Mineralica 2026-3

Das Geheimnis der Goldlocken

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Michael Wachtler & Alejandro Stern (2026): Das Geheimnis der Goldlocken. Mineralica 2026-3, S. 40–55.

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Michael Wachtler & Alejandro Stern (2026): Das Geheimnis der Goldlocken. Mineralica online, September 2026. https://mineralica.com/a/eRL11W (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Seit 2022 kommen aus drei abgelegenen Gruben in der Gran Sabana Goldlocken, wie sie kaum ein anderes Fundgebiet liefert. Michael Wachtler und Alejandro Stern berichten aus dem Dschungel zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana.

Gediegen Gold. Aus der neuen Fundstelle Yunet, zwischen Wonken und Kavanayen. Länge 4,2 cm. Sammlung und Foto Alejandro Stern.

Tief im Amazonas-Dschungel, im Dreieck zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana, liegt eine vergessene Welt. Hier lassen sich Gold und Diamanten gemeinsam gewinnen, was weltweit selten ist, und zwar gerade dort, wo für große Bergbaukonzerne nichts zu holen ist. Seit 2022 kommen aus drei abgelegenen Minen dieser Gegend Goldlocken ans Licht, wie sie sonst kaum ein Fundgebiet liefert.

Das Hochplateau, allgemein als Gran Sabana bezeichnet, zählt mit seinen bis zu 3.000 Meter hohen Tafelbergen und dem Salto Angel, dem höchsten Wasserfall der Erde, zu den eindrucksvollsten Gegenden der Welt. Der bekannteste Tafelberg ist der Roraima. Trotzdem wird jede Erkundung zum Abenteuer. Der Unruheherd des Landes liegt weit weg: Die Gegend um Caracas, die 2026 ein schweres Erdbeben traf, ist mehr als 1.000 Kilometer entfernt. Die Gran Sabana mit ihrem Zentrum Santa Elena de Uairén nahe der Grenze zu Brasilien und Guyana gilt deshalb als vergleichsweise ruhig.

Das eigentliche Goldrevier Venezuelas liegt weiter nördlich im Bundesstaat Bolívar. Zwischen El Callao und dem Ort Km 88 zieht sich der größte Bergbaukorridor des Landes. Als der US-amerikanische Geologische Dienst 1993 die Lagerstätten des venezolanischen Guayana-Schilds zusammenstellte, kam er auf über 450 Vorkommen, darunter mehr als 200 für Gold und mehr als 106 für Diamanten, die meisten davon in Seifen. Allein auf die Distrikte El Callao und Lo Increíble entfielen mehr als 70 der 125 erfassten Goldgangvorkommen, und das war nur ein Drittel der über 230 Goldquarzgänge, die dort schon bekannt waren. Dieses Gold steckt in Quarzgängen und wird im großen Maßstab abgebaut. Jahrelang beherrschten kolumbianische Guerillagruppen und kriminelle Banden das Gebiet. Erst vor Kurzem schaltete die venezolanische Armee, unterstützt von US-Drohnen, bei Km 88 die gefährlichsten Mitglieder der Bande „Tren de Aragua“ aus. Seither wird der Korridor geräumt, und durch die neuen politischen Konstellationen übernehmen immer mehr US-Bergbauunternehmen die Schürfrechte. Für Sammler bleibt dieser Korridor dennoch uninteressant. Von dort kommt Erz, keine Kristallstufen. Was Sammler suchen, wächst weit im Süden im verwitterten Untergrund der Gran Sabana.

Gediegen Gold. Aus der neuen Fundstelle Trompa, Icabarú. Länge 5,5 cm. Sammlung und Foto Alejandro Stern.
Die Hochfläche der Gran Sabana im venezolanischen Nationalpark Canaima liegt rund 1.000 Meter über dem Meer, aus ihr ragen die Tafelberge auf. Foto: Martin Harvey / Alamy.
Venezuela mit der Gran Sabana im Südosten des Landes. Grafik: M. Schiller.

Der „Jungle Buyer“

Doch wer sind die Menschen, die unter fast unmöglichen Bedingungen im tiefsten Dschungel nach Gold suchen? Besonders hervorzuheben ist Alejandro Stern aus Santa Elena de Uairén. Nach 24 Jahren in der venezolanischen Ölindustrie gab er seinen Beruf auf und ging in den Amazonas-Dschungel. In Venezuela ist Stern als „El Trompo Rojo“ bekannt, ein Name, der auch für einen der seltensten Edelsteine dieser Gegend steht, den blutroten Diamanten. Ein einziges Karat kann auf dem freien Markt rund eine Million Euro einbringen. Manche Amerikaner nannten ihn den „Jungle Buyer“, weil er stets über die besten Goldkristalle und Diamanten verfügte.

Seine heutige Einschätzung „Die Gegend ist mittlerweile frei von Kriminellen und reich an Goldkristallen“ gibt die veränderte Lage wieder. Und seit einigen Jahren kommt dort etwas ans Licht, das selbst erfahrene Sammler selten zu sehen bekommen. Golddrähte, im Handel als Wire Gold geführt, sind Kristallisationen von gediegen Gold, die statt kompakter Formen fadenartige Gestalt bilden. In derselben Gegend kommen auch Einzelkristalle vor, Oktaeder bis hin zum Dodekaeder, aber sie stammen aus anderen Minen.

Alejandro Stern aus Santa Elena de Uairén. Amerikaner nannten ihn den „Jungle Buyer“, weil er stets über die besten Goldkristalle und Diamanten aus Venezuela verfügte. Foto Michael Wachtler.
Einer der venezolanischen Goldkristalle, für die Stern so bekannt ist, ein perfekt ausgebildeter Oktaeder. Stern holt die Stücke aus den Minen im Dschungel und bringt sie in den Handel. Foto Michael Wachtler.
Der Handel mit Rohdiamanten gehört zu Sterns täglichem Geschäft. In der Gran Sabana werden Gold und Diamanten gemeinsam gewonnen. Foto Michael Wachtler.

Bekannt wurden die Silberlocken aus Kongsberg in Norwegen, die manchmal 50 Kilogramm erreichten. Dekorative Golddrähte sind jedoch noch weit seltener. Jene aus der Ground Hog Mine in Colorado zählen zu den begehrtesten.

Die berühmte Drachen-Goldlocke

Alejandro Stern war einst im Besitz des berühmten „Dragon Wire Gold“ aus der El Infierno Mine nahe dem Fluss Icabarú. Die Geschichte dieses Stückes spielt vor rund zwanzig Jahren und klingt beinahe unglaublich. Eines Tages, als Stern in seinem Büro Gold und Rohdiamanten ankaufte, tauchten plötzlich Goldstücke mit ausgeprägt grüner Färbung auf. Niemand wollte sie kaufen, denn diese Farbe deutete …

In Mineralica 2026-3

Dieser Artikel steht auf den Seiten 40–55. Die ersten 2 Seiten können Sie frei durchblättern.

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