Im 19. Jahrhundert galt die Insel Elba weltweit als der berühmteste Fundort für Turmalin-Stufen – berühmt vor allem für ihre eleganten, polychromen Kristalle. Im August 1913 sandte der bekannte russische Mineraloge und Geochemiker Vladimir Vernadsky (1863–1945) ein Manuskript zur Kristallchemie der Turmalin-Gruppe an die renommierte deutsche Fachzeitschrift Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff „Elbait“ geprägt, da die Insel Elba die Typlokalität dieses Minerals darstellt.
Vernadsky untersuchte einige rosa Turmalinkristalle, die in den Pegmatiten von San Piero in Campo auf der Insel Elba gefunden worden waren, und identifizierte die für sie charakteristischen chemischen Elemente: Lithium, Bor, Natrium, Aluminium, Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff. Dank seiner Kenntnisse in Chemie und Physik sowie einer bemerkenswerten Abstraktionsfähigkeit gelang es ihm, sich vorzustellen, wie diese Elemente in der Kristallstruktur dieses Minerals verteilt sein mögen, lange bevor die Röntgendiffraktion zur Routine wurde (Dini 2021).
Zu dieser Zeit waren die wunderbaren Stufen mit Elba-Turmalinen bereits in den bedeutendsten mineralogischen Museen der Welt bekannt und geschätzt. Die beiden Dörfer San Piero in Campo und Sant’Ilario in Campo wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der begehrtesten Ziele für Sammler, Händler, Prospektoren und Kuratoren großer Museen, angezogen durch die dort getätigten Funde äußerst schöner Stufen mit polychromem Turmalin.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in anderen Pegmatiten der Welt ebenfalls sehr schöne Elbait-Kristalle entdeckt – in Russland, Kalifornien, Brasilien, Afghanistan, Madagaskar, Mosambik, um nur einige zu nennen. Diese Pegmatitgänge waren deutlich größer als die elbanischen, ebenso wie ihre Hohlräume, die dadurch viel größere Kristalle lieferten. Diese eigneten sich deshalb auch besser zum Facettieren für den Edelsteinmarkt. Die Globalisierung und die Verbreitung außereuropäischer Elbaite im Sammler- und Edelsteinbereich haben den ursprünglichen Ruhm der Kristalle von Elba etwas überlagert und relativiert. Dieser Effekt wurde dadurch verstärkt, dass die Turmalinfunde auf Elba im 20. Jahrhundert drastisch zurückgingen – auf heutigen Mineralienbörsen sind sie Raritäten.
Aber versuchen wir, die besonderen Merkmale der Elba-Turmaline kurz zu beschreiben. Die Kristalle überschreiten nur selten 5 cm Länge und sind damit deutlich kleiner als die meisten Stücke anderer Weltfundorte. Demgegenüber sind es im Wesentlichen drei Eigenschaften, die diese Turmaline einzigartig machen:
Große morphologische und farbliche Variabilität der Kristallenden. Am bekanntesten ist die sogenannte „black cap“ (italienisch „testa di moro“, dt. „Mohrenkopf“): eine terminale „Kappe“ meist schwarzer Farbe (jedoch mit möglichen Farbvarianten), deren Mächtigkeit von wenigen Zehntelmillimetern bis zu zwei Zentimetern und mehr reichen kann.
Zarte, sehr vielfältige Farbgebung und Nuancen. Sowohl bei einfarbigen als auch bei polychromen Kristallen finden sich ausgesprochen feine Farbtöne, die man ohne Weiteres als Pastellnuancen bezeichnen kann – sehr angenehm und besonders harmonisch. Auch die Abfolge der Farben in polychromen Kristallen ist sehr variabel und von großer ästhetischer Wirkung.
Wie Dr. Federico Pezzotta, ein Experte für Elba-Turmaline, zutreffend feststellt, ist eine weitere typische Eigenschaft dieser Stufen, dass die Turmalinkristalle relativ groß sind im Verhältnis zu den Kristallen der begleitenden Mineralien wie Quarz, Orthoklas, Albit und Lepidolith. Diese Minerale treten wiederum stets in sehr hochwertigen, klaren und glänzenden Kristallen auf, deren Größe zu den Turmalinen passt. Diese Merkmale verleihen den Elba-Stufen ein besonders elegantes und ausgewogenes Erscheinungsbild, von hervorragenden Thumbnails bis hin zu größeren Stücken. Bei den besten Exemplaren steigern zudem die Farben der Parageneseminerale die Schönheit: Neben dem Farbenspiel der Turmaline finden sich häufig blauer Albit, rosa Orthoklas, rosavioletter Lepidolith sowie Rauchquarz bis Citrin.
TEKTONISCHE UND STRATIGRAPHISCHE INTERPRETATION DER GEOLOGIE ELBAS
Bernardino Lotti war einer der größten toskanischen Geologen; seine geologische Karte der Insel Elba (1884) war die erste genaue und moderne kartographische Darstellung der geologischen Vielfalt Elbas (Dini 2021). Ihm ist auch ein Satz zuzuschreiben, der den Begriffen Geodiversität und Geokonservierung gewissermaßen vorgriff, indem er die geomineralogische Einzigartigkeit der Insel erfasste:
„Die Insel Elba und das Gebiet von Campiglia können mit Recht als großartige natürliche mineralogische und geologische Museen bezeichnet werden.“
Und doch waren Ende des 19. Jahrhunderts auf Elba weniger als hundert Mineralarten bekannt; heute sind nahezu 250 Arten identifiziert. Lottis Karten waren sehr detailliert in der Beschreibung der verschiedenen Gesteine der Insel, doch eine tektonische und stratigraphische Interpretation war praktisch unbekannt und musste erst vollständig erarbeitet werden. Die komplexe Abfolge geologischer Formationen stellte keine kontinuierliche Sedimentationsfolge vom Paläozoikum bis ins Oligozän dar, die lediglich vertikale Bewegungen und Deformationen erfahren hätte. Die Apenninen – wie auch die Alpen – entstanden durch tektonische Überschiebung von Bereichen kontinentaler und ozeanischer Kruste, die einst benachbart waren. Ganze Krustenstücke wurden über viele Kilometer seitlich versetzt und überlagerten benachbarte Sequenzen, wodurch die zeitliche Ordnung der Formationen vollständig durcheinandergeriet.
Es wurde daher notwendig, kohärente Abfolgen geologischer Einheiten (tektonische Einheiten) zu definieren, die Flächen zu identifizieren, entlang derer die Überschiebungsbewegung stattgefunden hatte (tektonische Kontakte), und die Geschichte der Insel neu zu interpretieren. In den Jahren 1940–1950 leistete Livio Trevisan, Geologe an der Universität Pisa, diese Arbeit – und ging anschließend noch weiter. Nachdem er fünf tektonische Einheiten („Komplexe“) unterschieden hatte, erkannte er, dass das geologische Bild durch einige anomal verlaufende tektonische Kontakte zusätzlich verkompliziert wurde.
Auf Elba – und im gesamten Apennin – erfolgte die Überschiebung der tektonischen Einheiten als Übergleiten von Westen nach Osten entlang von Flächen, die nach Osten ansteigen. Die von Trevisan beobachteten anomalen Kontakte waren hingegen nach Osten einfallend und schnitten die „normalen“ tektonischen Kontakte zwischen den Einheiten. Es handelte sich nicht um Überschiebungsflächen, sondern um niedrigwinkelige Dehnungsstörungen, die erst nach der Bildung des Apennin-Gebirges entstanden. Solche Störungen senkten ganze Krustensektoren ab, ließen sie über Kilometer seitlich gleiten und legten dadurch das darunterliegende frei: die granitischen Plutone. Damit war die Lösung gefunden: Auf Elba wurden die granitischen Plutone an die Oberfläche gebracht, indem die etwa sechs Kilometer mächtige Deckkruste „sanft“ nach Osten verschoben wurde.
GEOLOGISCHE NOTIZEN ZU ELBA
Trevisan (1950) gliedert Elba in zwei Domänen: eine zentral-östliche und eine westliche. Die erste wird durch ein System ostvergenter Decken (mit nach Osten gerichteter Bewegungsrichtung) gebildet, zusammengesetzt aus Krustenanteilen sowohl ozeanischen als auch kontinentalen Typs (Foto D5). Im westlichen Teil tritt hingegen nur eine Decke zutage, die aus ophiolithischem Material (metamorphisierte ozeanische Kruste) sowie aus sedimentären Deckschichten besteht und großflächig von der Monzogranit-Masse des Monte Capanne intrudiert wird (Orlandi 1996).
Bezugnehmend auf das tektonische Schema können fünf tektonische Einheiten nach Trevisan genannt werden, die die Insel Elba charakterisieren:
Komplex 1 (Barbieri et al. 1967) bildet das Vorgebirge von Calamita und den Küstenstreifen von Porto Azzurro bis Terra Nera. Er besteht aus metamorphen und schiefrigen Gesteinen, quarzreichen Konglomeraten sowie überwiegend dolomitischen Karbonatgesteinen.
