Mineralica 2025-4

Gold­kris­tall­mor­pho­logie: Die Sammlung Otmar Wallenta

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Mark Mauthner & Otmar Wallenta (2025): Goldkristallmorphologie: Die Sammlung Otmar Wallenta. Mineralica 2025-4, S. 14–37.

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Mark Mauthner & Otmar Wallenta (2025): Goldkristallmorphologie: Die Sammlung Otmar Wallenta. Mineralica online, Dezember 2025. https://mineralica.com/a/9m7a9o (abgerufen am 13. Oktober 2026)

Gold bildet nur selten einfache Einzelkristalle. Mark Mauthner und Otmar Wallenta zeigen an einer systematisch aufgebauten Sammlung die natürlichen Kristallformen des Goldes – vom Oktaeder bis zum Draht.

Abb. 1a Eine Gruppe von tetrahexaedrischen Goldkristallen; Höhe 0,8 cm. Icabaru, Gran Sabana, Bolivar, Venezuela. Sammlung Otmar Wallenta, Foto Mark Mauthner.

Viele Sammler sammeln Mineralien nach dem Prinzip „Was mir ins Auge fällt“, während andere ein bestimmtes Ziel für ihre Sammlung vor Augen haben. Einer der Autoren (O.W.) hat viel Mühe und Ressourcen in den Aufbau einer Sammlung von Goldstufen investiert, die die Formen darstellen, die Kristalle dieser Art annehmen können, insbesondere aber Exemplare, die eine einzige, einfache Form aufweisen. Das Ziel einer solchen Sammlung ist es, auf reale statt auf theoretische oder idealisierte Weise die Formen zu illustrieren, in denen Gold vorkommt. Dieser Artikel dokumentiert die außergewöhnliche kristallographische Sammlung von Goldkristallen, mit Schwerpunkt seltene Einzelkristalle.

Gold

Die Zeilen und Spalten des Periodensystems sind nicht zufällig. Zwar hat jedes Element tatsächlich einzigartige Eigenschaften, doch kann es einige seiner individuellen Eigenschaften mit anderen Elementen gemeinsam haben, und diese gemeinsamen Eigenschaften spiegeln sich in der Anordnung des Periodensystems wider. Gold gehört zusammen mit Kupfer, Silber und Blei zur Kupfergruppe der metallischen Elemente, da sie dieselbe Kristallstruktur (innere Anordnung der Atome) aufweisen. Sie kristallisieren in der von Mineralogen als holoedrisch bezeichneten Klasse (mit dem höchsten Symmetriegrad) des isometrischen Systems: der hexaoktaedrischen Klasse. In der Kristallografie wird diese Klasse mit 4/m 3̅ 2/m oder sogar m 3̅ m bezeichnet, was die enthaltenen Symmetrieelemente zusammenfasst: 4-fache Achsen mit senkrechten Spiegelebenen, 3-fache Inversionsachsen und 2-fache Achsen mit senkrechten Spiegelebenen. Sechzehn kristallographische Formen wurden auf Goldkristallen festgestellt, die in sieben Arten von Formen gruppiert werden können: das Hexaeder (Würfel), das Oktaeder, das rhombische Dodekaeder, das Tetrahexaeder, das Deltoidikositetrader (Trapezoeder), das Trisoktaeder und das Hexoktaeder. Von den sechzehn können nur sechs als häufig angesehen werden: a{100}, o{111}, d{011}, e{012}, m{113} und x{1.10.18} (vgl. Francis 2004). Einfache Formen, bei denen nur eine Form existiert, sind eher selten; die meisten Goldkristalle weisen zwei oder mehr Formen in Kombination auf.

Abb. 1b Gold-Pseudodrähte mit unter anderem flachen oktaedrischen Flächen; Höhe: 1,8 cm. Aouint Ighoman, Provinz Assa-Zag, Region Guelmim-Oued Noun, Marokko. Sammlung Otmar Wallenta, Foto Mark Mauthner.

Die beigefügten Kristallstrichzeichnungen stammen aus dem „Atlas der Kristallformen“ von Victor M. Goldschmidt aus den frühen 1900er Jahren, einem deutschen Mineralogen, der die bis dahin bekannten Kristallzeichnungen der meisten Arten in einem 9-bändigen Werk zusammengestellt hat (Goldschmidt 1918). Man muss wissen, dass bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der wichtigsten Methoden zur Identifizierung von Mineralkristallen darin bestand, ihre Grenzflächenwinkel mit einem Goniometer zu messen. Die heute weit verbreitete Anwendung der Röntgenbeugung (XRD) zur Untersuchung der inneren Struktur von Kristallen steckte noch in den Kinderschuhen, als Goldschmidt (1918) sein monumentales Werk vorlegte, das nicht nur die Kristallzeichnungen selbst, sondern auch Textbände mit Quellenangaben und begleitenden Tabellen der Grenzflächenwinkel enthält und die Gesamtheit der bis dahin für diese Analysemethode vorliegenden Daten darstellt – eine Referenzbibliothek, mit der zukünftige Winkelmessungen verglichen werden können.

Goldkristalle können sehr komplexe und verwirrende Formen aufweisen. Hoffentlich kann diese Zusammenfassung zur richtigen Identifizierung der Formen beitragen, die auf einem bestimmten Exemplar vorhanden sind.

Die Namen für die Kristallformen kommen hauptsächlich aus der griechischen Sprache und beinhalten dabei oft Flächenzahlen und Form und enden zumeist auf die Silbe -eder (griechisch – hedron).

In dieser Arbeit haben einfache Formenbezeichnungen Vorrang. Trotzdem sollen erweiterte Wortschöpfungen nicht unerwähnt bleiben.

