Mineralica 2024

Grube Wolf: Ein berühmter Fundort für Rhodochrosit

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Markus Henrich & Matthias Reinhardt (2024): Grube Wolf: Ein berühmter Fundort für Rhodochrosit. Mineralica 2024, S. 6–15.

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Markus Henrich & Matthias Reinhardt (2024): Grube Wolf: Ein berühmter Fundort für Rhodochrosit. Mineralica online, Oktober 2024. https://mineralica.com/a/mz9312 (abgerufen am 31. Oktober 2026)

Die Grube Wolf bei Herdorf im Siegerland ist weltbekannt für ihren himbeerroten Rhodochrosit, den „Himbeerspat“. Markus Henrich und Matthias Reinhardt erzählen die Geschichte der Grube und stellen ihre Mineralien vor.

Es sind Rhodochrosite wie dieser, die Bergleute früher veranlasste dieses Mineral auch Himbeerspat zu taufen. Es zählt zu einem der absoluten Klassiker deutscher Mineralien. Bildbreite 11 mm. Sammlung Norbert Stötzel, Foto Matthias Reinhardt.

Das ehemalige Eisenerzrevier Siegerland-Wied gehört nicht nur zu den ältesten Bergbauregionen in Deutschland, es ist auch seit Jahrhunderten ein klassisches Fundgebiet für schöne und seltene Mineralien. Das bekannteste Mineral dürfte wohl der Rhodochrosit darstellen. Es sind allen voran die Stufen aus der Grube Wolf bei Herdorf im Siegerland, welche einen besonderen Blickfang in vielen bedeutenden Sammlungen dieser Welt darstellen und als Abbildungen zahlreiche Fachbücher zieren. International sind mittlerweile andere Fundorte bekannt, die größere und auch prächtigere Stufen geliefert haben. Dennoch zählen die Rhodochrosite aus der Grube Wolf nach wie vor zu den begehrten Klassikern. Sie sind gesuchte Raritäten und werden zu hohen Preisen gehandelt.

Ein „Spätzünder“ mit wechselhafter Geschichte

Beim Studium der historischen Publikationen über Siegerländer Mineralien des 18. und 19. Jahrhunderts fällt auf, dass der Rhodochrosit aus der Grube Wolf nirgends erwähnt wird. Zwar werden die ebenfalls sehr schönen Rhodochrosit-Funde von anderen Siegerländer Bergwerken wie Ohliger Zug, Frauenberger Einigkeit und Louise genannt, doch es finden sich keine Hinweise auf die prächtigen Kristallstufen aus der Grube Wolf, die heute weltweit in Sammlungen verbreitet sind. Erst Rudolf Nostiz lieferte 1912 eine erste ausführliche Beschreibung.

Die späte Beschreibung der Grube Wolf liegt daran, dass sie unter den teils seit dem späten Mittelalter namentlich bekannten Siegerländer Bergwerken eine Art „Spätzünder“ war. Vermutlich kannte man die zu Tage ausstreichenden Eisenerzgänge im Gebiet südöstlich von Herdorf schon lange, doch erst 1834 begann man, die Vorkommen mit einem oberflächennahen Stollen zu erschließen. Aber scheinbar ohne nachhaltigen Erfolg; so wird die Grube 1885 von Alfred Ribbentrop in der Beschreibung des Bergreviers Daaden-Kirchen lediglich als Eintrag im Bergwerksverzeichnis aufgeführt. Das lässt darauf schließen, dass bis zu diesem Zeitpunkt hier keine aufwändigen bergbautechnischen Arbeiten stattgefunden haben. Doch das sollte sich rasch ändern: Schon 1890 begann man, die Lagerstätte über einen Maschinenschacht in größeren Teufen zu untersuchen. Die Ergebnisse waren offenbar so vielversprechend, dass die Grube in den folgenden Jahren weiter ausgebaut wurde.

1917 erwarb die Firma Krupp aus Essen, die zu jener Zeit schon im Besitz zahlreicher anderer Siegerländer Bergwerke war, die Herdorfer Grube und baute die Anlagen weiter aus. Doch trotz recht guter Förderzahlen zwang die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage nach dem 1. Weltkrieg die Betreiber 1925 zur Einstellung des Betriebs. Erst 1937, kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs, wurde die Grube Wolf wieder aufgewältigt und sollte fortan stabil in Förderung stehen. Allerdings führten die Kriegseinwirkungen im Jahr 1945 schon bald zur nächsten Betriebseinstellung.

Erst 1953/54 gingen die Lichter wieder an – diesmal allerdings als Verbundanlage mit der benachbarten Grube San Fernando, die ebenfalls gegen Ende des Krieges zum Erliegen gekommen war. Der Schacht von San Fernando wurde nun zum zentralen Förderschacht ausgebaut und beide Gruben wurden untertage miteinander verbunden. Mit einer Belegschaft von zeitweise 670 Bergleuten förderte man täglich rund 750 t Roherz. 1962 waren die abbauwürdigen Erzreserven ausgebeutet, der Betrieb war unrentabel und wurde endgültig stillgelegt. Die Verbundgrube San Fernando – Wolf erreichte eine Gesamtteufe von 930 m.

Kumpel (wie Bergleute auch genannt werden) untertage an der letzten Sohle der Grube Wolf. Archiv Josef Dreier.
Bergleute beim Abbau im Firstenstoßbau. Eine Abbauweise bei der von unten nach Oben der steil stehende Erzgang abgebaut wird, während die Bergleute auf dem Versatz stehen. Archiv Josef Dreier.

Bis zum Anschluss an San Fernando hatte die Grube Wolf etwa 1,25 Mio. t Eisenerz gefördert; die Gesamtförderung der Grube San Fernando wird auf rund 6 Mio. t Erz geschätzt. Der Förderturm der Grube Wolf thronte noch ein Jahrzehnt lang auf dem Höhenrücken über dem Hellertal und galt als eines der letzten Wahrzeichen des in den 1960er-Jahren ganz eingegangenen Siegerländer …

In Mineralica 2024

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