Komplex 2 erstreckt sich entlang des Küstenstreifens zwischen Terra Nera und Portoferraio sowie im Bereich des Golfes von Stella. Er setzt sich aus Porphyroidgesteinen und porphyroiden Schiefern, Marmor, Kalkschiefern und Quarziten zusammen.
Komplex 3 tritt im Nordosten der Insel zutage, in einem Gebiet nördlich der Punta di Cavo, das sich nach Süden bei Terra Nera schließt, sowie in einem schmalen Streifen zwischen dem Golf von Portoferraio und dem Golf von Stella. Er besteht aus phyllitischem Grundgebirge und einer sedimentären Deckserie mit Konglomeraten, violetten Schiefern, dolomitischen Kalken, massigen Kalken und Mergeln.
Komplex 4 nimmt große Teile des zentral-östlichen Elba ein – von Cala della Vita bis Monte Puccio – in einem breiten Nord-Süd-Streifen von Portoferraio bis Capo Stella sowie im Umfeld des Monte Capanne. Dieser Komplex umfasst eine ophiolithische Sequenz und repräsentiert einen Abschnitt ozeanischer Kruste: Serpentinite, Gabbros, Diabase, Pillow-Basalte sowie pelagische Sedimentdeckgesteine.
Komplex 5 erscheint in einzelnen Schollen zwischen dem Golf von Portoferraio und der Halbinsel Calamita sowie großflächig im zentralen Inselteil. Er besteht aus tonig-kalkigen, schiefrigen und mergelig-sandigen Gesteinen sowie Porphyren (Orlandi 1997).
DER PLUTON DES MONTE CAPANNE
Der monzogranitische Pluton des Monte Capanne, eng verbunden mit den aplitischen und pegmatitischen Gängen im Gebiet von San Piero in Campo, besitzt die Form einer elliptischen Kuppel und wurde in geringer Tiefe (etwa 6 km) vor etwas mehr als 6 Millionen Jahren intrudiert (Orlandi 1996).
Auf Grundlage geochemischer und isotopischer Daten nehmen Poli et al. (1989) an, dass der Granit des Monte Capanne aus einem anatektischen Magma hervorging, das durch partielle Aufschmelzung metapelitischer Gesteine (metamorph überprägte tonige Sedimente) entstand und metasomatisch mit flüchtigen Elementen angereichert wurde. Dieses Magma stieß auf eine Barriere, die seinen Aufstieg verhinderte, sodass es gezwungen war, sich zwischen den Schichtflächen anderer Gesteine seitlich auszubreiten. Dabei entstand ein annähernd kreisförmiger, horizontaler Magmenkörper, der etwa dem heutigen Umriss des westlichen Elba entspricht und rund 10 km Durchmesser hatte.
Der Druck des weiter von unten nachdrängenden Magmas begann, diese tabulare Intrusion zu deformieren und das darüberliegende Gesteinspaket anzuheben. Die zunächst dünne tafelförmige Intrusion (ein Sill) wandelte sich so in einen Lakkolith und wölbte sich schließlich zu einem Pluton auf, der im Zentrum mächtiger und an den Rändern dünner ist.
1990 nahm Fabrizio Innocenti (Universität Pisa) die Arbeiten zu subvulkanischen Intrusionen im zentralen Elba wieder auf und konnte zeigen, dass die zuvor erwähnte „Falle“, welche den granitischen Magmenaufstieg blockierte, gerade aus den heute im zentralen Elba vorkommenden granitischen Porphyren bestand. Diese bildeten sich vor 7,5 bis 8,5 Millionen Jahren und lagen genau an jener Position, die später vom Pluton des Monte Capanne eingenommen wurde. Die langsame ostwärtige Verlagerung dieser Porphyre ermöglichte schließlich die Freilegung des granitischen Plutons.
Der heutige Monte Capanne entspricht näherungsweise der ursprünglichen Obergrenze der Intrusion. Im Randbereich des Plutons und in den Kontaktgesteinen der Aureole treten zahlreiche, vorwiegend aplitische Gänge auf. Der aufsteigende Granit deformierte und kontaktmetamorphosierte die umgebenden Gesteine des Komplexes 4. Gänge, Sills und subvulkanische Gesteinskörper sind im Komplex 5 des zentralen Elba, in den thermometamorphen Gesteinen sowie im granodioritischen Pluton des Monte Capanne häufig verbreitet.
Alle Gesteine, die mit dem granitischen Magma in Kontakt kamen, rekristallisierten bei Temperaturen von etwa 500–700 °C und durchliefen einen intensiven Metamorphoseprozess. Die geologische Vorgeschichte vor der Plutonbildung führte zu einer starken lithologischen Heterogenität, die in der metamorph überprägten Aureole weiter umgearbeitet wurde. Was ursprünglich Kalke, Jaspise, Tonsteine, Basalte, Gabbros oder Serpentinite waren, wurde in Marmor, Quarzit, Schiefer, Amphibolit, Hornfels usw. umgewandelt (Dini 2021).
DIE PEGMATIT- UND APLITGÄNGE
Der Begriff Pegmatit bezeichnet in der Geologie ein magmatisches oder metamorphes Gestein mit grobkörnigem bis riesenkörnigem Gefüge, dessen Kristalle einige Zentimeter, in Ausnahmefällen sogar einige Meter Durchmesser erreichen können. Unter den verschiedenen Pegmatittypen sind granitische Pegmatite am verbreitetsten, also solche aus Mineralen wie Kalifeldspat, Plagioklas, Quarz und Glimmer. Granitische Pegmatite werden wiederum anhand ihres inneren Aufbaus, ihrer Mineralogie, der Intrusionstiefe sowie ihrer Beziehungen zu den Nebengesteinen in sehr viele Typen unterteilt (Orlandi 1996).
Zur Entstehung granitischer Pegmatite wurden die unterschiedlichsten Hypothesen entwickelt. Heute besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass granitische Pegmatite das Produkt der Erstarrung magmatischer Restschmelzen sind (also Schmelzen mit niedrigem bis sehr niedrigem Gehalt an Mg, Ca, Fe sowie mit Spurenelementen wie Cu, Co, Ni etc. und gleichzeitig einem hohen Anteil an leichten Elementen, insbesondere an Bor und Fluor). Während der Kristallisation können diese große Mengen wässriger Fluide freisetzen (Orlandi 1996).
Die berühmten Pegmatitgänge der Insel Elba bildeten sich insbesondere aus einer residualen Ausgangsflüssigkeit, die reich an leichten und seltenen Elementen war, innerhalb eines chemischen Systems, das im Wesentlichen geschlossen blieb (also ohne neue Magmainjektionen), ohne bedeutende Reaktionen mit dem Nebengestein und ohne starken Fluidverlust nach außen. Unter diesen Bedingungen kommt es zu einer Anreicherung der Restschmelze an Neben- und Spurenelementen wie Fluor, Lithium, Bor, Rubidium, Beryllium usw. (Walker et al. 1986). Dies führt zur Ausbildung charakteristischer Paragenesen (Mineralfolge der Kristallisation) mit Turmalin-, Beryll- und Granatbildungen, die typischerweise zoniert sind.
Die schönsten Kristalle bilden sich in den Quarzkernen im Zentrum der Gänge – oder noch besser in den miarolitischen Hohlräumen (Geoden) (Orlandi et al. 1996). In Pegmatiten mit nur wenigen akzessorischen Mineralen ist Turmalin, wenn vorhanden, schwarz; solche Pegmatite heißen „primitiv“. Wo es reichlich akzessorische Minerale gibt, ist Turmalin farbig, und bei starker Anreicherung leichter Elemente werden die Pegmatite als „evolviert“ bezeichnet. Turmalin ist somit ein sehr aussagekräftiger Indikator für den Evolutionsgrad eines Pegmatitbereichs (Jolliff et al. 1986), da er während des Wachstums seine chemische Zusammensetzung ändern und damit die Veränderung der chemischen Bedingungen im Kristallisationsraum deutlich „aufzeichnen“ kann. Diese chemischen Änderungen spiegeln sich in Farbänderungen: Mit zunehmender Evolution reichen die Farben von Schwarz über Grün, Gelb, Blau, Farblos bis Rosa oder Rot usw.
In den Hohlräumen der elbanischen Pegmatite finden sich häufig Spuren spät-hydrothermaler Prozesse: Bruchbildungen, Auflösung von Mineralen, neue Kristallgenerationen, Pseudomorphosen, Füllungen aus tonigen Mineralen usw. In Ausnahmefällen kann – wenn der Fluiddruck während der Kristallisation den lithostatischen Druck überwindet – sogar eine echte „Explosion“ der Geode erfolgen, mit Bruch des Nebengesteins, starkem Fluid- entweichen, Kollaps und Zerbrechen bereits gebildeter Kristalle und anschließendem Neubildungswachstum (Orlandi et al. 1996).
