S. 8–46
Wittichen: Hommage an ein klassisches Fundgebiet
Von Frank Oppenländer und Matthias Reinhardt
Heft
Wo Altbekanntes Neues birgt: seltene Mineralien aus Wittichen im Schwarzwald, irisierende Granate aus Drammen in Norwegen, die Pegmatite von Ishikawa in Japan und der Abschied vom Mineralienhandel Maucher.
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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
in Gesprächen über unser Hobby begegnet mir immer wieder eine leise Wehmut: Die großen Fundstellen seien erschöpft, das Wesentliche längst beschrieben, das Beste liege hinter uns. Diese Ausgabe der Mineralica erzählt eine andere Geschichte – sie handelt vom Entdecken und vom Bewahren, und davon, dass beides häufig ein Wettlauf gegen das Vergessen ist.
Kaum ein Ort führt das so eindringlich vor Augen wie Wittichen im Schwarzwald. Frank Oppenländer nimmt uns mit in dieses abgelegene Seitental, einst ein Zentrum des Silber- und Kobaltbergbaus und seit Generationen von Sammlerinnen und Sammlern durchstreift. Die Halden wachsen allmählich zu, oder wurden längst als Wegeschotter abgefahren. Dennoch gibt es auch heute noch Neues im Revier zu entdecken: Erst kürzlich wurde eine neue Fundstelle an der Aichhalder Mühle bekannt.
Der Beitrag versteht sich dabei ausdrücklich nicht als vollständige Bestandsaufnahme. Aber er umreißt einige der seltensten Mineralien des Reviers, die anhand erstklassiger Exemplare und teils völlig neuer, noch nie gezeigter Aufnahmen dokumentiert werden.
Wie viel Hingabe nötig ist, um eine Fundstelle überhaupt im Gedächtnis zu halten, zeigt der Beitrag über Ishikawa in Japan. Die Pegmatite dieser kleinen Stadt in der Präfektur Fukushima zählen zu den reichsten Fundorten für sogenannte Seltenelementminerale des Landes. Zugleich trägt die Fundstelle ein dunkles Erbe: Im Zweiten Weltkrieg schürfte man hier verzweifelt nach Uran für ein Kernwaffenprogramm, das letztlich nie zustande kam. Für diesen Beitrag ist Kōta Harihara selbst auf Entdeckertour gegangen und hat das historische Bergbaugebiet auf der Suche nach den letzten Spuren dieser dunklen Ära neu erkundet.
Dass die Natur uns immer wieder völlig unerwartet überraschen kann, zeigt schließlich der Beitrag von Máximo Alfonso Rojo, Gabija Maršalkaitė und Adrien Sautier. Aus der Gegend von Drammen in Südnorwegen, seit Langem für ihre Granate bekannt, stammt ein Fund, mit dem niemand gerechnet hatte: irisierende Andradite, deren Kristallflächen in Blau, Grün, Violett und Gold leuchten und an die schillernden Farben der Nordlichter erinnern. Schöne Granate kannte man hier seit Generationen; dass darunter erstmals in ganz Europa auch irisierende auftauchen würden, ahnte niemand.
Drei Beiträge, drei sehr unterschiedliche Orte – und doch dieselbe Lehre: Das Feld ist nie abgeschlossen. Genau deshalb antworte ich auf den Einwand, es gebe doch nichts Neues mehr, am liebsten gar nicht mit Worten. Ich lächle, reiche eine Ausgabe der Mineralica über den Tisch und bitte: Blättern Sie doch einfach einmal durch.
Ganz am Ende dieser Ausgabe schließlich ein Vorgeschmack auf die nächste: ein kurzer Anriss zur Geschichte des legendären Münchner Mineralienhandels Maucher, der nach mehr als hundert Jahren nun seine Türen schließt.
Mit herzlichen Grüßen,
Maximilian Schiller
Herausgeber
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S. 8–46
Von Frank Oppenländer und Matthias Reinhardt

S. 50–59
Von Máximo Alfonso Rojo, Gabija Maršalkaitė und Adrien Sautier

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Was eine Fundstelle bedeutend macht: farbenprächtige Achate aus San Rafael in Argentinien, die Turmaline der Insel Elba und die Mikromineralien vom Kaiserbründl an der Gratlspitze in Tirol.

Seltenheit, Form und Fundglück: roter Beryll aus den Thomas Mountains in Utah, die Kristallformen des Goldes, neue Mikromineralien aus dem Siegerland und drei legendäre Amazonitstufen aus Colorado.