Für Mineraliensammler, Wissenschaftler, aber auch für Glücksritter ist die Leckbachrinne im Habachtal, Gemeinde Bramberg, mit ihren Smaragden eine der bekanntesten Mineralienfundstellen der Ostalpen. Die Geschichte der Entdeckung und der bergbaulichen Erschließung des Vorkommens ist nur lückenhaft und oft wenig detailliert dokumentiert. Wichtige Inhalte wurden häufig sogar widersprüchlich wiedergegeben, und unterschiedliche Benennungen von Örtlichkeiten erschwerten die Zuordnung zusätzlich.
Zur Geschichte des Smaragdabbaus
Im Folgenden sollen einige wichtige historische Ereignisse rund um den Smaragdabbau zusammengefasst werden. Generell gilt: Ein Bergbau im hochalpinen Gelände über 2.000 m, wo die Stollen und Anlagen nur wenige Monate im Jahr schnee- und eisfrei sind, bedeutet für alle Beteiligten eine große Herausforderung.
Die Anfänge der Smaragdfunde im Habachtal sind nicht restlos geklärt.
So wurde vielfach darüber spekuliert, ob die Smaragdlagerstätte im Habachtal, Pinzgau, Salzburg, bereits den Kelten und Römern bekannt gewesen sei und dort vielleicht schon Abbau betrieben wurde. Historische Funde könnten darauf hinweisen.
In seiner umfangreichen Arbeit zur Geschichte des Smaragdbergbaus im Habachtal zeigte Schmetzer, dass einige alte Berichte über einen Smaragdabbau ab dem 16. Jahrhundert kritisch zu betrachten und als fehlerhaft zu bewerten sind.
So wurde beispielsweise in der Literatur für das Jahr 1593 ein Erdrutsch im Habachtal erwähnt, bei dem angeblich die „Smaragdgruben“ zerstört worden sein sollen. In Wirklichkeit dürften davon aber die weiter talauswärts liegenden Silbergruben am Gamskogel betroffen gewesen sein. Als erster ernst zu nehmender schriftlicher Hinweis auf ein Smaragdvorkommen im Habachtal bleibt damit der Briefwechsel der Erzherzogin Anna de Medici mit ihrem Bruder Ferdinand II., Großherzog der Toskana, aus dem Jahr 1669. Darin scheint das Vorkommen tatsächlich schon bekannt gewesen zu sein: Wie sie schreibt, soll der Gelehrte und Naturforscher Niels Stensen, Entdecker der Winkelkonstanz, auf seiner Reise durch Tirol und Salzburg auch „…die Smaragdgruben“ aufgesucht haben (Schmetzer 2023).
Die erste wissenschaftliche Erwähnung eines Smaragdvorkommens im „Heubachthale“ findet sich 1797 bei Kaspar Melchior Schroll, einem „hochfürstlichen Bergrathe“. Die ersten Smaragdstufen aus dem Habachtal, die für das k. k. Naturaliencabinet in Wien angekauft wurden, sind im Inventar von 1807 verzeichnet. 1859 berichtete Ludwig Ritter von Köchel, bekannt durch das Köchel-Verzeichnis der Werke von W. A. Mozart, in seinem Buch „Mineralien des Herzogthumes Salzburg“ über das Smaragdvorkommen im Habachtal. Seine Feststellung, das Vorkommen sei stark ausgebeutet, dürfte dabei stark besammelt und nicht bergmännisch abgebaut bedeuten (Niedermayr 1996).
1860 begann der Wiener Juwelier Samuel Goldschmidt mit dem Abbau des Vorkommens, allerdings mit wechselndem Erfolg. 1862 erwarb er um 1.000 Kronen ein Areal von, nach heutigem Maß, rund einem Quadratkilometer um das Vorkommen aus Staatsbesitz. Da Edelsteine nicht unter das Berggesetz fielen und damit kein Bergbauprivileg verliehen werden konnte, gehörten die Smaragde dem Grundbesitzer. Goldschmidt ließ in ca. 2.200 m Höhe Stollen vortreiben und ein Berghaus als Knappenunterkunft errichten (Schmetzer 2023).