Die Pegmatitgänge Elbas wurden als seicht intrudierte Pegmatite klassifiziert (Ruggeri & Lattanzi 1992; Pezzotta 1996). Nach den Kriterien von Černý (1991) ordnet Pezzotta die Gänge der ersten Gruppe als sterile miarolitische Gänge ein; die Gänge der zweiten, dritten und vierten Gruppe als komplexe Pegmatite mit Lithiummineralen des Subtyps mit Petalit und Pollucit. Die Gänge der zweiten und dritten Gruppe zeigen – wenn auch im kleineren Maßstab – typische Merkmale edelsteinführender Pegmatite vieler Weltfundorte, mit besonders deutlichen Analogien zu den kalifornischen Aplit-Pegmatit-Gängen nach London (1986) und Stern (1986).
Auf Basis einer Untersuchung der inneren Strukturen und Gefüge, der Häufigkeit und Verteilung der Haupt- und Nebenminerale, der Turmalinfarben und der Paragenesen der Geoden gliedert Pezzotta (1996) die miarolitischen aplitisch-pegmatitischen Gänge des Monte Capanne in vier Hauptgruppen:
Gänge ohne Lithiumminerale
Gänge mit Lithiummineralen und komplexer asymmetrischer Zonierung
Gänge mit Lithiummineralen und einfacher asymmetrischer Zonierung
Gänge mit Lithiummineralen ohne Zonierung oder mit unregelmäßiger Zonierung
Die bekanntesten und produktivsten Gänge Elbas gehören zur zweiten Gruppe: Sie enthalten Lithiumminerale und zeigen eine komplexe, dreidimensional asymmetrische Zonierung. Diese Gangkörper erreichen Mächtigkeiten bis etwa 2 m und Längen von 10–15 m; dünne Apophysen können sich über mehrere Dutzend Meter fortsetzen. Zu diesem Typ gehörten viele der berühmten, seit langem erschöpften Vorkommen wie Grotta d’Oggi, La Speranza, Fonte del Prete und Fosso Gorgolinato (Orlandi et al. 1996).
Eine detaillierte Untersuchung wurde durch die Auffindung und den Abbau (1991–1994) zweier Gänge südlich des Steinbruchs La Speranza ermöglicht: Filone di San Silvestro und Filone Rosina. Diese lieferten polychromen Turmalin, blauen und rosa Beryll, Petalit, Spessartin sowie zahlreiche seltene Minerale wie Uranopolykras. Die Gänge dieser Gruppe sind im porphyrischen Monzogranit des Monte Capanne eingelagert, wenige Meter vom Kontakt zu den thermometamorphen Wirtsgesteinen entfernt. In einem einzigen Fall (rund 100 m nordöstlich von Sant’Ilario) wurde ein Gang dieser Gruppe teilweise in einem Leukogranitgang und teilweise in thermometamorphen basischen Gesteinen beobachtet.
Kleinere Geoden sind in den „Schwänzen“ der Gänge verteilt, während im Kernbereich – am Kontakt zwischen der liegenden Aplitzone und der hangenden Pegmatitzone – wenige, aber große Hohlräume entstehen können. Im Filone di San Silvestro gab es eine einzige große zentrale Hohlraumgeode, unregelmäßig abgeflacht, etwa 2,30 × 0,35 × 0,8 m groß. Noch größere Geoden wurden im letzten Jahrhundert beim Abbau in Lokalitäten wie Grotta d’Oggi, Fonte del Prete usw. gefunden.
Die Mineralogie dieser Geoden reicht von primitiv bis stark evolviert und variiert je nach Gangzone. Um die größten Geoden sind mitunter radiale Brüche und deutliche Kollapsstrukturen zu erkennen, mit späteren Rekristallisationen – Hinweise auf wahrscheinlich heftige Fluidfreisetzungen während der Kristallisation. Zudem zeigen diese Geoden hydrothermale Zirkulationen von mindestens zwei Generationen. Das erste Ereignis verursachte Korrosion von Petalit, Pollucit und Helvit sowie lokal in geringerem Maße auch von polychromem Turmalin, Beryll und Kalifeldspat, mit Bildung von Zeolithen und amorpher Kieselsäure. Das zweite hydrothermale Ereignis wurde durch späte Klüfte gesteuert, die die Gänge durchschneiden und lokal die Geoden kreuzen; es führte zur nahezu vollständigen Korrosion der in den Hohlräumen vorhandenen Paragenese (Orlandi et al. 1996).
BILDUNG UND PARAGENESE EINER MIAROLITISCHEN HOHLRAUMGEODE
In den meisten Matrixgesteinen elbanischer Turmalinstufen erkennt man häufig dunkle Bereiche, die durch graphische Verwachsungen zwischen Schörl (schwarzer Turmalin) und Quarz gekennzeichnet sind und in jeder Hinsicht als epitaktisch angesehen werden können. Solche Verwachsungen sind in Pegmatitblöcken aus den Halden alter Abbau- und Suchstellen sowie in einigen noch aktiven Brüchen sehr verbreitet. Sie gelten als gute Hinweise auf das Vorhandensein gut auskristallisierter Hohlräume innerhalb der Gänge. Diese graphischen Verwachsungen in Pegmatitgängen sind ein direktes Ergebnis der Kristallisationsphasen der Gänge selbst (London 2013). Im Folgenden werden die verschiedenen Phasen beschrieben, die zur endgültigen, turmalinreichen Hohlraumgeode führen.
Phase 1: Ausgangspunkt ist eine Kluft im bereits erstarrten Granit, in die ein pegmatitischer Fluidkörper silikatischer Zusammensetzung eindringt, reich an seltenen und flüchtigen Elementen, bei Temperaturen um 700 °C.
Phase 2: Quarz und Feldspat kristallisieren sofort an den Kluftwänden des Granits, und ein Teil der Spalte wird rasch von erstarrtem Material ausgefüllt. Quarz und Feldspäte enthalten weder Wasser noch Bor im Kristallgitter. Dadurch steigt der Gehalt dieser Komponenten in der Restschmelze, die sich zunehmend in Taschen im zentralen Gangbereich konzentriert, bis der Stabilitätsbereich der Turmaline erreicht wird. Turmalin kann nun Keime bilden und beginnt vermutlich bei etwa 550 °C zu kristallisieren.
Phase 3: Das schnelle Turmalinwachstum, kombiniert mit einer chemischen Mobilität des Systems, die ein Gleichgewicht verhindert, führt an der Grenzfläche „Kristallisationsfront – silikatische Schmelze“ zu Schwankungen in der Verfügbarkeit der chemischen Komponenten. Dieses chemische Ungleichgewicht bildet die Grundlage für die Entstehung der graphischen Aggregate aus Quarz und schwarzem Turmalin. Der gleiche Mechanismus ermöglicht in Pegmatitgängen auch graphische Verwachsungen anderer Mineralkombinationen, z. B. Quarz–Kalifeldspat, Quarz–Natronfeldspat, Quarz–Granat usw.
Phase 4: Sobald das wachsende graphische Aggregat einen Zustand erreicht, in dem die silikatische Schmelze verbraucht ist und ein geochemisch hochentwickeltes, lithiumreiches Fluid zurückbleibt, zeichnet sich die spätere kristallgefüllte Endgeode ab. Die Turmalinzusammensetzung entwickelt sich von Schörl (in den graphischen Aggregaten) zu Elbait. Damit geht der Übergang von einer eisen- und magnesiumreichen schwarzen Turmalinform zu einer transparenten, sehr perfekten, lithiumreichen farbigen Turmalinform einher. Die Kristalle stehen dabei parallel zueinander – Ausdruck der Orientierung der Schörl-Kristalle in den darunterliegenden graphischen Aggregaten – und sind eng mit Quarzkristallen vergesellschaftet, die ebenfalls oft parallel untereinander, jedoch gegenüber den Turmalinen in unterschiedlichen Winkeln orientiert sein können. Die Temperatur ist inzwischen stark abgesunken und das System tritt in die hydrothermale Phase bei etwa 370 °C ein.
