Michael Loidl (2024): Überraschender Seeigelfund am Haunsberg bei Salzburg. Mineralica online, 17. Mai 2024. https://mineralica.com/a/6n8z9x (abgerufen am 15. Oktober 2026)
In der Nähe von Salzburg gelang eine spektakuläre Aktion: Inmitten einer steilen Felswand konnte ein außergewöhnliches Fossil geborgen werden.
Foto Bettina Brandstätter.
Bei St. Pankratz in Nussdorf am Haunsberg liegt ein verwachsener Steinbruch. Seinerzeit wurde Sandstein abgebaut. Die in der geologischen Decke des Helvetikums1 gelegenen Aufschlüsse, lieferten in der Vergangenheit teils spektakuläre Funde von Versteinerungen aus einem Tropischen Meer.
Nahe dem alten Steinbruch befindet sich der Geopfad St. Pankratz - Kroisbachgraben, dort wird auf mehreren Schautafeln anschaulich über die Geologie und die Fossilien berichtet. Der sehenswerte Geopfad beginnt am Parkplatz unterhalb der St. Pankratz Kirche.
Übersichtskarte über den nördlichen Abhang des Haunsberges mit dem eingezeichneten Steinbruch Foto BEV - Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (CC BY 4.0).
In der Umgebung des Steinbruches gibt es stellenweise auch heute noch die Möglichkeit in den Schichten des Eozäns2 fündig zu werden. Freilich waren die Fundmöglichkeiten in der Zeit als der Steinbruch noch in Betrieb stand ungleich größer, aber folgende Geschichte zeigt das es sich lohnen kann, auch in alten Gebieten immer wieder Nachschau zu halten.
Funde aus vergangenen Tagen. Versteinerte Muscheln wie diese waren gut zu finden. Foto Bettina Brandstätter.Sogar Haifischzähne bis 3cm Größe konnten wir finden. Foto Bettina Brandstätter.
Im Spätherbst 2020 machten Betti und ich einen Spaziergang in der herbstlichen Landschaft des Haunsbergs (St. Pankraz, Nussdorf, Salzburg).
Wie es bei Sammlern so ist, besuchten wir im Vorbeigehen auch einige der alten Fundstellen. Man weiß ja nie ob irgendwo durch die Erosion ein paar Brösel freigelegt würden.
Überraschenderweise sah ich in mehreren Metern Höhe, in einer Senkrechten Wand, eine sich vom Nebengestein deutlich abhebende Struktur.
Nach Beurteilung von Betti müsste es sich um den Teil eines Seeigels handeln, der wohl durch Frostsprengung aus dem Sandstein freigelegt wurde. Auch nach mehreren Versuchen gab es leider gab es keine Chance die Stelle in der glatten Wand zu erreichen.
Nach einigen Beratschlagungen war der Entschluss gefasst... "was solls, ich fahr heim und hol das Seil- und Werkzeug, das schafft dann Gewissheit" Eine Stunde Später war ich voll ausgerüstet wieder an der Fundstelle und suchte mir einen Baum für die Seilsicherung.
Ich seilte ich mich vorsichtig die Feslwand vom Steinbruch und begutachtete die verdächtige Struktur aus nächster Nähe. Foto Bettina Brandstätter.Es war klar; hier steck ein Fossil im Fels und ich bekann damit es vorsichtig frei zu meißeln. Foto Bettina Brandstätter.
An der verdächtigen Stelle angekommen begann ich die Struktur vorsichtig freizustemmen. Nach ca. 20 Minuten war klar, dass es wirklich ein Seeigel, noch dazu in beachtlicher Größe, war. Und er schien Komplett erhalten zu sein!
Die Seeigel ist nun deutlich vom umgebenden Fels zu unterscheiden. Foto Bettina Brandstätter.Zentimeter für Zentimeter meißelte ich den umgebenden Fels vorsichtig weg. Foto Bettina Brandstätter.
Die Bergung ging im mürben Sandstein relativ einfach vonstatten und kurz danach hatte ein ca. 15cm durchmessender Fossiler Seeigel vom Eozän des Haunsbergs den Weg in unsere Sammlung gefunden!
Die Freude war riesig!
Dieser Fossiler Seeigel mit einem Durchmesser von 15cm konnte geborgen werden. Foto Michael Loidl.Ein Glück! Der Seeigel ließ sich unbeschädigt aus dem Fels befreien und hat eine beachtliche Größe. Foto Michael Loidl.
Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung der Lungauer Stoafexn erstellt.
Anmerkungen
1. Helvetikums: Das Helvetische System, auch kurz Helvetikum ist zusammen mit dem Ultrahelvetikum eines der großen geologischen Deckensysteme der Alpen. ↩
2. Eozäns: Das Eozän begann vor etwa 56 Millionen Jahren und endete vor etwa 33,9 Millionen Jahren ↩
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