So ist in der Literatur z.B. das Trisoktaeder auch unter der Bezeichnung Triakisokteder bekannt.

Abb. 2 Diese Zeichnung zeigt die sieben Kristallformen der holoedrischen (hexoktaedrischen) Klasse des isometrischen Systems. Die drei Formen, die die Eckpunkte des Dreiecks einnehmen, haben feste Miller-Indizes: das Oktaeder {111} oben, der Würfel {100} unten links und das Dodekaeder {011} unten rechts. Diejenigen mit variablen Indizes nehmen die Kanten und die Mitte ein: die Trapezoeder an der linken Kante (von oben nach unten: {334}, {112}, {113}); die Tetrahexaeder (von links nach rechts: {034}, {012} und {014}) entlang der Unterseite, die Trisoktaeder (von oben nach unten: {344}, {122} und {144}) entlang der rechten Kante und das Hexoktaeder (nur {123} abgebildet) in der Mitte. Trisoktaeder wurden bisher noch nicht bei Gold gefunden. Die Zeichnung wurde von R. Peter Richards entworfen und gezeichnet und erschien ursprünglich in Francis (2004).

1 Einfache Grundformen

1.1 Oktaeder – o{111}

Die häufigste Form von gut kristallisiertem Gold ist das achtseitige Oktaeder. Einfache Oktaeder sind weltweit selten. Flache, blattartige Aggregate sind in der Regel das Ergebnis eines parallelen Wachstums, erkennbar an den vielen Flächen, die eine gewisse Dreieckigkeit aufweisen und gleichzeitig reflektieren, wenn das Exemplar gekippt wird. Ein Großteil des dünnen, flachen „Blattgolds” ist das Ergebnis extrem entwickelter oktaedrischer Flächen, was durch die häufig auf ihnen zu beobachtenden dreieckigen Wachstumshügel belegt wird. Einige scheinbar glatte Blätter gehen an ihren Rändern allmählich in deutlich entwickelte, parallele Oktaeder über. Oktaedrische Kristalle sind häufig trichterförmig, eine Eigenschaft, die später in diesem Artikel näher erläutert wird.

Abb. 3 Goldoktaeder; Links: Breite: 0,4 cm. Irish Gulch, Dawson City, Klondike River Drainage, Dawson Mining District, Yukon, Canada Sammlung Otmar Wallenta, Foto Mark Mauthner.

1.2 Hexaeder (Würfel) – a{100}

Wie der Name schon sagt, hat das Hexaeder, besser bekannt als Würfel, sechs gleich große Flächen. Wie das Oktaeder sind einfache Würfel in der Natur eher selten anzutreffen, und diese Form kommt meist in Kombination mit anderen Formen vor, insbesondere mit dem Oktaeder.

Abb. 4 Gestapelte (parallel gewachsene) Würfel; Länge: 2,2 cm. Yuah Creek, Provinz East Sepik, Papua-Neuguinea. Foto Michael Reicht.
Abb. 5 Einfacher Würfel; Kantenlänge 0,7 cm. Irish Gulch, Klondike River Drainage, Dawson City, Dawson Mining District, Yukon, Kanada. Sammlung Otmar Wallenta, Foto Mark Mauthner.

1.3 Rhombendodekaeder – d{011}

Das Dodekaeder hat zwölf rhombische Flächen und kommt als einfacher Kristall nur sehr selten vor. Dodekaedrische Flächen finden sich eher in komplexen Zwillingen, die häufig zahnartige Kristalle bilden, die allzu oft fälschlicherweise als „längliche Oktaeder“, als kunstvolle „Fischgrätenplatten“ oder als dünne „Pseudodrähte“ beschrieben werden.

Abb. 6 Ein äußerst seltenes einfaches Golddodekaeder; Breite: 0,2 cm. Dominion Creek, Indian River Drainage, Yukon, Kanada. Sammlung Otmar Wallenta, Foto Mark Mauthner.

1.4 Tetrahexaeder (Pyramidenwürfel) – {0kl}

Tetrahexaeder sind ein Beispiel für eine Form, bei der die Miller-Indizes variieren können. Diese Form ist im Wesentlichen ein Würfel, bei dem jede der sechs Flächen aus einer vierseitigen Pyramide besteht und die Variabilität von k und l die „Steilheit“ dieser Pyramiden ausdrückt. In Goldschmidt (1918) sind vier Varianten aufgeführt, nämlich e{012}, f{013}, h{014} und k{025}. Die einzige häufige Variante ist e{012}. Die tetrahexaedrische Form ist in der Regel schwer zu erkennen, insbesondere wenn die Kristalle nicht gleichmäßig gewachsen sind oder durch Verzwillingung komplex sind.

Abbildung 1a am Anfang des Artikels zeigt eine komplexe Gruppe von tetrahexaedrischen Kristallen.

Abb. 7 Ein sehr feines und seltenes einzelnes, einfaches Tetrahexaeder; Kantenlänge 0,4 cm. Icabaru, Gran Sabana, Bolivar, Venezuela. Sammlung Otmar Wallenta, Foto Mark Mauthner.

1.5 Deltoidikositetraeder (Trapezoeder) – {hhl}

Wie das Tetrahexaeder ist auch das Trapezoeder eine Form mit vierundzwanzig Flächen und unterschiedlichen Winkeln. Gold kommt nur in der Form m{113} vor, während n{112} bei Granat sehr häufig ist. Diese Information ist nützlich, um festzustellen, ob ein Kristall nach einem Granatmodell gegossen wurde. Diese Form ist (historisch) auch als tetragonales Trisoktaeder bekannt.

In Mineralica 2025-4

Dieser Artikel steht auf den Seiten 14–37. Die ersten 2 Seiten können Sie frei durchblättern.

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