Mineralica 2026-1

Der große Andenvogel und die Steine: Achate aus San Rafael, Argentinien

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Johann Zenz (2026): Der große Andenvogel und die Steine: Achate aus San Rafael, Argentinien. Mineralica 2026-1, S. 6–20.

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Johann Zenz (2026): Der große Andenvogel und die Steine: Achate aus San Rafael, Argentinien. Mineralica online, Februar 2026. https://mineralica.com/a/5s0r2r (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Achate aus San Rafael in der argentinischen Provinz Mendoza gehören zu den farbenprächtigsten der Welt. Johann Zenz stellt Fundstellen und Besonderheiten vor und erzählt die umstrittene Geschichte ihrer Entdeckung.

Achat mit so genannter Schildkrötenpanzerstruktur von San Rafael. 9,8 cm. Sammlung und Foto Pat McMahan.

Achate aus der im zentralen Westen Argentiniens liegenden Provinz Mendoza sind seit Mitte der 1990er Jahre in größeren Mengen auf dem Markt erhältlich und zählen heute nach wie vor zu den begehrtesten Achaten weltweit. Der vorliegende Artikel möchte diese farbenfrohen kryptokristallinen Quarzvarietäten samt ihrer interessanten Fundgeschichte und der aktuellen Sammelsituation näher vorstellen.

Lage, Klima und Wirtschaft

Die vor allem aufgrund ihrer ausgezeichneten Weine auch in Europa und den USA bekannte Provinz Mendoza liegt im Zentrum Argentiniens und grenzt im Westen an Chile. Ein Großteil der Landschaft besteht aus der typischen Trockensteppe, die gelegentlich mit kleineren Sandwüsten abwechselt. Im westlichen Teil beeindruckt die schroffe Gebirgslandschaft der Anden, auch deren bekanntester und gleichzeitig höchster Gipfel Amerikas, der 6961 m hohe Aconcagua (ein ehemaliger Vulkan), thront hier majestätisch nahe der Grenze zu Chile.

In der in 18 Departamentos aufgeteilten Provinz Mendoza herrscht ein trockenes, kontinentales Klima mit großen Tag- und Nachtunterschieden, ziemlich warmen Sommermonaten, kalten Wintermonaten und eher geringen Niederschlagsmengen vor.

Die bedeutendsten Städte entstanden meist im Umfeld der ehemaligen Oasen bei Mendoza City, Guaymallén, Las Heras sowie Godoy Cruz. Die in Sammlerkreisen wegen ihrer sedimentär gebildeten Achatvorkommen („Puma-Achate“) ebenfalls bekannte Kleinstadt Malargüe liegt im nur wenig besiedelten Süden der Provinz.

Achat von San Rafael mit ungewöhnlicher Farbkombination und einem ausgeprägten Fließkanal im rechten unteren Bereich. 10 cm. Sammlung Hannes Holzmann, Foto Albert Russ.
Intensives Chromatographiephänomen (Farbzonenänderungen unabhängig von den Bandsystemen). 6,3 cm. Sammlung und Foto Pat McMahan.

Wie bereits erwähnt, ist der Wein mit seiner wichtigsten Sorte Malbec das bedeutendste Exportgut in Mendoza. Darüber hinaus wird Landwirtschaft betrieben und etwas Erdöl gefördert. Die Provinz ist vor allem aus verkehrstechnischer Sicht als „Tor nach Chile“ von großer Bedeutung.

Die Stadt San Rafael liegt im zentralen Süden der Provinz am Fuße der Anden und nahe dem durch sein smaragdgrünes Wasser beeindruckenden Rio Atuel. In der weiteren Umgebung von San Rafael befinden sich zahlreiche Achatfundstellen, die bis in die Gegenwart ausgezeichnete Achate in relativ großen Mengen liefern.

Geologische Situation

Die Provinz Mendoza kann in drei große geologische Zonen aufgeteilt werden: die Precordillera-Cordillera Frontal, die Cordillera Principal und die Coastal Cordillera. Vor allem die Precordillera-Cordillera Frontal-Zone (auch San Rafael-Block genannt) ist für die Achatvorkommen um San Rafael von Bedeutung. Sie ist vor allem aus früh- bis spätpalöozoischen Sedimenten aufgebaut, die im Zuge von Subduktions- und Hebungsprozessen im späten Miozän und Pliozän teilweise wieder an die Oberfläche gelangten. Der westliche Teil dieser Sedimente wurde im Devon stark deformiert. Darüber hinaus gibt es präkambrische bis frühpaläozoische metamorphe Gesteine. Auf diesen alten Gesteinen lagern andesitische-rhyolithische Vulkanitdecken der Choiyoi/Cochicó-Gruppe, die vor allem im San Rafael-Block aufgeschlossen sind. Dazwischen treten in allen Lagen karbonische und triassische Granite auf. Der San Rafael-Block ist bekannt für besonders heftige und lang andauernde tektonische und vulkanische Aktivität (Mogessie et al., 1999). Es treten vor allem andesitische Laven, rhyolithische Tuffe und Ignimbrite sowie Trachyte und keratophyrische Laven auf, die über älteren Schichten aus dem Karbon und Früh-Perm lagern. Selbst werden sie teilweise wieder von Sedimenten aus dem Mittel- und Spät-Perm überlagert. Südlich des Rio Atuel ist eine Serie mit verschiedenen sedimentären und vulkanischen Gesteinen aus dem Tertiär und Quartär zu beobachten (Cingolani & Ramos, 2017).

Die spannende Fundgeschichte

Keine andere Achatfundstelle weltweit hat für derartige intensive Diskussionen und Konflikte innerhalb von Sammlerkreisen gesorgt, wie jene von San Rafael. Grund dafür sind unkorrekte Fundortangaben, die sich bedauerlicherweise auch in manchen einschlägigen Veröffentlichungen bis heute wiederfinden.

Die bekannte Edelsteinfirma Ruppenthal in Idar-Oberstein bot bereits ab Ende der 1970er Jahre rohe Achate aus Argentinien, eindeutig aus der Region San Rafael stammend, in größeren Mengen zum Verkauf an. Der deutsch-argentinische Mineralienhändler Diego Weber brachte erstmals ab Beginn der 1980er Jahre Achate aus San Rafael als Verkaufsware auf die Münchener Mineralientage – mit der korrekten Fundortangabe versehen. Eine exakte Darstellung der Chronologie der interessanten Fundgeschichte der Achate von San Rafael findet sich bei Mayer (2015).

1993 wurden Achate aus San Rafael erstmals in den USA angeboten, und zwar vom mittlerweile in den USA lebenden ehemaligen argentinischen Schauspieler Luis de los Santos. Er versah diese Achate mit der bis heute vor allem in angloamerikanischen Sammlerkreisen beliebten Handelsbezeichnung „Condor“-Achate“ (nach dem mächtigen Herrscher der Lüfte in der Andenregion, dem südamerikanischen Kondor), die er nun in den folgenden …

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