Mineralica 2025-2

Farbenpracht der Ostalpen: Fluorit aus Österreich

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Martin Grüll (2025): Farbenpracht der Ostalpen: Fluorit aus Österreich. Mineralica 2025-2, S. 14–35.

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Martin Grüll (2025): Farbenpracht der Ostalpen: Fluorit aus Österreich. Mineralica online, Juni 2025. https://mineralica.com/a/i6y4e5 (abgerufen am 18. Oktober 2026)

Martin Grüll stellt die bedeutendsten Fluoritfundstellen Österreichs vor – nach Bundesländern, von historischen Klassikern bis zu kaum bekannten Neufunden, mit grünen Oktaedern vom Hocharn und violetten Kristallen vom Weisseck.

Fluorit aus der Gipfelkluft am Weisseck, Lungau, Salzburg. Das Weisseck gilt als eine der spektakulärsten Fluoritfundstellen der Ostalpen und ist berühmt für seine farbintensiven Kristalle und die außergewöhnliche Vielfalt an Formen. Die „Gipfelkluft“ lieferte einige der größten und farbenprächtigsten Fluorite Österreichs. Größe 5,6 x 4,7 x 4,5 cm. Foto Martin Grüll.

Fluorit hat sich in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Minerale unter Sammlern weltweit entwickelt. Seine außergewöhnliche Farbenvielfalt, spektakulären Kristallformen und oft seltenen geologischen Entstehungsbedingungen machen ihn zu einem echten Highlight – nicht nur in Vitrinen, sondern auch in der wissenschaftlichen Erforschung. Während legendäre Fundorte wie der Mont Blanc oder der Planggenstock international große Bekanntheit erlangt haben, ist das Fluoritvorkommen in Österreich außerhalb spezialisierter Fachkreise bislang vergleichsweise wenig beachtet worden.

Dabei haben die Ostalpen Bemerkenswertes zu bieten: von farbintensiven Oktaedern aus dem Lungau über spektakuläre Einzelfunde in den Zentralalpen bis hin zu geologisch außergewöhnlichen Lagerstätten im Westen des Landes. Viele dieser Funde stehen qualitativ internationalen Spitzenstücken in nichts nach, manche übertreffen sie sogar in ihrer Einzigartigkeit.

Dieser Artikel bietet eine geologisch und mineralogisch fundierte Übersicht der bedeutendsten österreichischen Fluoritfundstellen. Er ist nach Bundesländern gegliedert und beleuchtet sowohl historische Klassiker als auch spektakuläre Neuentdeckungen. Aus praktischen Gründen liegt der Fokus auf bekannten und dokumentierten Lokalitäten. Kleinere Funde, nicht zugängliche Stellen oder bisher unveröffentlichte Entdeckungen konnten nicht alle berücksichtigt werden. Gleiches gilt für jene Fundstellen, zu denen kein geeignetes Bildmaterial vorliegt.

Während in Wien und im Burgenland keine relevanten Fluoritfunde bekannt sind, liefert Niederösterreich nur vereinzelt belegbare Mikrofunde – etwa aus dem Steinbruch Groisbach im Bezirk Baden oder aus kleineren Vorkommen rund um Waidhofen an der Ybbs. Spannender wird es bereits in Oberösterreich. Hier beginnt eine Reise durch eine facettenreiche und oft unterschätzte Welt alpiner Fluoritmineralien.

Fluorit auf Quarz vom Stampflkees, Finkenberg, Schwaz, Tirol. Die Fundstelle zählt zu den wenigen alpinen Zerrklüften Österreichs, die Fluorit in Sammlerqualität geliefert haben. Der ungewöhnlich große Oktaeder (26 mm) besticht durch hervorragende Oberflächenqualität und eine selten intensive Grünfärbung. Größe 7,0 x 5,8 x 3,4 cm. Foto Martin Grüll.

