Bei der Tucson Gem and Mineral Show 2025 trafen wir den jungen Künstler Christopher Smith-Duque, dessen Gemälde von Mineralien die Fachwelt derzeit aufhorchen lassen. Er lebt in New-castle Upon Tyne in Großbritannien. Ursprünglich Geologe mit einem Doktortitel in Geochemie, wagte Smith-Duque den Schritt in die Kunstwelt – und verbindet heute wissenschaftliche Präzision mit künstlerischer Ausdruckskraft. Im Interview erzählt er, wie ihn Mineralien zum Malen brachten, warum ein schwarzer Hintergrund für ihn eine tiefere Bedeutung hat und welche Rolle Geduld in seinem kreativen Prozess spielt.
Mineralica: Christopher, Du hast ursprünglich Geologie studiert – wie kam es dann zur Kunst?
Christopher Smith-Duque: Ich habe schon als Kind leidenschaftlich gern gezeichnet. Während meines Geologiestudiums, insbesondere bei der Kartierung, wurde mir bewusst, wie sehr ich visuelle Darstellung liebe. Meine Doktorarbeit habe ich im Rahmen eines wissenschaftlichen Programms zur Ozeanbohrung geschrieben. Ich war Petrologe, habe also Bohrkerne charakterisiert – das basiert stark auf Beobachtung. Diese Fähigkeit begleitet mich bis heute in meiner Kunst.
Wie sahen Deine ersten künstlerischen Arbeiten aus?
Zunächst habe ich Landschaften und Berge gezeichnet. Dabei war die Natur immer mein Ausgangspunkt. Das Sammeln von Mineralien begann erst später. Aber als ich mit dem Mineralien-Malen anfing, hat sich mein Fokus verschoben: Heute male ich fast ausschließlich Mineralstufen, weil ich große Freude daran gefunden habe, die Wunder der Mineralien durch Kunst auszudrücken.
Wie kam der Wandel hin zu Mineralien als künstlerisches Motiv?
Ein Freund – Peter – zeigte mir eine wunderschöne Fluorit-Stufe aus Greenlaws, England. Sie fluoreszierte wunderschön im Tageslicht, ließ sich aber kaum fotografieren. Kurzerhand beschlossen wir, sie zu zeichnen. Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß. Und das Ergebnis fand ich schlussendlich so gelungen, dass ich weitermachen wollte. Jetzt möchte ich mit meinen Werken einfangen, was die Präsenz von solchen unvergleichlichen Stufen mit uns macht. Ich fand, dass ich durch das Malen eines der einzigartigsten Exemplare der Greenlaws Mine dazu beitragen konnte, die geologische Geschichte dieser Mine zu erzählen. Um dies zu verdeutlichen, habe ich „Funky Fluorite“ gemalt.
Kurz darauf malte ich eine Kampylit-Stufe – dieses Werk brachte mir in Tucson 2022 schließlich viel Aufmerksamkeit.
War das dein Durchbruch?
Der Durchbruch, wenn man es so ausdrücken möchte, kam 2023 in München bei der Sonderschau Art d’Objet der Munich Show. Ich durfte hier vier meiner Werke präsentieren. Dabei waren auch meine ersten Auftragsarbeiten. Ab da wurde es wirklich ernst – auch Museen und Sammler wurden auf mich aufmerksam und schickten mir Anfragen.
Welche Techniken verwendest du für deine Gemälde?
Grundsätzlich arbeite ich mit Acrylfarben, nicht mit Aquarellfarben. Ich baue die Bilder in Schichten auf. Besonders wichtig ist mir auch das Mischen der Farben. Zunächst erstelle ich unterschiedliche Color-Swatches, um die Farbtöne eines Minerals exakt zu treffen. Oft habe ich ein Foto, idealerweise aber auch das Originalstück vor mir als Vorlage.
Wie beginnt ein neues Bild und wie lange dauert es dann, bis es fertig ist?
Zuerst zeichne ich präzise Bleistiftumrisse – oft mithilfe eines Rasters, um das richtige Verhältnis während des Malens beizubehalten. Danach folgt dann der schrittweise Farbaufbau. Bis ein Bild fertig ist, dauert es schon etwa 150 Stunden, also rund drei Wochen. Beim Arbeiten höre ich gerne Musik – Klassik, Elektronik, Jazz, je nach Stimmung. Wichtig für die Arbeit ist vor allem gutes Licht, um die Farben der Mineralstufen gut zu erkennen und die Acrylfarben passend zu mischen.
Wie wählst du die Mineralien aus, die du malst?
Vieles kommt durch Zufall oder eben durch Aufträge. Aber ich bevorzuge immer Stücke, die optisch herausfordern. Fluorit zum Beispiel fasziniert mich besonders. Die Leuchtkraft, die Transparenz – das ist eine Welt für sich und ist wirklich schwer in einem Gemälde einzufangen.
Hast du künstlerische Vorbilder?
Christopher: Ja, definitiv. Ich habe viel aus Kunstbüchern gelernt. Caravaggio hat mich zum Beispiel in der Lichtführung beeinflusst. Aber auch klassische naturwissenschaftliche Illustrationen, etwa aus dem 19. Jahrhundert, sind für mich eine Inspirationsquelle. Ich versuche, die beiden Welten zu vereinen: klassische Komposition und wissenschaftliche Exaktheit.
Sammelst du auch selbst Mineralien?
Ja, seit Kurzem. Vor allem britische Stücke aus Cornwall oder Nordengland interessieren mich sehr. Es waren aber, wie erwähnt, die Fluorite aus der Greenlaws Mine, die mich zum Malen von Mineralstufen gebracht haben.
Wie reagieren Sammler und Besucher auf deine Arbeiten?
Die Resonanz ist sehr positiv – besonders auf Messen wie in Tucson oder München. Sammler schätzen es, wenn ein Bild die Schönheit eines Stücks noch einmal betont oder sichtbar macht, was das bloße Auge leicht übersieht. In gewisser Weise zeigt ein Gemälde eine Stufe nochmal aus einer ganz anderen Perspektive oder in einem anderen Licht.
Gab es schon institutionelle Anerkennung?
Ja, ein Print hängt im Reich der Kristalle in München. Auch das Natural History Museum in London hat eine Zusammenarbeit angefragt – ich werde eine Stufe für sie malen, worauf ich mich schon sehr freue. Allerdings darf ich noch nicht verraten, welche.
Deine Gemälde zeigen Mineralien fast immer vor schwarzem Hintergrund. Warum?
Mineralien entstehen tief unter der Erde, in völliger Dunkelheit. Meine Bilder zeigen sie „emerging from the dark“ – aus der Dunkelheit kommend. Der schwarze Hintergrund unterstreicht das. Er hebt das Objekt hervor und verleiht ihm Würde.
Auch der Mensch prägt ja die Präsentation: Reinigen, Schleifen, Präparieren – das alles ist Interpretation. Meine Bilder sind eine weitere Form davon.
Was bedeutet Geduld für Deine Arbeit?
Sie ist essenziell. Ich breche jedes Bild in Teile auf, setze mir klare Etappenziele. Nur so gelingt Präzision.
Welche Projekte stehen als Nächstes an?
Ich arbeite derzeit an mehreren Auftragswerken und an einem Werk für das Natural History Museum. Langfristig möchte ich die Darstellung von Mineralien weiter perfektionieren – neue Konzepte, neue Ideen, aber immer mit dem Ziel, die Einzigartigkeit jedes Steins sichtbar zu machen.