Phase 5: In den letzten Kristallisationsstadien kann es zu einer Aufbruch-/Bruchbildung der Geode kommen, wodurch erneut Eisen und Mangan verfügbar werden, die aus Mineralen des Granits ausgelaugt werden. Diese können die für Elba so typischen „testa di moro“-Terminierung (black cap) hervorrufen. Allerdings zeigt die Beobachtung einer Pegmatitgeode oft, wie schwierig es ist, perfekt terminierte und unbeschädigte Kristalle zu finden. Ursache ist häufig eine Überdrucksituation der Fluide, die den Einschlussdruck der Geode übersteigen kann: Fluide entweichen dann – oft nicht „sanft“ – und die fragileren, aus der Wand herausragenden Kristalle brechen oder werden angeknackst. Späte Lösungs-Wiederfällungsprozesse durch die verbleibenden Endfluide führen zu fortlaufenden chemischen Veränderungen und können Korrosion und Alteration zuvor gebildeter Minerale verursachen. Ein stark saures Milieu wird meist durch die fortschreitende Bildung von Albit + Muskovit auf perthitischem K-Feldspat sowie nachfolgende Ausfällung von Zeolithen und Tonmineralen angezeigt.
HISTORISCHE FUNDLOKALITÄTEN
Alle historisch bedeutendsten und bekanntesten Pegmatitgänge innerhalb des granitischen Plutons des Monte Capanne konzentrieren sich entlang seines östlichen Randes, insbesondere zwischen der Lokalität Caviere südlich von San Piero in Campo und der Valle dei Forcioni nordöstlich von Sant’Ilario in Campo. In rund 250 Jahren Suche und Abbau gab es unzählige Fundstellen mit guten Elbait-Stufen; in der überwiegenden Mehrzahl gingen jedoch die ursprünglichen Namen und Lagen verloren. In diesem Kapitel werden die wenigen wirklich historischen Lokalitäten beschrieben, die die besten und bekanntesten Stücke geliefert haben.
GROTTA D’OGGI
Dies ist sicher die bekannteste Lokalität, da sie die besten elbanischen Stücke lieferte; einige davon befinden sich heute in den mineralogischen Sammlungen der Universität Florenz. Von San Piero in Campo aus, blickt man nach Norden in Richtung Sant’Ilario: Am Grund des Fosso Bovalico erkennt man einen Granitrücken mit einem kleinen Abbau. Es handelt sich um den berühmten und inzwischen fast mythischen Pegmatitbruch Grotta d’Oggi. Er war einer der ersten Abbaue auf Pegmatit und war auch einer der Letzen, die geschlossen wurden. Der Abbau begann 1825. Leutnant Giovanni Ammannati erwarb das Gebiet mit den Pegmatitgängen vom Priester Raffaello Pisani, dem Grundbesitzer. Der Granit wurde von großen Pegmatit- gängen durchzogen, aus denen außergewöhnliche Stücke mit polychromem Turmalin, blauem Beryll, rosa und farb- losem Beryll, Spessartin-Granat u. a. gewonnen wurden. In den fünf Pegmatitgängen von Grotta d’Oggi wurden ungewöhnlich große und kristallreiche Hohlräume entdeckt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts grub der bekannte Sammler und Sucher Luigi Celleri dort im Auftrag des florentinischen Sammlers Giorgio Roster, als er eine Geode fand, die so groß war, dass man eine Kerze benötigte, um die Kristalle im Inneren zu erkennen! In jener Zeit entstanden die berühmten Sammlungen Roster und Foresi, die später in die Sammlung des „Istituto di Studi Superiori“ von Florenz eingingen und die man heute – einschließlich der Stücke aus der „Kerzengeode“ – im Museum „La Specola“ der Universität Florenz bewundern kann (Dini et al. 2021).
MASSO FORESI
Die Arbeiten am Masso di Fonte del Prete (als Masso Foresi bezeichnet, nach Raffaello Foresi) begannen am 25. Januar 1872 und endeten Mitte April desselben Jahres. In dieser Zeit wurden zahlreiche Minerale entdeckt: Foresit (1874 als neue Zeolithart beschrieben, tatsächlich jedoch ein Gemenge aus Stilbit und Cookeit), Heulandit, Chabasit und Natrolith. Vom Masso Foresi stammen die großen Geodenblöcke, die „I Quattro Evangelisti“ („Die vier Evangelisten“) genannt werden. Es handelt sich um vier Granodiorit-Blöcke von etwa 60 × 70 cm, deren Oberfläche mit Kristallen von rosa Turmalin, Aquamarin-Beryll, Pollucit, Heulandit und Orthoklas übersät ist. Die Blöcke wurden 1873 in Fonte del Prete während Arbeiten von Raffaello Foresi gefunden, in kurzer Entfernung vom heutigen Museo Mineralogico Luigi Celleri in San Piero (Westelba). Zunächst waren die „Vier Evangelisten“ im Museo Foresi in Portoferraio ausgestellt. Ihr Name geht – wie zeitgenössische Berichte schildern (La Nazione, 1874) – auf einen Mönch zurück, der die Blöcke so beeindruckend fand, dass er sich voller Bewunderung davor niederkniete und sie „Die vier Evangelisten“ nannte. Heute werden sie im Museum für Mineralogie und Lithologie der Universität Florenz aufbewahrt, zusammen mit den sogenannten „Cinquemila Elbani“ („5000 Elbaner“) – allesamt Elba-Stufen.
Die Lokalität ist auch für bedeutende Pollucit-Stufen bekannt. Nach Jahren des Stillstands wurde der Gang 1905 und 1906 vom Ingenieur Giulio Pullè erneut bearbeitet. Die Fundstelle liegt praktisch direkt am südöstlichen Hang des Ortes San Piero.
FACCIATOIA
Facciatoia ist eine der berühmtesten Fundstellen elbanischer Turmaline, entdeckt von Luigi Celleri in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Pegmatit lag in einem Granitausbiss neben einem Magnesitbruch am Fuß von San Piero, unmittelbar unterhalb des Piazzale Belvedere. Eine relativ kleine Pegmatitader lieferte dort eine Seltenheit für Elba: büschelige Rubellit-Aggregate von intensiv rosafarbener Tönung, die über 6 cm lang werden konnten und eine deutliche Verjüngung des Prismas zur unteren Kristallpartie zeigten. Der letzte Fund bedeutender Elbait-Stufen datiert in die Zeit 1974–1985, als ein großer Granitblock wenige Meter neben der Straße bearbeitet wurde. Es wurden bemerkenswerte Stücke mit polychromem Elbait gewonnen, teils mit „testa di moro“-Terminierung, aus miarolitischen Hohlräumen bis etwa 30 cm Größe, in Paragenese mit Orthoklas, Albit, Quarz und Lepidolith.
FILONE ROSINA
Dies ist die jüngste Fundstelle, entdeckt gegen Ende der 1980er Jahre, sehr nahe bei der historischen Lokalität „Il Prado“, die in jüngerer Zeit Stücke lieferte, die zu den besten des 20. Jahrhunderts zählen. Das Gebiet liegt auf Privatgrund, der dem bayerischen Sammler Klaus Wirth gehörte, der Federico Pezzotta kannte und mit ihm bei umfangreichen Erdarbeiten zusammenarbeitete, um Zugang zu den großen miarolitischen Hohlräumen der Pegmatitgänge zu erhalten.
Der Filone Rosina ist ein aplitisch-pegmatitischer Gang (Dyke) von 1,5–2,0 m Mächtigkeit, mit komplexer asymmetrischer Zonierung: ein natriumreiches aplitisches Liegendes und ein kaliumreiches, grobkörniges Hangendes. Er enthält viele große Taschen mit akzessorischen Mineralen, darunter Schörl, Elbait, Spessartin, blauer und rosa Beryll, Petalit, Pollucit sowie (Nb,Ta)-Oxidminerale. Im oberen Teil der aplitischen Zone befindet sich eine mittelkörnige Phase mit zahlreichen kleinen miarolitischen Hohlräumen, ausgekleidet von kleinen Quarz- und Feldspatkristallen. In diesen Hohlräumen treten nadelig-haarfeine Kristalle von Foitit auf. Begleitminerale sind Biotit, farbloser und blauer Beryll, Kassiterit, Columbit-(Mn), Euxenit-(Y), Ilmenit, Zirkon sowie Zeolithe (Mordenit und alterierter Laumontit). In einigen Hohlräumen kann man Foititnadeln beobachten, die direkt und in kristallographischer Kontinuität mit grobkristallinem Turmalin verwachsen. Der faserige Foitit entwickelt sich nur als Überwachsung am analogen Ende der Kristalle (dieses besteht aus Schörl), während das antiloge Ende aus grobkristallinem Schörl–Elbait besteht.
WEITERE LOKALITÄTEN
In der mineralogischen Literatur werden neben den genannten Fundstellen viele weitere erwähnt. Aufgrund der geringen Gangdimensionen und der häufigen Ausbildung in Gangschwärmen bezeichnen viele Namen jedoch benachbarte oder sogar teilweise überlappende Bereiche. Weitere historische Fundstellen sind: Speranza, Prado, Calcinaio, Fate, Masso Canili, San Silvestro, Graziano, Forcioni, Gorgolinato, Catri, San Francesco, Fosso Bovalico, Cà Mastaglino, Fosso San Francesco, Pastori.