Oberösterreich

Im südlichen Oberösterreich, zwischen dem Pyhrnpass und dem Hengstpass, liegen zwei bedeutende Fluoritfundstellen: die ältere und berühmte am Hüttgraben auf der Fuchsalm (Gemeinde Spital am Pyhrn) sowie die etwas jüngere Fundstelle bei Rosenau am Hengstpass. Beide Orte befinden sich in benachbarten Gemeinden des Bezirks Kirchdorf an der Krems, in einem stark bewaldeten Gebiet mit eingeschränktem Zugang. Die Gemeinde Rosenau zählt nur knapp über 600 Einwohner, erstreckt sich jedoch über mehr als 100 Quadratkilometer – ein Großteil davon ist, wie auch auf der Fuchsalm, von dichten Wäldern bedeckt.

Die Fundstellen wurden meist zufällig entdeckt, etwa bei Hangabbrüchen, Muren oder beim Anlegen von Forstwegen.

Die genannten Vorkommen liegen an der geologischen Kontaktzone zwischen zwei sehr unterschiedlichen Gesteinsformationen: dem Gutensteiner Kalk und dem Haselgebirge. Während der Gutensteiner Kalk ein tiefmariner Kalkstein ist, handelt es sich beim Haselgebirge um eine tonig-salzige, tektonisch stark beanspruchte Formation aus flacheren Ablagerungsräumen. Dass diese beiden Gesteine heute direkt aneinandergrenzen, verdeutlicht eindrucksvoll die gewaltigen tektonischen Bewegungen der Ostalpen – ursprünglich waren sie durch tausende Höhenmeter voneinander getrennt.

Die Fluorite aus dem Gutensteiner Kalk sind besonders für ihre intensive, dunkelviolette Farbe bekannt. Ihre Färbung hängt vom Gehalt an Fluorkohlenwasserstoffen im umgebenden Gestein ab: Je höher dieser ist, desto dunkler erscheint der Kalk und umso intensiver ist das Violett der Fluoritkristalle.

In Rosenau wurden in hellem Kalk farblose Fluorite mit bis zu zwei Zentimeter Kantenlänge sowie große, klare Calcitkristalle gefunden. Zwar ist das Haldenmaterial heute stark verwittert, doch lassen sich die ehemals prachtvollen Stufen noch erahnen.

Die hier vorgestellten Stücke stammen aus der Sammlung von Klemens Mikulaschek, der die vom bekannten österreichischen Mineralogen Ottmar Wallenta entdeckte Fundstelle seit vielen Jahren systematisch bearbeitet. Die Arbeit im extrem harten Gutensteiner Kalk ist dabei eine besondere Herausforderung: Ein gewöhnlicher Hammer ist kaum ausreichend – bei einem Besuch durch Mikulaschek und den Autor zerbrach der Stiel eines 10-kg-Fäustels unter der Belastung. Außerdem lösen sich durch die Erschütterung beim Schlagen oft kleine Fluoritkristalle. Sie springen wie violette Funken vom Gestein ab. Nur der gezielte Einsatz von Bohrmaschinen ermöglicht eine schonende und erfolgreiche Gewinnung.

Die meisten Funde aus der Region zeigen Fluoritkristalle in würfelförmigen Habit (Hexaeder).

Fluorit aus Rosenau am Hengstpaß, Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich. Die typischen dunkelvioletten Kristalle erreichen maximal 10 mm. Größe 5,0 x 6,0 cm. Sammlung und Foto Klemens Mikulaschek.
Fluorit aus Rosenau am Hengstpaß, Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich. Kleine, dunkelviolette Hexaeder auf der charakteristischen, hellen Matrix – die Kristalle erreichen hier bis zu 4 mm Kantenlänge. Größe 5,0 x 3,0 cm. Sammlung und Foto Klemens Mikulaschek.
Hüttgraben, Spital am Pyhrn, Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich. Die Fundstelle liegt inmitten dichter Wälder am Übergang zwischen Gutensteiner Kalk und Haselgebirge – geologisch bedeutsam und berühmt für tiefviolette Fluorite aus hartem Gestein. Foto Klemens Mikulaschek.

Steiermark

Auch in der Steiermark stammen die bedeutendsten Fluoritfunde aus dem bereits beschriebenen Gutensteiner Kalk. Besonders bekannt sind dabei die Fundstellen bei Gams bei Hieflau und im Kaswassergraben. Die bedeutendste und mineralogisch ergiebigste Lokalität dieser geologischen Formation liegt jedoch bei Unterlaussa, im Grenzgebiet zwischen Oberösterreich und der Steiermark.