Peter Lausecker erwähnte für die Zeit um 1861/62 den Vortrieb von drei Stollen unterhalb der Leckbachscharte als vermutlich ersten geregelten Bergbau unter Samuel Goldschmidt. In dieser Zeit wurde auch ein großer, schöner Smaragd gefunden, der nach dem Schleifen 42 Karat wog und heute die englischen Kronjuwelen ziert. Trotz einiger beachtlicher Erfolge blieb der Betrieb auf lange Sicht unrentabel und wechselte wiederholt seine Betreiber (Lausecker 1986).
1896 erwarb die „Emerald Mines Ltd.“ das Eigentumsrecht. Zeitweise wurden bis zu 30 Knappen beschäftigt. In dieser Zeit, um 1900, wurde in 2.160 m Höhe der C-Stollen, der „Engländerstollen“, angeschlagen. Die Jahresausbeuten an unreinen und schleifwürdigen Steinen erbrachten zwischen 40.000 und 60.000 Gulden. Das Jahr 1903 war mit 68.000 Karat, also 13,6 kg Smaragd, besonders erfolgreich. Die guten Rohsteine wurden zum Schleifen in die Kronkolonie Indien geschickt und kamen anschließend als funkelnde „Indische Smaragde“ auf den Markt, wo sie höhere Preise erzielten als „Habacher“, die keiner kannte (Lausecker 1986).
Wegen der Verschuldung der englischen Bergbaugesellschaft erstellte Dr. Theodor Ohnesorge von der Geologischen Reichsanstalt Wien 1912 ein Wertgutachten über die Smaragdmine. Darin wurde erstmals die Existenz von vier Stollen benannt, die mit A, B, C und D bezeichnet wurden; das Mundloch des D-Stollens beschrieb er als verschüttet (Schmetzer 2023).
1913 ging der Besitz des Bergwerks an drei Bauern der Gemeinde Bramberg über; von da an wechselten die Besitzer der Smaragdgrube mehrfach. In den Nachkriegsjahren ab 1917 wurde unter dem neuen Betreiber Anton Hager in 2.180 m Höhe der D-Stollen („Smaragdstollen“), ca. 20 m über dem C-Stollen, wieder geöffnet. Er erwies sich als sehr ertragreich. Außerdem plante Hager, mit Investoren den Abbau von Talk im großen Stil zu betreiben. Doch die Inflationsjahre waren ungünstig für den Minenbetrieb wie auch für den Verkauf von Smaragden und führten zu einem baldigen Niedergang. Es folgten wieder Jahre mit wechselnden Besitzverhältnissen und Pächtern aus der Schweiz, Österreich, Italien und Deutschland (Schmetzer 2023).
Im Zweiten Weltkrieg kam jeder Abbau zum Erliegen. Danach wurde die Smaragdmine, damals im Besitz von Dr. Max Gaab, unter öffentliche Verwaltung gestellt. Hans Zieger, der die Mine schon von früher kannte, erhielt einen Verwaltungsposten für das Bergwerksareal und begann, wieder im D-Stollen zu arbeiten. Dabei wurde der „Ziegerstollen“, ein Querstollen von der Materialrutsche aus, in den Fels geschlagen, und es wurden gute Smaragde geborgen. 1949 wurde der Betrieb trotz einiger Erfolge eingestellt. Der österreichische Bergbauingenieur Ludwig Hubicky erinnerte 1956 an die früheren Bestrebungen um 1930 durch H. Leitmeier, statt Smaragd als Edelstein das Beryllium als Rohstoff zu gewinnen. Dieses Mal sollte das Beryllium für die aufstrebende Atomindustrie verwendet werden (Lausecker 1986).
1970 verwüstete eine gewaltige Mure Stollenzugänge, das Sedl und auch Teile des Gasthauses Alpenrose mit dem 1966 eröffneten „Smaragd-Bergwerk-Museum“. Wertvolle Schaustücke und alte Dokumente wurden dabei vernichtet.
Bei all den geschichtlichen Ereignissen soll auch das weltweite Interesse am „Millionenfund“ von Hermann Kautzer nicht unerwähnt bleiben. Demnach soll Kautzer 1957 einen großen Smaragd gefunden haben, den der Wiener Edelsteinschleifer Roman Englisch sofort auf 2 bis 4 Millionen Schilling geschätzt haben soll. Nach dem Schleifen hatte sich der Stein in grünes Glas „verwandelt“. Gerichte wurden bemüht, bis es schließlich zu einem Freispruch kam (Niedermayr 1996).