DER ELBANISCHE TURMALIN
Die erste offizielle Erwähnung elbanischer Turmaline geht vermutlich auf den Barnabiten-Erzpriester Ermenegildo Pini zurück, der 1777 (auf Latein) sein Buch „Osservazioni mineralogiche sopra le miniere di ferro e di altre parti dell’Isola d’Elba“ veröffentlichte. Darin berichtet Pini sinngemäß: Man erzähle, dass in einigen Bergen Elbas Edelsteine gefunden worden seien, sowohl an einem Ort namens Le Francesche als auch in Hohlräumen zwischen Poggio und Marciana. Er selbst habe jedoch nichts finden können und vermute, dass es sich meist nur um glasige Bruchstücke mit Farbe und Glanz von Smaragd, Amethyst und ähnlichen Steinen handle. Pini konnte also bei seinem Besuch die gemeldeten „Edelsteine“ nicht bestätigen.
Nur wenige Jahre später lieferte der berühmte französische Geologe Déodat de Dolomieu die erste Bestätigung ungewöhnlicher Kristalle polychromen Turmalins. Dies geschah im August 1784, als Dolomieu (1750–1801), der in Florenz einen Mineralogie-Kurs abhielt, die Insel Elba besuchte. Auf dieser Reise sammelte er ein Stück mit polychromen Turmalinkristallen (schwarz, farblos und rot) zusammen mit einem farblosen Beryllkristall (Gallitzin 1796; Dolomieu 1798). Dies ist die erste offizielle Meldung eines elbanischen Turmalinfundes, obwohl die Nutzung des Granits vom Monte Capanne rund 2000 Jahre früher begann. Dieser erste offiziell belegte Fund markiert den Beginn einer langen mineralogischen und soziologischen Geschichte, die Bergleute, Sammler, Händler, Forscher und Museumskuratoren seit nahezu 250 Jahren involvier.
Die internationale Bekanntheit setzte 1825 ein, durch die Dokumentation von Ottaviano Targioni Tozzetti zur außergewöhnlichen Sammlung von Kapitän Giovanni Ammannati, die aus Funden der ersten Monate jenes Jahres hervorging. Erst im August 1913 sandte Vernadsky das oben erwähnte Manuskript – und der Begriff Elbait wurde geprägt.
Innerhalb der Turmalin-Obergruppe ist Elbait die ästhetisch begehrteste Varietät, wegen ihrer großen Farbpalette, besonders in polychromen Kristallen, die in den Hohlräumen der elbanischen Pegmatite sehr häufig sind. Diese Kristalle sind gewissermaßen „molekulare Schwämme“, die unterschiedliche Elemente in ihr Kristallgitter aufnehmen können, welche wiederum verschiedene Bereiche des Kristalls unterschiedlich färben. Vereinfacht kann man sagen, dass die Farbe die chemische Zusammensetzung anzeigt. Allerdings sind die meisten elbanischen pegmatitischen Turmalinkristalle keine reinen Elbaite: In nahezu jedem polychromen Kristall kommen meist Abschnitte verschiedener Turmalinarten vor, nicht nur Elbait. Bevor moderne Analysen neue Turmalinarten in elbanischen Kristallen bestätigten, wurde „Elbait“ oft wiederholt und ungenau für alle farbigen Turmaline aus Elba verwendet.
Nach aktuellen Analysen sind in den elbanischen Pegmatiten acht Turmalinarten nachgewiesen:
ELBAIT: Na(Li1.5Al1.5)Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
FLUOR-ELBAIT: Na(Li1.5Al1.5)Al6 (Si6O18)(BO3)3(OH)3F
TSILAISIT: NaMn2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
FLUOR-TSILAISIT: NaMn2+3Al6 (Si6O18)(BO3)3(OH)3F
ROSSMANIT: □(LiAl2)Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
SCHÖRL: NaFe2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
FOITIT: □(Fe2+2Al)Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
CELLERIIT: □(Mn2+2Al)Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass bei elbanischen Turmalinen offenbar eine vollständige Mischbarkeit zwischen Elbait und Tsilaisit besteht, auch in den manganreichen Varietäten (persönliche Mitteilung Pezzotta). Tsilaisit und Fluor-Tsilaisit wurden durch genaue Untersuchung der chemischen Entwicklung des grünen Bereichs und der prachtvollen polychromen Kristalle identifiziert, die lange Zeit als reine Elbaite galten. Dadurch entsteht eine große Bandbreite intermediärer Farbtöne, sodass oft nur eine genaue Analyse die tatsächliche Turmalinart bestimmen kann.
„Testa di moro“-Kristalle können aus Schörl, Foitit oder Celleriit bestehen. Homogen gefärbte Elbait- oder Fluor-Elbait-Kristalle sind deutlich selten; meist handelt es sich um kleine Kristalle der zweiten Generation („pencil“), die wie ein feiner „Regen“ die größeren Kristalle überziehen. Aufgrund ihrer geringen Größe und schnellen Kristallisation konnten sie die starken chemischen Veränderungen der mineralisierenden Fluide, die die Polychromie großer Kristalle erzeugten, farblich nicht „aufzeichnen“.
Die klassischsten und bedeutendsten Elba-Turmalinstufen entstehen nach einem gemeinsamen Mechanismus: Bei Beginn der Pegmatitkristallisation bildet sich zuerst schwarzer, eisenreicher Turmalin (Schörl oder Mg-Schörl), der im Wettbewerb mit Quarz-, Orthoklas- und Plagioklas-Kristallen wächst. In dieser Phase entstehen die typischen graphischen Aggregate aus schwarzem Turmalin und Quarz – die kompakte, massive Gangpartie. Die meisten Pegmatitgänge am Monte Capanne sind von diesem Typ: vollständig massig, gesprenkelt mit Schörl und ohne farbige Turmaline.
In der Zone von San Piero und Sant’Ilario verlief die Entwicklung anders: Das Pegmatitmagma füllte den verfügbaren Raum nicht vollständig aus, und im zentralen Bereich blieben Hohlräume (miarolitische Kavitäten), in denen die Kristalle ungestört weiterwachsen konnten. In diesem Moment geschieht das Entscheidende: Die schwarzen, eisenreichen Turmaline der massigen Zone ändern, sobald sie in den Hohlraum hin- einragen, ihre Farbe. Die extreme chemische Variabilität der folgenden pegmatitischen Fluide erzeugt eine breite Palette von Farbtönen, die sich von der initialen schwarzen Basis aus aufbauen. Der Übergang von der massigen Zone in die Geode erfolgte, als das Eisen im magmatischen Fluid zur Neige ging und Turmalin beim Weiterwachsen die Elemente aus dem Restfluid nutzte: Lithium, Bor, Natrium, Aluminium, Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff. In dieser Phase entstehen – bei fallenden Temperaturen zwischen etwa 600 und 300 °C – die prachtvollen polychromen Elbait-Kristalle (Dini 2021).
Dieser komplexe Mechanismus kann dazu führen, dass in einem einzigen Kristall verschiedene Turmalinarten in Zonen auftreten, z. B.:
Basis: Schörl; unterer Abschnitt: Elbait/Fluor-Elbait; Mittelteil: Elbait/Fluor-Elbait/Tsilaisit/Fluor-Tsilaisit; oberer Abschnitt: Elbait/Fluor-Elbait/Tsilaisit/Fluor-Tsilaisit/Rossmanit; „testa di moro“-Ende: Foitit/Schörl/Celleriit. Farblich reicht die Folge ohne klaren Bruch von Schwarz über Braungrün, Grün, Gelb, Rosa bis Farblos – selten auch Blau. In einigen Fällen kann die Terminierung farblos (achroit) sein und zu Elbait oder Rossmanit gehören.
Terminierungen DER ELBANISCHEN TURMALINE
Eine der ungewöhnlichsten Eigenschaften elbanischer Turmalinkristalle ist die sogenannte „testa di moro“-Terminierung (black cap) – ein morphologisches Merkmal, das Ruhm und Faszination dieser gesuchten Stücke wesentlich mitbegründet. Dabei handelt es sich um eine mehr oder weniger dunkle „Kappe“ am Ende des analogen Pols (des positiven Pols) des Kristalls, die sich farblich deutlich von Transparenz und Farben des Prismas absetzt. „Testa di moro“-Terminierung betreffen ausschließlich den analogen Pol; es gibt keine Turmalinkristalle mit zwei solchen Kappen an beiden Enden. Die Größe kann von wenigen Zehntelmillimetern bis 20–30 mm variieren.