Die Fundstelle befindet sich im Bereich der Ennstaler Alpen, deren höchste Erhebung das 2.369 m hohe Hochtor bildet. Auch der berühmte steirische Erzberg, einer der größten Erztagebaue Europas, zählt geologisch zu dieser Alpenregion.

Die genaue Entdeckungsgeschichte der Fluorite von Unterlaussa ist nicht dokumentiert. Sicher ist jedoch, dass bereits Erzherzog Johann von Österreich (1782–1859) ein Stück aus dieser Lokalität in seiner Sammlung hatte. Johann war bekannt für seine naturwissenschaftliche Neugier und baute eine bedeutende Sammlung auf, die unter anderem zahlreiche Mineralien umfasste.

In der Steiermark wird er bis heute hoch geschätzt – auch aufgrund seiner vielfältigen Beiträge zu Bildung, Forschung und Kultur. Im Jahr 1811 gründete er das nach ihm benannte Joanneum in Graz, das heute eines der ältesten und größten Universalmuseen Österreichs ist. Aus jener Zeit stammt vermutlich auch eine Fluorit-Stufe aus Unterlaussa, die sich noch heute im Museumsbestand befindet.

Über die Jahrhunderte geriet die Fundstelle weitgehend in Vergessenheit, bis sie durch den bekannten Linzer Sammler Rudolf Planitzer in den 1960er-Jahren neu belebt wurde. Planitzer, der Mineralica-Lesern durch seinen Amethystfund im Zillertal (Sonderausgabe 2024) bekannt ist, erkundete die Gegend zusammen mit seiner Frau und dem lokalen Sammler Berghammer.

Im Jahr 1967 entdeckte das Trio erste Hohlräume im Dolomitgestein. Die dabei geborgenen Fluorite zählen zu den besten Handstufen, die jemals dort gefunden wurden. Die meisten Kristalle sind auf Dolomit oder Gutensteiner Kalk aufgewachsen. Eine mineralogisch besonders bemerkenswerte Entdeckung waren jedoch Fluorite, die in Gips eingebettet sind. Das ist ein seltener Fund für diese Region.

Die Fluorite von Unterlaussa zeichnen sich durch eine außergewöhnlich dunkle, purpurviolette Farbe aus. Außerdem sind sie in ihrer Größe deutlich überdurchschnittlich: Die Kristalle übertreffen in Dimension und Ausdruckskraft die Funde vieler anderer Lokalitäten innerhalb des Gutensteiner Kalks.

Fluorit vom Ungerhammerplatzl, Unterlaussa, St. Gallen, Steiermark. Ein farbloser Einzelkristall mit deutlich ausgebildeten violetten und blauen Zonierungen – ein echtes Unikat dieser klassischen Fundstelle. Größe 2,1 x 1,9 x 1,4 cm. Privatsammlung, Foto Martin Grüll.
Fluorit mit Gips vom Ungerhammerplatzl, Unterlaussa, St. Gallen, Steiermark. Eine echte Rarität: Fluoritkristalle eingebettet in Gips – eine ungewöhnliche Paragenese dieser historischen Fundstelle. Größe 12,0 cm. Sammlung Planitzer, Foto Martin Grüll.
Fluorit vom Ungerhammerplatzl, Unterlaussa, Steiermark. Eine der schönsten Handstufen dieser klassischen Fundstelle. Größe 6,7 x 5,5 x 3,5 cm. Sammlung Planitzer, Foto Martin Grüll.

Kärnten

Der Hocharn, mit 3.254 m der höchste Gipfel der Goldberggruppe, markiert die Grenze zwischen Salzburg und Kärnten. Er lässt sich sowohl vom Fleißtal bei Heiligenblut als auch über Kolm Saigurn oder Bucheben im Raurisertal besteigen. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft liegt der Hohe Sonnblick mit der bekannten Wetterwarte sowie dem Zittelhaus, einer Schutzhütte, die auf den Pionier Ignaz Rojacher zurückgeht.

In Mineralica 2025-2

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