Michael Wachtler und Georg Kandutsch veröffentlichten im Zuge ihrer Recherchen interessante Ergebnisse und Fotos, die zeigen sollen, dass der Kautzer-Smaragd möglicherweise noch heute unbeschadet existiert. Sie zeigten einen 65 mm langen und 25 mm dicken Smaragd von ca. 50 g, den ihnen ein fremder Mann bei einem Treffen präsentiert hatte (Wachtler und Kandutsch 2002).
Zum Smaragdvorkommen im Habachtal
Die bergbaulich interessanten Stollen waren der C- und der D-Stollen.
Der A-Stollen wurde auf 2.095 m Höhe angeschlagen, erreichte 24 m Länge und brachte vereinzelt eher farblose Berylle. Der B-Stollen auf 2.131 m reichte 65 m in den Berg; von ihm sind keine Beryllfunde bekannt. Der C-Stollen mit seinem Stollenmundloch auf 2.165 m wurde um 1900 angelegt und auch „Engländerstollen“ genannt. Er selbst dürfte keine nennenswerten smaragdführenden Partien aufgewiesen haben. Über einen aufsteigenden Schacht im hinteren Bereich, ca. 20 m über dem C-Stollen-Niveau, fanden die Engländer aber vermutlich hochwertige smaragdführende Abbauzonen im I. und II. Lauf sowie in Aufbruch I und II (Pfeil 2 im Stollenplan). Die Erträge der englischen Bergbaugesellschaft müssen wohl zufriedenstellend gewesen sein, sonst hätten sie den Betrieb nicht 17 Jahre lang aufrechterhalten (Lausecker 1986).
Das Datum der Errichtung des D-Stollens wird in der Literatur unterschiedlich diskutiert. Lausecker zufolge wurde der D-Stollen erst zwischen 1917 und 1920 angelegt, um die Abbauzonen der Engländer zu erreichen (Lausecker 1986).
Das hätte bedeutet, dass die Engländer den mühsamen Abtransport ohne D-Stollen über den C-Stollen bewerkstelligen mussten. Viel glaubhafter erscheint die Annahme, dass die Engländer den D-Stollen bereits vor 1913 zum Abtransport errichtet hatten. Beim endgültigen Rückzug um 1914 könnten sie aufgrund der weltpolitischen Lage die Zugänge zu den smaragdführenden Schichten gesprengt und die damaligen Stollenpläne mitgenommen oder vernichtet haben. Anton Hager hätte demnach um 1920 lediglich den verschütteten D-Stollen wieder instand gesetzt. Diese Theorie untermauert auch das Gutachten von Dr. T. Ohnesorge, der, wie erwähnt, das Vorhandensein des D-Stollens bereits 1912 erstmals beschrieb (Schmetzer 2023).
Vielleicht hofften die Engländer auch, eines Tages zurückkehren zu können?
Habacher Smaragde gehören dem hexagonalen Kristallsystem an. Sie sind flächenarm und werden zumeist vom hexagonalen Prisma in Richtung der c-Achse und dem Pinakoid begrenzt. Die wichtigsten Smaragd-Trägergesteine sind Biotit-, Chlorit-, Aktinolith-, Tremolith- und Talkschiefer. Die Smaragde kristallisierten nicht in Klüften wie die hydrothermal entstandenen kolumbianischen Vorkommen von Muzo und El Chivor; für die Habacher Smaragde waren metasomatische Prozesse verantwortlich. Dünnschliffe zeigen, dass sie in einem vollkristallinen Korngefüge unter Aufzehrung der Gemengeteile des Trägergesteins vor ca. 65 bis 35 Mio. Jahren kristallisierten (Lausecker 1986).
„Geochemische Untersuchungen zur Verteilung von Beryllium in Gesteinen und deren einzelnen Gemengeteilen führten zu dem Ergebnis, dass die in den Hellglimmern und Biotiten getarnten Beryllium-Gehalte bereits dazu ausreichen, Beryll-Kristalle in der hier dargestellten Form und Größe hervorzubringen, ohne dass eine zusätzliche magmatische Beryllium-Zufuhr von außen erforderlich gewesen wäre“ (Grundmann 1991, S. 44).
