Im Siegerland wird auf eine mehr als 2000 Jahre währende Bergbauhistorie verwiesen. Zunächst über Pingen und Stollen. Im späteren Verlauf der Industrialisierungsära begann man mit dem Tiefbau. So entstanden Schächte, deren Teufe über 1000 m beträgt. Das geförderte Material setzte sich überwiegend aus Eisenerz zusammen. Blei, Zink, Nickel, Kupfer und Kobalt wurden als Nebenprodukte mit gefördert.Im Siegerländer-Wieder-Erz-Distrikt wurden bis zur Schließung der letzten beiden Gruben (Grube Füsseberg bei Biersdorf-Daaden und Grube Georg bei Willroth) im Jahr 1965, insgesamt 175 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert.In der Zeit des aktiven Abbaus wurden zahlreiche schöne und seltene Mineralien ans Licht gebracht. Viele Stufen wurden in private Sammlungen überführt oder befinden sich in Museen im In- und Ausland. Prächtige Stufen wie Rhodochrosit, Malachit, Lepidokrokit, Millerit und Galenit, um nur einige davon zu nennen, die wegen ihrer Größe und ihres Aussehens Aufmerksamkeit erregten, waren begehrte Sammlerobjekte. Mittlerweile sind zahlreiche alte Halden und ehemalige Betriebsgebäude von der Bildfläche verschwunden. Sie wurden abgerissen, überbaut oder rekultiviert. In den vergangenen Jahren konnte der Lokalsammler mithilfe von historischem Kartenmaterial und modernen Karten aus dem Internet, bestimmte Fundstellen ausfindig machen. Die Möglichkeiten, etwas zu finden, waren im Allgemeinen nicht besonders gut. Mit einer gründlichen Recherche zur Fundregion und etwas Ausdauer sind immer noch Funde möglich. Hier und da auch mal ein Neufund. In diesem und in den kommenden Beiträgen werden die Funde der letzten Jahre dem interessierten Leser präsentiert.
Grube Reichensteiner Berg, Reichenstein
Erythrin bildet kleine, maximal 0,2 mm große, rosafarbene Rosetten auf weißgelben Sideritkristallen. Der Alloklas konnte in seiner Paragenese als fein eingesprengtes silbriggraues Erz in Quarz eingewachsen beobachtet werden. In den Klüften des Siderits wurde neben Malachit der Chalkosin als blaue, undeutliche, matt glänzende Kristalle von maximal 0,2 mm Größe identifiziert. Die Kristalle erscheinen leicht gerundet und weisen außerdem eine für Chalkosin charakteristische Längsstreifung auf. Der Stibiconit wurde als gelblich-weiße Massen im Siderit identifiziert, als Umwandlungsprodukt des Ullmannits.
Der Rhodochrosit ist ein Mitglied der Calcit-Gruppe. Da der Siderit im Siegerland meist Mangan enthält, kommt er dort relativ häufig vor. Im Haldenmaterial der Grube Reichensteiner Berg, in Sideritdrusen neben Malachit, Pyrit und Chalkopyrit, bilden sich diese orangefarbenen, traubigen Kristalle von maximal 0,3 mm Größe.
Der Chalkophanit wurde einmal als winzige, rotbraune Täfelchen in Drusen des Brauneisensteins entdeckt. Er nimmt eine flächendeckende Füllung ganzer Drusen vor und weist zusätzlich einen bläulichen Glanz auf. Cerussit ist immer an seiner Seite. Im Brauneisenstein tritt Coronadit neben Pyrolusit auf und bildet kleine, schwarze, nadelige Büschel mit einer Größe von bis zu 0,5 mm.
Grube Fürst Moritz, Niederndorf
Im Grubenfeld „Neuer Bleiberg“ wurde im Mai 2024 in den Pingen oberhalb des Bleiberger Stollens eine kleine Silbererzparagenese gefunden.
Der Akanthit wurde in Siderit/Quarzdrusen als kleine, spitzige Kristalle auf gediegenem Silber entdeckt. Der Polybasit tritt zusammen mit den beiden anderen Mineralien in Form von metallisch glänzenden, hexagonal geformten Tafeln auf.