Bei geringen Stärken (bis etwa 6–8 mm) kann die Kappe helle, lebendige Töne zeigen: schwärzlich, grau, braun, grün, violett, purpurrot oder blau. Bei maximaler Mächtigkeit wird die Farbe deutlich dunkel und opak, schwarz bis schwarzgrau ohne weitere Nuancen, teils auch mit faserigem Erscheinungsbild, mit Fasern parallel zur dreizähligen Achse. Je dicker die Terminierung, desto schärfer und geometrischer wirkt der Farbumschlag zwischen Prisma und Kappe. Besonders ästhetisch sind Terminierungen (black cap oder normal), die feine, geradlinige Bänder orthogonal zur c-Achse zeigen, in klar kontrastierenden Farben (grün, violett, blau, gelb) – Hinweise auf abrupte chemische Änderungen in den Endfluiden (siehe Foto auf S. 43).
Die Mehrzahl der black-cap-Terminierungen zeigt typische Formen des trigonalen Systems: häufig nur die Fläche des terminalen Pedions oder trigonale bzw. ditrigonale Pyramiden. Die Endflächen sind meist seidig-matt, teils „schmirgelpapierartig“ (Foto rechts oben), nur sehr selten glatt und glänzend (Foto rechts). Bei manchen Kristallen ist die black-cap-Endung nicht durch definierte Flächen ausgebildet, sondern besteht aus vielen dünnen, stäbchenförmigen parallel verwachsenen Individuen, die in unterschiedlicher Höhe enden; dies wird als Folge korrosiver Prozesse gedeutet (Foto rechte Seite).
Der Bildungsmechanismus der „testa di moro“ war lange ein Rätsel. Neuere mikrostrukturelle Beobachtungen deuten darauf hin, dass die letzten Wachstumssektoren unmittelbar nach einem Bruchereignis der Geode entstehen. Es wird angenommen, dass Mn und Fe durch Auslaugungsvorgänge in die Endfluide gelangten, verursacht durch sehr reaktive späte Fluide, die zuvor kristallisierte Mn-/Fe-reiche Minerale im Umfeld der Hohlräume angreifen (z. B. Biotit und Spessartin). Diese Mn-/Fe-angereicherten Spätfluide steuern die chemische Entwicklung der Turmaline (oder setzen die Kristallisation erneut in Gang) und verursachen die beobachteten Farbanomalien am Kristallende. Analytische Ergebnisse eines jüngeren Artikels legen nahe, dass die Farbänderung der black-cap-Terminierung auf die Aufnahme zunehmender Mn- und/oder Fe-Gehalte zurückgeht. Der Anstieg kann, wie mehrere Proben zeigten, deutlich sein (MnO > 5 Gew.-% und FeO > 2 Gew.-%) und führt zu einer Entwicklung von Elbait/Fluor-Elbait zu Celleriit, Foitit oder Schörl an der Kristallspitze (Altieri et al. 2023). Praktisch ist die schwarze Terminierung häufig Schörl, kann aber in vielen Kristallen Foitit (Na-Vakanz-Analogon von Schörl) mit variablen Schörl-Anteilen oder Celleriit sein.
Pinsel-Terminierung
Einige Kristalle besitzen Termi- nierungen, die aus einem dichten Bündel nadeliger, parallel oder subparallel verwachsener Kriställchen bestehen, mit unregelmäßigem Übergang zwischen dem prismatischen Kristall und dem nadeligen Bereich (Fotos auf S. 48). Der Durchmesser der Nadeln ist so gering, dass die Gesamtform an einen Pinsel mit sehr feinen Borsten erinnert. Diese Struktur kann den Abschluss einer black-cap-Terminierung oder eines „normalen“ Kristalls bilden. In den meisten Fällen handelt es sich um Foitit. Man nimmt an, dass diese Morphologie durch vorübergehende Korrosionsphänomene während des Wachstums entsteht.
Schnee-Terminierung
Bei manchen Kristallen ist die Terminierung – häufig nur durch die Pedionfläche gebildet – von einem dichten Teppich aus kleinen, weißen Albitkristallen bedeckt, der perfekt eine Schneeschicht imitiert (Foto S. 49). Dabei handelt es sich um Albitkristalle der letzten Generation, die besonders reizvolle Stücke ergeben; sie stammen vor allem aus dem Filone Rosina.
Normale Terminierung
Abgesehen von den black caps zeigen „normale“ Terminierungen – unabhängig von den auftretenden Flächen – sehr unterschiedliche Oberflächen. Sehr regelmäßige, glänzende Flächen sind selten und typisch für kleinere Kristalle (S. 49, Foto 1). Mit zunehmender Größe können die Endflächen glatt, aber matt sein (S. 49, Foto 2) bis hin zu „schmirgelpapierartigen“ Oberflächen mit unterschiedlicher Rauigkeit (S. 49, Foto 3). Bei genauer Betrachtung erkennt man oft viele einzelne Kristallindividuen, parallel oder leicht divergierend verwachsen. Extrem ist dies bei den büscheligen rosa Rubelliten von Facciatoia oder Grotta d’Oggi: Dort kann der Kristalldurchmesser etwa einen bis mehr Millimeter betragen, und jede einzelne Terminierung tritt so deutlich hervor, dass keine einzelne Endfläche mehr erkennbar ist (siehe S. 50). Manche Kristalle zeigen sehr unregelmäßige Terminierungen ohne identifizierbare Kristallflächen (siehe S. 50). Ursache sind deutliche Korrosionsprozesse, die bei elbanischen Turmalinen nicht selten sind.
Terminierungen mit selektiver Anlösung einzelner Flächen
Bei einigen seltenen Kristallen kann man eine ausgeprägte Rauigkeit/Anlösung auf den drei Flächen derselben trigonalen Pyramide beobachten, während die drei Flächen einer zweiten Pyramide anderer Ordnung eine perfekte Glätte, Glanz und Reflektivität zeigen – gelegentlich auch die terminale Pedionfläche. Offensichtlich handelt es sich um selektive Korrosionsprozesse, die nur eine bestimmte kristallographische Form betreffen, während andere Formen völlig unbeeinflusst bleiben.
Kristallhabitus der elbanischen Turmaline
Turmalin kristallisiert im trigonalen System und gehört zur ditrigonal-pyramidalen Klasse (3m). Das wichtigste Merkmal ist das Vorhandensein einer Polachse, bedingt durch das Fehlen eines Symmetriezentrums. Dadurch entstehen hemimorphe Kristalle mit zwei morphologisch unterschiedlichen Terminierungen: dem analogen Pol (positiv) und dem antilogen Pol (negativ). Auch die bekannten Phänomene der Pyroelektrizität und Piezoelektrizität sind auf das Fehlen des Symmetriezentrums und die relative Polachse zurückzuführen.
Alle „testa di moro“-/black-cap-Terminierungen der elbanischen Turmaline entsprechen dem positiven analogen Pol des Kristalls. Fehlt dieser Terminierungstyp, so beruht die visuelle Unterscheidung der beiden Pole meist auf dem Auftreten mehr oder weniger spitzer trigonaler oder ditrigonaler Pyramiden. Insbesondere Terminierungen mit Pedion oder mit stumpfen, wenig ausgeprägten Pyramiden gelten als analog-positiv, während das Auftreten spitzerer Pyramiden die antilog-negativen Pole kennzeichnet.
Pezzotta ist der Ansicht, dass die überwiegende Mehrzahl der Terminierungen, die sich in den Hohlräumen entwickeln, zum positiven Pol gehört – also jenem, der auch stets die „testa di moro“-Terminierung bildet.
In dieser Kristallklasse treten nur trigonale oder ditrigonale Pyramiden auf (Rhomboeder, die ähnlich erscheinen könnten, sind aus Symmetriegründen nicht möglich), außerdem trigonale, ditrigonale oder hexagonale Prismen verschiedener Ordnung. Flächen, die orthogonal zur c-Achse sind, gehören stets zum Pedion (und nicht zu Pinakoiden, da das Symmetriezentrum fehlt).
Die Größe elbanischer Turmaline reicht von wenigen Millimetern bis zu einer Maximalgröße von etwa 10 cm. Der häufigste Habitus ist eindeutig prismatisch, mit einem mittleren Verhältnis von Prismalänge zu Durchmesser von 2,5:1 bis 4:1. Doppelendige Kristalle sind ausgesprochen selten – auch, weil die schönsten und klassischsten Kristalle als Fortsetzung der graphischen Quarz–Schörl-Aggregate entstehen, deren c-Achse häufig orthogonal oder nahezu orthogonal zu den Wänden der Pegmatithohlräume steht.
Kristalle mit gleich groß entwickelten Flächen oder solche mit sehr kurzem Prisma sind extrem selten, ebenso doppelendige, stäbchenförmige Habitusformen, die meist kleinen Kristallen der letzten Generation („pencils“) zuzuordnen sind.
Der Querschnitt des Prismas ist bei elbanischen Kristallen sehr variabel, da häufig trigonale, ditrigonale und hexagonale Prismen gleichzeitig auftreten, die in unterschiedlicher Kombination sehr komplexe und schwer zu interpretierende Formen erzeugen. Bei Kristallen mit besonders stark gerieften Prismenflächen wirkt der Querschnitt oft gerundet, ohne klar erkennbare geometrische Prismenflächen. Tatsächlich zeigt die große Mehrzahl der Kristalle mehr oder weniger ausgeprägte Streifung auf den Prismenflächen; seltener sind Kristalle mit glatten, glänzenden, riefenfreien Flächen.
