinhardt.
Eine Prachtstufe aus der Grube Dreikönigstern: kräftig ausgebildetes, dendritisch gewachsenes gediegen Silber in beachtlicher Größe. Reinerzau. 6 × 3 cm. Sammlung Uwe Janouch, Foto Matthias Reinhardt.
Auch dieses Stück stammt vom Neufund an der Aichhalder Mühle: Covellin in seltener Pseudomorphose nach Anilith – das ursprüngliche Kupfersulfid wurde dabei durch den schwefelreichern Covellin verdrängt, die äußere Kristallform des Vorläufers blieb erhalten. Eine ausführliche Vorstellung der Fundstelle folgt in einem gesonderten Beitrag in einem der nächsten Hefte. BB 4,1 mm. Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.

Umfangreicher Bergbau in Verbindung mit nennenswerten Erzmengen fand dagegen im Heubachtal (Grube Anton) sowie in der württembergischen Reinerzau (Gruben Dreikönigstern, Herzog Friedrich und andere) statt.

Malachit. Aichhalder Mühle. BB 2,3 mm. Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.
Malachit als Pseudomorphose nach Anilith. Aichhalder Mühle. BB 2,2 mm. Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.
Tirolit. Aichhalder Mühle. BB 4,4 mm. Sammlung Frank Oppenländer, Foto Matthias Reinhardt.

Silberberg

Gruben Simson und Neuglück im Böckelsbachtal

Mit Hilfe dieser beiden Bergwerke – Neuglück wurde 1743, Simson 1752 eröffnet [19] – wurde vor allem im 18. Jhd. die SE-Fortsetzung des St.-Joseph-Ganges in Angriff genommen. Abgebaut wurden überwiegend Skutterudit und Safflorit als Kobalterze sowie gediegen Silber in kleinen Erzfällen (steilstehenden, im Streichen rasch auskeilenden Erzanreicherungen). Beide Gruben trafen zwar reiche Erzmittel an, doch wechselten ertragreiche Phasen mit Zeiten …

In Mineralica 2026-2

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