Grube Glanzenberg, Silberg
Im Frühjahr 2023 wurden auf den Halden des Goldberger Stollens und im Pingenfeld „Silberstern“ interessante Neuentdeckungen gemacht. Sie werden hier kurz vorgestellt. Zusammen mit Erythrin und Hörnesit formt Asbolan schwarz glänzende Kugeln oder Knubbeln, die Schrumpfrisse aufweisen. In Grauwacke/Quarz bildet Covellin blau metallisch glänzende Kristallaggregate von bis zu 1 mm Größe, neben derbem braunem Spahlerit und grünem krustigen Malachit.
Der Fund von Dundasit ist eine große Überraschung. An einer Stelle der Stollenhalde des Goldberger Stollens wurde eine Schicht freigelegt, die eine große Menge rotbrauner limonitisierter Grauwacke enthielt. Die rotbraune Färbung deutet aus der Verwitterung von Sphalerit. Es deutet darauf hin, dass auch sekundäre Zinkmineralien vorhanden sein könnten. Beim Aufschlagen der Gesteinsbrocken konnten neben nadeligen und prismatischen weißen Cerussitkristallen viele weiße Kügelchen beobachtet werden. Zunächst wurde der Verdacht auf Hydrozinkit gelenkt.
Eine nachfolgend durchgeführte EDX-Analyse ergab zweifelsfrei das Ergebnis Dundasit. Dundasit stellt weiße, feinfasrige, radialstrahlige Kugeln von bis zu 0,5 mm Durchmesser her. Eine Stufe mit einer Breite von etwa 14 cm ist großzügig mit diesem Zinkcarbonat versehen. Smithsonit konnte ebenfalls als Begleiter beobachtet werden. Dieses Mineral ist im Siegerland nur von der Grube Marie bei Wilnsdorf und der Grube Grüne Hoffnung bei Burbach bekannt. Die Autoren Golze, R.; Henrich, M.; Hucko, S.; Stötzel, N. (2012): Siegerland & Westerwald. Bergbaugeschichte – Mineralienvorkommen – Fundstellen, charakterisierten den Dundasit von dort als weiße, büschelartig gruppierte Nadeln auf und neben Cerussit mit einer Größe von bis zu 0,5 mm. Die Qualität sowie die Anzahl der gefundenen Dundasit-Kugeln sind für die Region Siegerland ohnegleichen. Der Hydrocerussit kommt im Haldenmaterial der Grube Glanzenberg viel seltener vor als der Cerussit.
Er bildet dünntafelige, blättrige Kristalle in einer weiß-gelblichen Farbe. Die meisten Kristalle sind undeutlich ausgebildet.
Der Hydrocerussit weist an manchen Stellen eine Transparenz und einen trigonalen Habitus auf. Linarit entwickelt sich als längliche, dunkelblaue Kristalle von bis zu 0,3 mm in Hohlräumen innerhalb des Limonits. Wenn sie auf hochglänzenden, spitz zulaufenden Cerussit-Kristallen sitzen, bilden die blauen Linarit-Kristalle einen schönen farblichen Kontrast. Es gibt einen Fund von Mimetesit in den Pingen des Silberstern-Grubenfelds. Er bildet weiße nadelige Kristallgarben auf einer Limonit/Quarz-Matrix und wird von kleinen, gelben Segnitit-Kristallen zuckerartig überwachsen. Kristallgarben sind selten größer als 1 mm. Minium, ein Bleioxyd, bildet auf Limonit rote Krusten und Ablagerungen, begleitet von Cerussit und Smithsonit. Oxyplumboroméit tritt zusammen mit Malachit, Linarit und Cerussit auf und bildet kanariengelbe Massen sowie kugelige Krusten. In einem Siderit-Gangstück wurde eine Druse beobachtet, die scheinbar von ehemaligen Siderit-Kristallen ausgekleidet ist. Die angeblichen Siderit-Kristalle unterliegen bereits einer pseudomorphen Umwandlung zu Rhodochrosit und weisen bei höherer Vergrößerung viele kleine, gelbliche, leicht rosafarbene, spitz zulaufende Skalenoeder auf. Das Bleieisenarsenat Segnitit bildet kleine gelbe Kristalle mit lebhaftem Glanz, die krustenartig Mimetesit-Kristalle überziehen. Smithsonit, ein Zinkcarbonat, wurde zusammen mit Dundasit und Cerussit beobachtet. Er bildet weiße bis farblose, traubenförmige Kristalle auf Limonit und überzieht flächenhaft Cerussit-Kristalle.
Grube Bohlszeche, Brachbach
Im oberen Bereich des Wernsbergtals liegt ein kleiner Stollen, der direkt in ein schmales, auf Eisen verliehendes Grubenfeld führt.