Die Terminierungen bestehen häufig nur aus der Pedionfläche, die die dreizählige Achse orthogonal abschneidet; sehr verbreitet sind aber auch Terminierungen, die durch die Kombination aus Pedion und trigonaler Pyramide oder durch trigonale Pyramiden unterschiedlicher Ordnung gebildet werden. Ditrigonale Pyramiden sind sehr selten und wurden sicher nur an wenigen Kristallen beobachtet.
Ein Teil der Stücke – besonders bei rosa Rubellit-Varietäten – zeigt büschelige Kristalle, bei denen viele schlanke prismatische Individuen parallel oder subparallel verwachsen sind und zum Kristallende hin oft divergieren (siehe zweites Foto auf S. 38). Dadurch nimmt der Durchmesser zur Spitze hin zu.
Es gibt außerdem Kristalle, deren Wachstum durch bereits vorhandene Kristalle an ihrer Basis behindert wurde. In diesem Fall besitzt der Kristall eine durchgehende, prismatische „Aussparung“ von der Basis bis zur Terminierung, parallel zur c-Achse. Dies zeigt – zusammen mit weiteren Merkmalen –, dass das Wachstum vor allem durch starken Materialzuwachs an den Endflächen (Pedion und Pyramiden) geprägt ist, während die Prismenflächen in der Breite nur sehr wenig anwachsen und der Querschnitt während des Wachstums nahezu konstant bleibt.
Eine weitere Kristallgruppe zeigt sogenannte „verschweißte“ (wiederverheilte) Brüche. Spannungen in den Hohlräumen – etwa geringe Gesteinsdeformationen durch tektonische Spannungen während der Kristallbildung – können zu teilweisen oder vollständigen Brüchen führen. Geschieht dies, während noch mineralisierende Fluide vorhanden sind, können die Risse durch neu auskristallisiertes Material gefüllt werden, häufig in anderer Farbe als der gebrochene Kristall. Wenn der Bruch den Kristall trifft, ohne dass die Teile sich trennen, bleibt eine mehr oder weniger deutliche rekristallisierte Spur. Wenn sich Teile lösen, kommt es zu echten Neuwachstums-Überbrückungen, die gelegentlich zwei Kristallabschnitte wieder verbinden, deren dreizählige Achsen nicht mehr parallel zueinander stehen.
Die Farben der elbanischen Turmaline
Elbanische Turmaline wurden im 19. Jahrhundert berühmt durch die Schönheit und Harmonie der Stufen und durch die große Farbpalette ihrer polychromen Kristalle. Gerade diese Vielfalt – oft kombiniert mit „testa di moro“-Terminierung in unterschiedlichen Nuancen – war entscheidend für ihren Erfolg in privaten und musealen Sammlungen. Die Farbpalette auf der rechten Seite vermittelt nur einen Teil der möglichen Farbtöne, die bei den Elbaiten aus dem Gebiet San Piero beobachtet werden. Viele Farben treten in sehr weiter Spanne auf – intensiv, zunehmend zart bis hin zu nahezu farblos.
In polychromen Kristallen treten in den Übergangsbereichen zwischen zwei Farben oft sehr besondere, ungewöhnliche Nuancen auf, die nur kleine Kristallbereiche betreffen. Dabei ist zu beachten, dass farbige oder farb- lose Turmaline aus den elbanischen Pegmatiten nur zu fünf Arten gehören können: Elbait, Fluor-Elbait, Tsilaisit, Fluor-Tsilaisit und Rossmanit. Völlig farblose Kristalle oder Bereiche können Elbait oder Rossmanit entsprechen, wobei Rossmanit auch sehr zarte Rosatöne erzeugen kann.
Die drei übrigen Arten Schörl, Foitit und Celleriit zeigen schwarze oder sehr dunkle Farben, die leicht von den zuvor genannten Arten zu unterscheiden sind. Sie treten entweder an der Basis der Kristalle (Schörl bzw. Fluor-Schörl) oder in den „testa di moro“-Terminierungen (Schörl, Foitit, Celleriit) auf.
Einige der in elbanischen Kristallen beobachteten Farben waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts offenbar noch nie beschrieben worden, insbesondere dunkles Blau, Farblosigkeit oder das „porro-grün“ („Lauchgrün“). Diese Farbbezeichnung wurde erstmals von Targioni Tozzetti (1825) verwendet, um ein ungewöhnliches, leuchtend gelbliches, fast giftiges Grün zu beschreiben, das für manche Elba-Turmaline typisch, an anderen Fundorten jedoch sehr selten ist.
Elbait
Die klassische, traditionell mit Elba-Turmalinen verbundene Farbe ist Rosa (Rubellit). Die Spannweite ist enorm: von intensiv rosarot über sehr kräftiges Rosa bis zu bräunlichem Rosa, Lachsrosa, Korallenrosa, Karminrosa, orangefarbenem Rosa oder grünlichem Rosa. Alle diese Nuancen treten wiederum in unterschiedlich starker Sättigung bis hin zu fast farblosen Tönen auf. Bei einigen seltenen Rubelliten dominiert ein sehr gesättigtes Rot mit nur leichter Rosanuance. Man nimmt an, dass rosa und farblose Bereiche die reinsten Elbait-Zusammensetzungen auf Elba kennzeichnen.
Eine weitere sehr verbreitete Farbe ist Grün, ebenfalls in vielen Nuancen und Intensitäten. Relativ selten sind Kristalle, die nur eine völlig homogene Grünfärbung zeigen, oder solche, bei denen eine hellgrüne Endkappe auf einem gelben Prisma sitzt. In polychromen Kristallen erscheinen grüne Bereiche meist recht „rein“, doch in Übergängen zu anderen Farben treten häufig Braunanteile auf. Grüntöne reichen von hellem Minzgrün über Ölgrün, Olivgrün, Flaschengrün, Grasgrün, Gelbgrün, Blaugrün, Graugrün bis zu sehr hellem Grün. Diese Grünfärbung wird der Anwesenheit von Mangan im Kristallgitter zugeschrieben.
Auch Gelb ist sehr verbreitet und findet sich an Kristallen, die zu den klassischsten Elba-Stücken zählen. Reines Gelb ist selten; häufiger sind gelbe Farben mit leichten Zwischennuancen. Am verbreitetsten ist Gelb mit mehr oder weniger deutlichen braunen oder grünen Anteilen, ebenso „Ölgelb“. In den meisten Fällen befindet sich Gelb im mehr oder weniger ausgedehnten Mittelteil des Kristalls, der oft eine „testa di moro“-Terminierung und einen schwarzen Unterteil aus Schörl besitzt, der in die Matrix hineinwächst. Auch Gelb wird der Anwesenheit von Man- gan im Kristallgitter zugeschrieben.
Von den bisher genannten Farben (Rosa, Grün, Gelb) ist die seltenste und begehrteste eindeutig die blau-hellblaue Farbe. Sie wurde auf Elba erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts festgestellt und zählt zu den gesuchtesten und seltensten Erscheinungen. Die dunkleren Töne entsprechen Blau, die helleren gehen über in Himmelblau bis sehr helles Blau. Diese Farbe tritt gewöhnlich im Endbereich polychromer Kristalle auf; monochrome hellblaue Kristalle sind nicht bekannt.
Eine jüngere Studie an zwei Turmalinen mit blauem Wachstumssektor am analogen Pol zeigte, dass der obere Bereich beider Kristalle durch das Vorhandensein von zweiwertigem Eisen gekennzeichnet ist. Es handelt sich um denselben Mechanismus, der „testa di moro“-Terminierung oder farbige Endkappen begünstigt: ein Bruchereignis der Geode und das plötzliche Auftreten von Fe2+ in den pegmatitischen Fluiden, verursacht durch Auslaugung von Biotit aus den umgebenden Gesteinen.
Neben diesen vier häufigsten Farben existieren weitere seltene Farben wie Rot, Violett und Orange. Hinzu kommt eine sehr große Bandbreite intermediärer Nuancen, die in den Übergangszonen polychromer Kristalle auftritt.