Die Smaragde, durch Chrom tiefgrün gefärbte Berylle, können im Habachtal einige wenige Zentimeter erreichen. Risse und Einschlüsse von Biotit, Hornblende, Apatit und rund 30 weiteren Mineralien sowie Flüssigkeitsfahnen mindern den Wert der Habacher Smaragde erheblich; Schleifqualität ist eher selten zu finden. Daneben finden sich auch graue und selten bläuliche Beryll-Varianten (Aquamarin) bis zu 10 cm Größe, die manchmal sogar gemeinsam mit intensiv grün gefärbten Smaragden auf derselben Stufe anzutreffen sind. Über 50 verschiedene Mineralien von der Leckbachrinne erwähnte Niedermayr bereits 1996; der Phenakit sticht dabei mit bis zu 10 cm großen Kristallen auch weltweit als Besonderheit hervor (Niedermayr 1996).
Erfahrungen und Erkenntnisse der Familie Steiner
Seit 1964 sind die alleinigen Abbaurechte im Besitz der Familie von Dr. Carl Gaab aus München, und seit 1985 betreibt die Familie Steiner aus Bramberg (Alois „Lois“ Steiner, Sohn Andreas und in neuerer Zeit Enkel Simon) als Pächter den Abbau in der Smaragdmine. Lois Steiner schleift noch immer die besten Smaragde; anschließend werden sie im Familienverband zu Schmuckstücken verarbeitet und zusammen mit attraktiven Smaragdstufen verkauft.
Um 1996 machten Lois Steiner und sein Sohn Andreas Funde von Smaragdstufen, die für das Habachtal ungewöhnlich sind.
Ca. 90 m vom Mundloch des D-Stollens entfernt, im Bereich der alten Materialrutsche (Pfeil 1 im Stollenplan), fanden sie einige Stufen mit unzähligen, 2 bis 10 mm großen Smaragden von sehr guter Reinheit. Die kleineren Kristalle sind hellgrün, die größeren sattgrün und von hochglänzenden Flächen begrenzt. Das stellt für dieses Vorkommen eine große Besonderheit dar und erinnert in der Qualität an kolumbianische Smaragde.
Als Fundpunkt beschrieb Andreas Steiner einen ca. 25 m mächtigen und wahrscheinlich ebenso hohen, steil aufgestellten Gneiskörper mitten im Talkschiefer. Im Hangenden des Gneises fand sich, ca. 4 cm vom Gneis entfernt, in einer Schicht aus talk- und aktinolithhaltigem Biotitschiefer der Fundort der hochglänzenden Smaragde. Eine weitere Besonderheit: Nur in einer 5 bis 10 mm dicken Zone zeigten die Smaragde eine tiefgrüne Färbung; in der weichen, talkreichen Umgebung konnten sie fast ungehindert und mit wenigen Einschlüssen auskristallisieren. Darüber und darunter wich das satte Grün schnell wieder einem Hellgrün bis Weiß. Oberhalb und unterhalb der dünnen smaragdführenden Schicht fanden sich unansehnliche, farblose bis hell grünlich-graue Berylle von durchschnittlich 5 cm Länge, die in einzelnen Fällen auch 10 cm erreichten. Der fündige Bereich maß etwa 2 × 5 m.
Im hinteren Bereich des D-Stollens stürzte schon vor längerer Zeit (ca. 1980) die Stollendecke wegen ihrer geringen Mächtigkeit ins Freie ein, möglicherweise auch durch unbedachte Sprengungen vom etwas verwirrten Sebastian Berger, einem Pächter von Karl Gaab. So entstand ein natürlicher Trichter (Pfeil 2 im Stollenplan). Beim Ausräumen des eingebrochenen Materials rutschten sofort wieder große Mengen neuen Materials nach, teils in Blöcken bis 3 m, bis vom Tage bereits die Alpenrosenstauden nachkamen. Dabei fanden sich im Verbruch auch immer wieder smaragdführende Biotit- und Talkschiefer.
Andreas Steiner berichtete von mehreren Smaragd-Primärvorkommen im Habachtal. Neben dem Smaragdbergwerk liegt ein weiteres Primärvorkommen unter dem Schutt des Sedl im anstehenden Glimmerschiefer begraben. Dort fand er bisher kleine grüne Smaragde bis 6 × 3 mm und größere graugrüne Berylle bis 4 cm. Zudem fand er kleine Smaragde und größere graugrüne Berylle im Anstehenden auf der linken Leckbachseite, unterhalb des A-Stollens, bereits an der 2.000-m-Grenze.
