Mineralica 2026-3

Diamant: Vom Werden und Vergehen des „Königs der Edelsteine“

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Erwin Geiss (2026): Diamant: Vom Werden und Vergehen des „Königs der Edelsteine“. Mineralica 2026-3, S. 8–25.

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Erwin Geiss (2026): Diamant: Vom Werden und Vergehen des „Königs der Edelsteine“. Mineralica online, September 2026. https://mineralica.com/a/qGfgaL (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Wachstum, Auflösung und Erosion hinterlassen auf Diamantkristallen Spuren, die schon eine gute Lupe sichtbar macht. Erwin Geiss erklärt, was diese Oberflächen von der Reise aus dem Erdinneren erzählen.

Diamant: Vom Werden und Vergehen des „Königs der Edelsteine“
Sammlung und Foto Erwin Geiss.

Der Diamant gilt als der Edelstein schlechthin. Schon im Altertum war seine Härte bekannt, sein Name leitet sich vom griechischen ἀδάμας, adámas, „unbezwingbar“, ab.

Der römische Geschichtsschreiber Plinius beschreibt in seiner Naturalis Historia ein Experiment, das allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen werden kann: „Man prüft ihn auf dem Amboss, denn die echten widerstehen den Schlägen so sehr, dass der Hammer beiderseits zerspringt und selbst der Amboss Risse bekommt. So ist die Härte ungeheuer, dazu besiegt seine Art das Feuer, er ist nicht erwärmbar. […] Wenn es glückt, den Diamanten zu zersprengen, so zerfällt er in so feine Blättchen, dass sie mit bloßem Auge kaum zu bemerken sind. Diese Bruchstücke werden von den Steinschleifern gesucht, in Eisen gefasst und dienen dazu, einen jeden harten Körper mit Leichtigkeit zu durchbohren.“

Sogar auf die Kristallform geht Plinius ein: Der Diamant habe „zwei entgegengesetzte Spitzen und die Form zweier mit ihren breiteren Flächen aneinander gesetzter Kreisel“. Gemeint ist damit offenbar das Oktaeder.

Da man den Diamanten im Altertum wegen seiner Härte praktisch nicht schleifen konnte, standen die farbintensiven roten, blauen und grünen Edelsteine wie Rubin, Saphir und Smaragd zumeist höher im Kurs als der Diamant.

Heute ist er nicht nur ein begehrter Edelstein, sondern auch ein bedeutendes Industriemineral, und wissenschaftlich ist er nach wie vor äußerst interessant.

Dieses kommerzielle Interesse führt dazu, dass der Diamant im Sinne des Mineraliensammlers kein „seltenes“ Mineral ist. Gute und große Kristalle bleiben für den „Normalsammler“ allerdings meist unerschwinglich. Begnügt man sich jedoch mit kleinen Kristallen von wenigen Millimetern, hat man eine reiche Auswahl zu Preisen, die in der Regel im zweistelligen Euro-Bereich liegen. Mit einer guten Vergrößerungsoptik, bei vielen Sammlern ohnehin vorhanden, kann die Reise in die Diamantwelt beginnen.

Meine eigene Diamantgeschichte reicht zurück bis in die späten 1970er Jahre. Damals erhielt ich von meinem Vater ein kleines Häufchen sogenannter Bohr- oder Industriediamanten, vielleicht 20 bis 30 jeweils zwei bis fünf Millimeter große Bruchstücke, denen ich zunächst kaum Aufmerksamkeit schenkte. Erst als ich mich vor einigen Jahren mit einer besseren optischen Ausrüstung ausstattete, habe ich mir die Winzlinge wieder vorgenommen und war fasziniert von den vielfältigen Strukturen auf und in den Kristallen. Dazu kommen mittlerweile einige zugekaufte Kristalle. Insgesamt hätten die Objekte meiner „Diamantsammlung“ aber immer noch allesamt leicht in einem Fingerhut Platz.

Als Geophysiker interessiere ich mich naturgemäß für die Prozesse, die tief unter uns im Erdmantel ablaufen. Gerade dazu liefern Diamanten viele Informationen, die ihnen sozusagen „ins Gesicht“ geschrieben sind.

Ganz unterschiedlich sind dabei die Zeitskalen: Während die Bildungsdauer von Diamanten eher im Bereich von Millionen Jahren angesetzt wird, entstehen die im Folgenden beschriebenen Lösungsstrukturen während des Kimberlitaufstiegs wohl innerhalb von Stunden bis Tagen.

Da es zur Bildung und Verwendung des Diamanten reichlich Literatur gibt, möchte ich darauf im Folgenden nicht eingehen, sondern mich auf das konzentrieren, was man als Sammler an seinen Objekten beobachten kann.

Nicht nur für Diamanten gilt: Jeder natürliche, gefundene Kristall ist das Ergebnis von Wachstum nach kristallographischen Regeln und zugleich von Ereignissen, die nach diesem Wachstum eingetreten sind, also Deformation, Auflösung und Erosion.

1. Wachstum

Das Wachstum der Diamanten wird bestimmt von ihrer Umgebung tief in der Erde: von der Menge des verfügbaren Kohlenstoffs, dem Vorhandensein anderer Substanzen sowie den Druck- und Temperaturverhältnissen und deren Änderungen (vgl. Sunagawa 2005). All das beeinflusst die Größe, die Farbe, die Einschlüsse und vieles mehr. Da die Untersuchung von Einschlüssen nur in entsprechend ausgestatteten Instituten möglich ist, soll es hier fast ausschließlich um die äußere Form gehen.

Abb. 1 Farbloser Diamant-Oktaeder. Guyana. Durchmesser ca. 1,8 mm, 0,05 ct. Sammlung und Foto Erwin Geiss.
Abb. 2 Klarer Oktaeder mit Parallelwachstum. Fundort unbekannt. Durchmesser 3,5 mm, 0,3 ct. Sammlung und Foto Erwin Geiss.
Abb. 3 Klares Kristallaggregat, Farbspiel aufgrund von Spannungsdoppelbrechung. Fundort unbekannt. Breite ca. 4,5 mm, 0,7 ct. Sammlung und Foto Erwin Geiss.
Abb. 4 Diamant-Zwilling (sog. „Macle“). Kimberley. Durchmesser 2,8 mm, 0,2 ct. Sammlung und Foto Erwin Geiss.
Abb. 5 Abgeflachter Zwillingskristall mit ausgeprägten Dreiecksstrukturen auf der Oberfläche. Guyana. Kantenlänge ca. 1,8 mm, ca. 0,05 ct. Sammlung und Foto Erwin Geiss.

Die Grundform des Diamanten ist das Oktaeder. In der Regel ist es bei kleinen Kristallen besser ausgebildet als bei größeren (Abb. 1). Häufig beobachtet man auch Parallelwachstum (Abb. 2). Wachsen viele Kristalle auf engem Raum, bilden sich unregelmäßige Kristallaggregate (Abb. 3). Manchmal sind diese Oktaeder auch abgeflacht, sodass dreieckige Formen entstehen, die wie sogenannte Spinell-Zwillinge aussehen (Tappert & Tappert 2011). …

In Mineralica 2026-3

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