Mineralica 2026-2

Ishikawa: Ruhm und Schatten einer Mineralien-Schatzkammer

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Kōta Harihara (2026): Ishikawa: Ruhm und Schatten einer Mineralien-Schatzkammer. Mineralica 2026-2, S. 62–69.

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Kōta Harihara (2026): Ishikawa: Ruhm und Schatten einer Mineralien-Schatzkammer. Mineralica online, Juni 2026. https://mineralica.com/a/7f8u2c (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Ishikawa in der Präfektur Fukushima ist eine der ergiebigsten Fundregionen Japans für Seltenelementminerale. Kōta Harihara folgt ihrer Geschichte vom Feldspatbergbau für Porzellan bis zur verzweifelten Uransuche im Zweiten Weltkrieg.

Ishikawait von der Typlokalität im Distrikt Ishikawa, Präfektur Fukushima. Der über 1 cm lange, grob ausgebildete Kristall wurde mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF) eindeutig als Ishikawait identifiziert, jenes uranreiche Mineral, das Kenjiro Kimura 1922 erstmals beschrieb. Digital freigestellt. Sammlung und Foto Kōta Harihara.

Ishikawa ist eine ländliche Kleinstadt mit knapp 14.000 Einwohnern im Südosten der Präfektur Fukushima. Rund 175 km Luftlinie nord-nordöstlich der Metropole Tokio gelegen und etwa dreieinhalb Autostunden entfernt, bildet Ishikawa einen ruhigen Gegenpol zur Hauptstadt. Die Landschaft wird geprägt von Reisfeldern, bewaldeten Hügeln und sanften Tälern. Wer heute zum ersten Mal hierher kommt, würde kaum vermuten, dass dieser Ort so eng mit der Geschichte der japanischen Mineralogie, der Radiochemie und sogar der Kernwaffenforschung im Zweiten Weltkrieg verknüpft ist.

Geographie und Geologie

Ishikawa liegt am Westfuß des Abukuma-Gebirges, eines ausgedehnten Gebirgszuges, der sich in Nord-Süd-Richtung durch den Osten der Präfektur Fukushima erstreckt. Mit knapp 1200 Metern Höhe ist das Gebirge im japanischen Vergleich weder besonders hoch noch besonders schroff. Vielmehr handelt es sich um ein sanftes, hügeliges Hochland, weshalb es auch als Abukuma-Hochland bezeichnet wird.

Das Abukuma-Gebirge besteht überwiegend aus granitischen Gesteinen (Granitoiden), den sogenannten Abukuma-Graniten. Diese setzen sich aus Granodioriten und Tonaliten sowie aus alkalifeldspatreichen „echten" Graniten zusammen, durchsetzt von weiteren intrusiven und metamorphen Begleitgesteinen. Diese Gesteine entstanden in der Unteren Kreide, im Apt bis Alb (ca. 100 – 120 Ma) [2]. Entlang dieses über 100 km langen Nord-Süd-Gürtels finden sich zahlreiche bedeutende Granit-Pegmatit-Lagerstätten, insbesondere hier in Ishikawa und Umgebung.

Pegmatite sind besonders grobkörnige Intrusivgesteine; ihre Einzelkristalle messen mehr als einen Zentimeter, häufig ein Vielfaches davon. Da Granitoide überwiegend aus Quarz und Feldspat bestehen, liefern Granit-Pegmatite diese beiden Minerale in industriell nutzbaren Mengen: Quarz für die Glasherstellung, Feldspat für die Keramik- und Porzellanproduktion. Hinzu kommen häufig große, gut ausgebildete Quarzkristalle sowie weitere edelsteintaugliche Minerale. Auch deshalb werden Pegmatite gezielt erkundet. Hinzu kommt ihre häufige Anreicherung mit besonderen, vergleichsweise seltenen und wertvollen chemischen Elementen. Den sogenannten Seltenelementen. All dies macht Pegmatite geologisch wie wirtschaftlich besonders interessant und zugleich zu einer Fundgrube mineralogischer Wunder.

Winterliche Landschaft in Ishikawa, Präfektur Fukushima, im Dezember 2024. Die sanften Hügel am Westfuß des Abukuma-Gebirges prägen das Bild der Region. Foto Kōta Harihara.
Lage von Ishikawa innerhalb der Präfektur Fukushima, rund 175 km nord-nordöstlich von Tokio. Eigene Darstellung.

Die Anfänge des Pegmatitbergbaus in Ishikawa

Die frühesten Aufzeichnungen über den modernen Pegmatitbergbau in Ishikawa reichen in die Meiji-Ära (1868–1912) [1] zurück. Also in jene Zeit der raschen Modernisierung und Industrialisierung des Kaiserreichs Japan nach dem Sturz der feudalen Herrschaft des Tokugawa-Shōgunats. Die Bergbauaktivitäten der Meiji-Zeit waren in Ishikawa noch begrenzt und beschränkten sich auf bestimmte Ortsteile, namentlich Iriyama und Wagu. Ein formaler Eintrag bezeugt, dass ein Pegmatit in Wagu vor etwa 1907 zunächst auf Muskovit und später auf Quarz für die Glasherstellung abgebaut wurde, bevor der Betrieb eingestellt wurde [1].

Anfang der Taishō-Zeit (etwa ab Ende der 1910er Jahre) war die Region bereits landesweit für ihren Feldspat bekannt. Die Regierung förderte den Abbau, um den Export keramischer Produkte zu steigern. In der zweiten Hälfte der Taishō-Zeit (ca. 1920er Jahre) nahmen Zahl der Gruben und Bergleute deutlich zu, da wirtschaftlicher Abschwung und schlechte Ernten die bäuerlichen Gemeinden belasteten. Der Wert des Quarz-Feldspat-Bergbaus war im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung so hoch wie nie zuvor [1].

In dieselbe Zeit fielen zahlreiche mineralogische Funde und wissenschaftliche Beiträge aus Ishikawa, darunter 1922 die Entdeckung des Ishikawait. Diese Funde festigten den Ruf der Region als eine der bekanntesten Fundstellen für Seltenelementminerale. Eine Bedeutung, die durch die veränderte geopolitische Lage später noch zunehmen sollte.

Die Seltenelementminerale von Ishikawa

Der Begriff Seltenelementminerale (japanisch 稀元素鉱物, kigenso-kōbutsu) ist unscharf definiert und keine streng wissenschaftliche Bezeichnung. Im historischen Sprachgebrauch der japanischen Mineralogie des 20. Jahrhunderts bezeichnet er relativ seltene, lithophile und inkompatible Elemente, die sich bevorzugt in Granit-Pegmatiten anreichern. Etwa Lithium, Beryllium, Seltene Erden (REE), Zirconium, Niob, Caesium, Tantal, Thorium und Uran. Ishikawa beherbergt zahlreiche Pegmatit-Lagerstätten vom NYF-Typ (Niob-Yttrium-Fluor) und gehört damit zu den ergiebigsten Fundregionen für Seltenelementminerale in Japan.

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