Auf der gegenüberliegenden Habachtalseite, im Bereich der Kesselscharte, gibt es ebenfalls ein kleines Vorkommen von Smaragden. Mehrere Sammler fanden dort unter erschwerten Bedingungen kleine Smaragde, und das, obwohl mangels Wasser kein „Smaragdwaschen“ möglich ist. Erwin Burgsteiner erinnerte sich an eine Stufe mit mehreren Smaragden, die Alfons Wurnitsch gefunden hatte (freundliche Mitteilung Erwin Burgsteiner, 2026).
Andreas Steiner fand ebenfalls bis zu 4 × 2 mm messende Smaragde in den Schuttblöcken der Kesselscharte.
In der Kesselklamm auf der Untersulzbachtalseite fand Herbert Hofer kleine, aber tiefgrüne Smaragde im anstehenden Gestein (Grundmann 1991, Burgsteiner 2002).
Eine Anekdote zum Schluss
„Präsentierst du deinen größten Smaragd schon in der Vitrine, oder verbirgt er sich noch im darunterliegenden Muttergestein?“
Meine Frau Edith und ich sammeln mit Leidenschaft Habacher Smaragde. Dabei legt sie Wert auf zu Schmuck gefasste natürliche und facettierte Steine, ich auf Kristalle mit tiefem Grün und Endflächen im Muttergestein.
Also fuhr ich 2023 wieder einmal zum Andreas Steiner nach Bramberg. Dieses Mal sollte es eine Armspange mit einem dazu passenden großen Smaragd sein, ungeschliffen im Muttergestein.
Andreas zeigte mir eine große Auswahl schon dafür vorbereiteter Kristalle in bis zu 4 cm großer Matrix.
Ich sagte: „Sehr schöne Stücke, aber das ist nicht das, was ich suche.“
Mit einem leichten Schmunzeln verriet Andy, dass er damit gerechnet hatte.
„Was stellst du dir vor?“, fragte er mich. Wortlos ging ich in den vorderen Teil seiner Werkstatt, wo er seine besonderen Stücke aufbewahrt, und griff zielsicher nach einer handgroßen Stufe mit einem einzigen, aber farblich sehr schönen, 1,7 cm großen Smaragd.
Der Kristall erfüllte zudem das wichtigste Kriterium für ein Schmuckstück: Er war an beiden Enden bündig in Glimmerschiefer eingewachsen und damit gut gegen seitliche Verletzungen geschützt.
„Kannst du mir den verarbeiten?“, fragte ich. „Okay!“, meinte Andreas und fügte mit der jahrzehntelangen Erfahrung als Betreiber der einzigen Smaragdmine Mitteleuropas hinzu, dass darunter noch der eine oder andere Kristall verborgen sein könnte, denn Smaragde sind selten Einzelgänger.
„Ich werde ihn jetzt gleich mal rausschneiden und das Stück bearbeiten, während du deine Sammlerkollegen besuchst“, meinte er. Dass die große Stufe ja viel teurer sei, wollte ich nicht mehr so recht hören, denn dafür hatte ich meinen Traumstein für Ediths Geburtstagsgeschenk.
Als ich nach zwei Stunden zurückkehrte, hatte er wieder dieses besondere Schmunzeln im Gesicht und hielt mir zwei schöne Smaragde entgegen: den ausgesuchten für die Armspange und einen noch größeren, der eine schöne grüne Farbe zeigte, als er ihn gegen das Sonnenlicht hielt. „Es sind also doch mindestens zwei, und die zum Preis von einem“, grinste er, „nur dass der zweite nie das Tageslicht gesehen hätte, wenn du nicht so verrückt nach diesem ersten Kristall gewesen wärst.“
Bei einem kühlen Bier ließen wir den Tag ausklingen und philosophierten darüber, in wie vielen Sammlungen die schönsten Smaragde wohl noch unbemerkt im Muttergestein auf leuchtende Augen bei ihrer Entdeckung warten. Diese leuchtenden Augen sah ich bei meiner Rückkehr, als Edith das von der Familie Steiner mit Liebe angefertigte Geburtstagsgeschenk auspackte.
Danke, Andy, für das tolle Erlebnis! Otmar
Wir bedanken uns bei Mark Mauthner für die Smaragdfotos und die Durchsicht, bei Heimo Urban ebenfalls für die Durchsicht, bei Andreas Steiner für viele neue Informationen und Diskussionen sowie bei Erwin Burgsteiner für die Bereitstellung von Literatur.