Tsilaisit und Fluor-Tsilaisit
Bosi et al. (2015) beschrieben Tsilaisit und Fluor-Tsilaisit als neue Arten, deren Typlokalität die Insel Elba ist. Es handelt sich um einen natriumhaltigen Turmalin mit dominierendem zweiwertigem Mangan auf einem bestimmten Platz im Gitter, der Y-Position; er wurde als Einzelkristall von grün-gelber Farbe in Grotta d’Oggi gefunden. Später wurden weitere Kristalle dieser Art in Forcioni nördlich von Sant’Ilario und an anderen Fundstellen gefunden. Es scheint jedoch, dass Tsilaisit und Elbait auf Elba isomorphe Mischreihen bilden (persönliche Mitteilung Pezzotta), die Kristalle mit besonderen, oft grün-gelblichen, bräunlich-grünen oder bräunlich-gelben Tönen färben. Tsilaisit tritt auf Elba überwiegend in begrenzten Bereichen innerhalb polychromer Kristalle auf, meist im Übergang zwischen zwei Farben.
Farbsequenzen in polychromen Kristallen
Die in polychromen Elbait-Kristallen vorkommenden Farbsequenzen sind zahlreich; einige wiederholen sich häufig und gelten als typisch für Elba. Die häufigsten und bekanntesten Abfolgen (von der Basis zur Endung) sind:
Schwarz – Grün – Rosa – farblos – testa di moro
Schwarz – Gelb – testa di moro
Schwarz – Grün – Schwarz – farblos – Blau
Schwarz – Schwarzgrün – Grün – Rosa
Schwarz – Gelb – farblos – testa di moro
Schwarz – Gelb – farblos – Blau
Schwarz – Gelb – Rosa – farblos – testa di moro
Schwarz – Gelb – Blau
Grün – Rosa – farblos
Schwarz – Braun-gelb – Rosa
Braun-gelb – Rosa – farblos
Schwarz – Gelb – Rosa
Luigi Celleri
Die lange mineralogische und menschliche Geschichte (250 Jahre), die mit der Suche und Erforschung elbanischer Turmaline verbunden ist, umfasst sehr viele Personen – Sucher, Sammler, Wissenschaftler und Direktoren bedeutender Museen weltweit. Die Liste wäre sehr lang; in diesem Kapitel konzen- trieren wir uns auf eine Persönlichkeit, die fast legendären Status erreichte und deren Leben untrennbar mit den wichtigsten Turmalinfunden aus der produktivsten Zeit der Pegmatitgänge von Grotta d’Oggi und anderen klassischen Lokalitäten verbunden ist: Luigi Celleri.
Luigi Celleri durchwanderte über fünf Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts unzählige Pfade zwischen Granitblöcken und den Düften der mediterranen Macchia auf der Suche nach polychromen Elba-Turmalinen. Er wurde 1828 in San Piero in Campo als Sohn von Matteo Celleri und Rosa Gasperi geboren und widmete sich ab seinem dreißigsten Lebensjahr der mineralogischen Suche.
Celleri spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau der berühmten Foresi-Sammlung und bei der Einrichtung des Museo Foresi in Portoferraio (1873). Die berühmten „Vier Evangelisten“, die dort erstmals ausgestellt wurden, wurden von ihm geborgen und präpariert. Um 1874/75 beendete er die Zusammenarbeit mit Foresi und arbeitete fortan für Giorgio Roster und Bista Toscanelli. In diesen Jahren entdeckte er in Grotta d’Oggi, Fonte del Prete, Facciatoia, Forcioni und Prado außergewöhnlich viele hervorragende Stücke: Turmaline, Berylle, Pollucite, Petalite, Granate, Zeolithe und andere Minerale.
Nach dem Tod von Bista Toscanelli und dem späteren nachlassenden Interesse Rosters an Mineralien – erschüttert durch den frühen Tod seines Freundes – geriet Celleri in eine schwierige wirtschaftliche Lage. Später, mit der Gründung eines neuen mineralogischen Museums in der napoleonischen Villa von San Martino (auf Initiative des elbanischen Abgeordneten Pilade del Buono), wurde er von Professor Antonio D’Achiardi beauftragt, die Suche nach neuen Stufen zu leiten. Gemeinsam mit dem bekannten Mineralogen G. von Rath (Universität Bonn) entdeckte er Wollastonit bei Cavoli; gemeinsam mit Roster die „Gommoid“-Quarze von Palombaia.
Besonders berühmt wurde Celleri durch die Entdeckung eines Ganges in Facciatoia am Fuß der Festung San Nicolò (sehr nahe beim Museum MUM), aus dem prachtvolle rosa Turmaline gewonnen wurden. Er starb am 21. Juli 1900, zwei Tage nach einem Schwächeanfall während eines Abbaus in Grotta d’Oggi. Im Folgenden werden drei sehr interessante Zeugnisse bedeutender Zeitgenossen wiedergegeben, die ihn gut kannten.
Giovanni D’Achiardi
„Celleri war außerordentlich geschickt im Erkennen von Mineralen, selbst der seltensten, und darin, in den verschiedenen Stücken neue Arten zu entdecken. Er betonte gern, dass er diese Fähigkeit nicht nur durch Praxis, seine Lupe (die er stets an einem schwarzen Band um den Hals trug) und seine gute Sehkraft (die er lächelnd den kleinen goldenen Glöckchen zuschrieb, die er an den Ohren trug) erworben habe, sondern auch durch das Studium eines Mineralogiebuches, das ihm Bista Toscanelli geschenkt hatte.“
Bista Toscanelli
„Celleri war ein höchst origineller Typus eines einfachen Mannes, intelligent in jeder Art Arbeit. Im Winter lebte er in seinem Dorf, sammelte alles, was er dem an Kristallen reichen Untergrund entnehmen konnte, und wartete auf die sommerliche Rückkehr Raffaello Foresis. Wenn er dann von ihm einige Hundert-Lire-Scheine erhalten hatte, brach er glorreich zu einer Vergnügungsreise aufs Festland auf. Seine Vergnügung bestand darin, sich 15 Tage in Pisa oder Livorno einzurichten, in fortwährender Trunkenheit… Sobald er dann mit leeren Taschen von der Polizei aufgegriffen wurde, schickte man ihn zurück auf Elba, wo er ein weiteres Jahr lang nach Mineralien suchte.“
Giorgio Roster
„Ich gehörte zu denen, die direkt nach San Piero gingen, und ich erinnere mich, dass uns, als wir das auf Granitblöcken klebende Dorf erreichten, ein Mann entgegenkam, der wegen seiner gebeugten Haltung und des langen, struppigen, fast weißen Bartes sehr betagt wirkte. Einige erkannten ihn von weitem und ich hörte aus verschiedenen Richtungen: ‚Da ist Celleri! Wie geht’s, Celleri?‘ Als wir uns trafen, lächelte er der Gruppe müde zu, schüttelte jedem die Hand wie alten Bekannten. (…) Man hätte ihn hören müssen, wie er von seiner Freude erzählte, an dem Tag, als sie eine Geode fanden, übersät von Tausenden polychromer Turmaline und Berylle (…). Er sprach erregt, breitete verzückt die Arme aus, riss die Augen auf, als stünde das Bild der Geode noch immer vor ihm – jene Geode, die Roster mit einer Kerze beleuchten ließ und die so schön war, dass sie (…) wie das Paradies erschien!“
MUM-Museum „Luigi Celleri“ in San Piero in Campo
Im März 2014 wurde in San Piero in Campo das MUM-Museum „Luigi Celleri“ eröffnet. Ziel des Museums ist es, die großartigen Kristalle der Insel – insbesondere den berühmten Elbait – in ihrem Herkunftsgebiet zu zeigen. Sammler und Forscher aus Italien und dem Ausland haben dazu beigetragen, San Piero in Campo zu einem international bekannten Ort zu machen, dessen außergewöhnliche mineralogische Geschichte vor rund 250 Jahren begann.
Die ausgestellten Sammlungen befinden sich im Obergeschoss des Gebäudes in 13 Vitrinen, wobei Turmalin eindeutig dominiert. Die Stücke stammen aus verschiedenen bedeutenden Privatsammlungen, Museen und öffentlichen Einrichtungen, darunter ein großer Teil der Sammlung von Federico Pezzotta, aus der Sammlung von Klaus Wirth, von Marco Lorenzoni, Michele degli Innocenti, außerdem Stücke aus historischen Beständen des Naturkundemuseums Mailand sowie von Forschern der Vereinigung Lithium.
Die Idee, in San Piero ein mineralogisches Museum zu eröffnen, entstand aus einem Gespräch zwischen Dr. Federico Pezzotta und seinem bayerischen Sammlerfreund Klaus Wirth während einer Suchwanderung im Jahr 1994. Von da an entwickelte sich das Projekt parallel zu Pezzottas beruflicher Laufbahn im musealen Bereich als Kurator des Naturkundemuseums Mailand weiter. Die große Mehrheit der ausgestellten Stücke sind Turmaline aus dem Gebiet von San Piero; daneben sind auch bedeutende Stücke aus den Eisenerzgruben der Ostseite der Insel vertreten. Die Qualität der Ausstellung ist äußerst hoch – und für Liebhaber elbanischer Turmaline ist es eine besondere Gelegenheit, so viele Spitzenstücke auf einmal zu sehen.