Im Sommer 2025 wurden auf der Stollenhalde einige schöne Glaskopfstufen sowie einige sehr gute Exemplare des im Siegerland nicht allzu oft vorkommenden Lithiophorits gefunden. Der Glaskopf bildet schwarze, hochglänzende kugelige Aggregate, die Flächen und/oder Drusen von mehreren Zentimetern Größe bedecken.
Der Bruch offenbart einen braunen radialstrahligen Aufbau.
Der Lithiophorit weist, ebenso wie der Glaskopf, eine kugelige Struktur auf. Blaugrau ist seine Farbe, wobei er teils im frischen Zustand silbrig glänzt.Auf der Limonit/Glaskopf-Matrix bildet der Hydrohämtit kleine, hochglänzende schwarze Kügelchen.
Grube Vereinigte Henriette, Niederschelden
Im Frühjahr/Sommer 2022 wurde in den Knorrenberger Pingen ein weltweit äußerst seltenes Kupferphosphat entdeckt: der Ludjibait. Das war nicht nur für die Siegerländer Verhältnisse außergewöhnlich. Im Jahr 1995 wurde der Ludjibait erstmals im Siegerland von den Autoren Günter Blaß, Hans Werner Graf und Matthias Reinhardt als weltweit dritter Fundort von der Grube Käusersteimel in Kausen beschrieben. (Blaß, G., Graf, H.W. & Reinhardt, M. (1995). Die frühere Grube „Käusersteimel“ im Siegerland – der dritte Fundort des Kupferphosphats Ludjibait. Min.-Welt, Jg.6, Nr.5, S.11-15.)
Ludjibait wurde erstmals in der Lagerstätte Ludjiba am Ludjiba-Fluss und den gleichnamigen Bergen in der Haut-Katanga-Provinz der Demokratischen Republik Kongo entdeckt, nahe Shinkolobwe. Die Erstbeschreibung erfolgte 1988 durch den belgischen Kristallographen Paul Piret und den Mineralogen Michel Deliens. Das Mineral wurde nach seiner Typlokalität Ludjiba benannt.
Bisher wurden im Gebiet der Knorrenberger Pingen nur Eisen-und Manganmineralien gefunden. Als kleine grüne Kugeln im Brauneisenstein sichtbar wurden, war das etwas verwunderlich. Nicht alles, was grün ist, ist Malachit, dachte der Verfasser. Das Stück wurde so verpackt und nach Hause mitgenommen.
Beim späteren Mikroskopieren stellte sich heraus, dass es sich hierbei nicht um Malachit handeln kann. Die grünen Kugeln haben einen Durchmesser von bis zu 0,5 mm und zeigen einen bläulichen Farbstich. Einige kugelige Aggregate weisen zum Teil Oberflächenstrukturen auf. Die Überlegung fiel auf Pseudomalachit.
Eine EDX- und REM-Analyse, die von Günter Frenz in Köln durchgeführt wurde, ergab, dass es sich hierbei um Ludjibait handeln könnte.
Eine XRD-Analyse wurde anschließend bei Joy Desor in Wehrheim durchgeführt.
Auch diese Analyse konnte das Ergebnis bestätigen. Damit stand fest, dass es „Ludjibait“ war.
Eine weitere Überraschung betrifft den Fund von gediegenem Wismut.
Beim Zertrümmern eines Quarzbrockens sind auffällige, gelblich-grüne Krusten zum Vorschein gekommen. Außerdem war etwas Erz zu sehen. Weitere Untersuchungen haben ergeben, dass die gelb-grünen Krusten Bismutit sind. Das ged. Wismut wurde durch EDX eindeutig identifiziert. Es bildet idiomorphe, eingewachsene Kristalle in Quarz, die zudem eine metallisch gelbe Farbe aufweisen. Die einzelnen Kristalle sind selten größer als 0,2 mm. Langgestreckte Erzeinlagerungen stellen Verwachsungen zwischen ged. Wismut und einem nicht näher bestimmten Mineral dar.
Danksagung
Mein Dank gilt Frau Renate Dreier aus Herdorf für die Durchsicht und Korrektur meines Manuskripts. Ich danke auch Herrn Günter Frenz aus Köln und Herrn Joy Desor aus Wehrheim für die zahlreichen Analysen meiner Proben. Der Artikel wäre ohne ihre Unterstützung nicht in dieser Form möglich gewesen.