Aufmerksam auf die Fundstelle am Kaiserbründl im österreichischen Bundesland Tirol wurde ich erstmals bei der Suche nach den bei Steinschleifern begehrten bunten Kalksteinkonglomeraten aus der Kundler Klamm. Gelblich-rötliche und zum Teil auch schneeweiße Gesteinsbrocken mit grünen und blauen Flecken erregten hierbei mein Interesse. Von einem befreundeten Sammler erfuhr ich, dass das Material von der oberhalb gelegenen Holzalm stammen solle. Eine Recherche im Mineralienatlas ergab, dass es sich um die Fundstelle Kaiserbründl an der Nordostseite der Gratlspitze handelt.
Das Kaiserbründl liegt im Rattenberger Bergbaurevier, in früheren Zeiten auch Thierberger Revier genannt. Die Erzvorkommen liegen hier im Schwazer Dolomit des Unterdevon. Der Dolomit verläuft ungefähr parallel zum Inntal vom Eiblschrofen bei Schwaz bis zum Hösljoch südöstlich der Gratlspitze. Durch Funde von Steinwerkzeugen, von Knochen aus Speiseresten und von Keramik kann ein bronzezeitlicher Abbau der Erze von der Holzalm bis hinauf in den Gipfelbereich der Gratlspitze nachgewiesen werden. Eine erste schriftliche Erwähnung zu einem mittelalterlichen Bergbau datiert aus dem Jahr 1416. Aus den abgebauten Erzen wurde vor allem Kupfer und Silber gewonnen.
Wir erreichen die Fundstelle ab Brixlegg nach einer Auffahrt von gut 7 km Länge über anfangs noch geteerte, später nur noch geschotterte Straßen bis kurz unterhalb der Holzalm. Je nach Jahreszeit sollte man früh dran sein, wenn man sich einen der wenigen Parkplätze direkt am Viehgatter sichern möchte. Vom Parkplatz erreichen wir in wenigen Minuten die Holzalm. Bereits hier fallen auf dem Weg Steine mit intensiver grüner und blauer Färbung auf. Die Holzalm (1.450 m) ist ein privat bewirtschafteter Berggasthof zu Füßen der markanten Gratlspitze. Hinter der Holzalm folgen wir der Beschilderung Richtung „Kaiserbrünnl - Hösljoch“ und folgen diesem Weg für 1,1 km bis zum Hinweisschild am Kaiserbründl.
Auf einer Strecke von ca. 200 m erstrecken sich die Halden oberhalb und unterhalb des Weges. Mein Interesse galt zunächst der Suche nach geeignetem Schleifmaterial für meine Vorhaben. Kugeln, Freiformschliffe und Cabochons sollten aus dem bunten Material entstehen. Bei meinem ersten Besuch der Fundstelle im Oktober 2013 mit zwei Freunden von der Fachgruppe der Steinschleifer der Münchner Mineralienfreunde erlebte ich nicht nur ein blau-grünes, sondern auch gleich ein weißes Wunder - kurz vor dem Parkplatz unterhalb der Holzalm begann es zu schneien! Das hielt uns jedoch nicht von einer Suche nach dem begehrten Rohmaterial ab. Die Halde war dann auch nur mäßig mit Schnee bedeckt und die bunten Steinbrocken leuchteten uns mit ihren intensiven Farben entgegen.
Bei weiteren Besuchen der Halden an der Nordostseite der Gratlspitze wanderten viele kompakte und bunt gefärbte Steine in den Rucksack und wurden entweder zu den oben genannten Objekten verarbeitet oder im Garten für eine spätere Verwendung zwischengelagert. Mit der Zeit erweiterten sich jedoch meine Interessen im Zusammenhang mit Gesteinen und Mineralien.
Bereits 2001 hatte ich Kontakt zu dem Mineraliensammler Hans Huber aus Mittenwald. Ich hatte gerade mit dem Sammeln von Mineralien begonnen und war auf diesen Namen gestoßen. Ich habe Hans dann kurzerhand einfach mal angerufen, mich vorgestellt und erzählt, dass ich mich für das Sammeln von Mineralien interessiere. Hans lud mich dann auch gleich zu einer Besichtigung seiner Sammlung nach Mittenwald ein. Bei ihm blickte ich das erste Mal durch ein Mikroskop und entdeckte die Faszination perfekter Kristalle im Klein- und Kleinstformat!
Über meine Mitgliedschaft bei den Münchner Mineralienfreunden fand ich dann einige Jahre später Kontakt zu der dortigen Fachgruppe der Micromounter. Hannes Osterhammer war hier mein Ansprechpartner, der mir das Thema Micromounts und auch das Thema Mehrschicht-Fotografie näherbrachte. Gut, fotografiert hatte ich schon immer gerne, aber das war nun doch, twas völlig Neues! Fasziniert von der Vorstellung, winzige Mineralien, die mit bloßem Auge nicht oder fast nicht zu erkennen sind, auf einem Foto darstellen zu können, stürzte ich mich auf diese neue Aufgabe.
Anfangs noch mit einfachen Hilfsmitteln wie einem Reprostativ, einem handbetriebenen Makroschlitten und einem Makroobjektiv kombiniert mit Zwischenringen und Vorsatzlinse landete ich schließlich bei einem motorisierten Schlitten und einem Mikroskopobjektiv auf einem Tubussystem. Bildbreiten von ca. 3,5 mm waren nun möglich.
Zu diesem Zeitpunkt erkannte ich das Potenzial der Fundstelle am Kaiserbründl für meine Interessen. Hatte ich früher bei der Suche auf den Halden am Kaiserbründl noch poröse Steine oder Brocken mit Hohlräumen ignoriert, ja sogar beiseite geräumt, war das nunmehr das gesuchte Material! In diesem Sinne stattete ich der Halde im Herbst 2024 erneut einen Besuch ab. In den Rucksack wanderten nun sehr unterschiedliche Gesteinsbrocken. Sowohl der Schleifer, als auch der Micromounter und Fotograf sollten damit zufrieden sein.
Die Aufbereitung des Rohmaterials erbrachte dann auch tatsächlich meine ersten Micromounts vom Kaiserbründl. Nach Formatierung und Reinigung der Micromounts wurden diese fotografiert und bestimmt. Das Ergebnis meiner Sammler- und Schleiftätigkeit mit den Gesteinen von der Halde am Kaiserbründl habe ich auf den Fotos in diesem Artikel zusammengefasst.
Die hier abgebildeten Mineralien sind zu einem Teil Eigenfunde, der andere Teil wurde mir von Gert Schöneborn überlassen. Neben Hans Huber und Hannes Osterhammer hat mir vor allem Gert Schöneborn das Thema Micromounts nähergebracht und mir mit vielen überlassenen Stücken einen Grundstock für meine Sammlung verschafft.