Mineralica 2024

Historischer Amethyst-Fund am Saurüssel

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Martin Grüll (2024): Historischer Amethyst-Fund am Saurüssel. Mineralica 2024, S. 34–44.

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Martin Grüll (2024): Historischer Amethyst-Fund am Saurüssel. Mineralica online, Oktober 2024. https://mineralica.com/a/mz1036 (abgerufen am 18. Oktober 2026)

Im Sommer 1976 machten Erika und Rudolf Planitzer am Saurüssel im Zillertal einen Jahrhundertfund: Zepter- und Fensteramethyste in hundertfacher Ausfertigung. Martin Grüll erzählt die Geschichte nach Erikas Tagebuch.

Einer der wohl schönsten Zepteramethyste, die am Saurüssel im Zillertal gefunden wurden. Mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Kristall und Matrix zeigt das Zepter eine bilderbuchgleiche Ausprägung und eine schöne Farbe. Es ist 8 cm hoch. Foto Martin Grüll.

Das Zillertal in Tirol in den österreichischen Alpen zweigt etwa 40 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Innsbruck vom Inntal ab. Seinen Namen verdankt es dem Fluss Ziller; umgeben wird es von den Tuxer und Kitzbühler sowie den Zillertaler Alpen. Die einst unberührte wunderschöne Landschaft ist vielerorts vom Massentourismus geprägt, der aber neben Viehzucht, Milch- und Forstwirtschaft den wichtigsten Wirtschaftszweig der Region darstellt.

Historisch lassen sich erste Besiedelungen bis in die Bronzezeit zurückverfolgen (1200 bis 800 v.Chr.). Urkundlich wurde das Tal erstmals 889 n. Chr. erwähnt, als es im Besitz der Erzbischöfe von Salzburg war.

Unter Sammlern ist das Tal schon seit alters her für Amethyst, Eisenrosen, Bergkristall, Granat und Diopsid bekannt – nur um eine unvollständige Auflistung der wichtigsten Mineralien zu nennen. Neben vielen anderen bekannten Fundstellen ist für diesen Artikel der Große Mörchner von Bedeutung – ein 3285 m hoher und wegen seiner bis zu 800 m hohen Felswände imposanter Berg in den Zillertaler Alpen.

Foto Martin Grüll.

Welcher Alpinsammler träumt nicht davon, einmal einen schönen Amethyst-Zepter aus dem Zillertal in seine Vitrine stellen zu dürfen? Beim Linzer Sammlerehepaar Erika und Rudolf Planitzer hat sich dieser Traum vor Jahrzehnten erfüllt – und das gleich in hundertfacher Ausfertigung. Matrix-Stufen, Einzelkristalle und Kristallgruppen füllen die Regale einer ganzen Vitrine und stehen dabei so dicht, dass kaum ein Blatt dazwischen passt. Und was die Angelegenheit noch spannender macht, ist die Tatsache, dass es sich um Eigenfunde handelt.

Das Ehepaar interessiert sich schon seit langer Zeit für Mineralien. Rudolf bereits seit Kindesbeinen an; Erika ist seit ihrer Jugend sowohl von Botanik als auch von Mineralogie und Geologie fasziniert. Gemeinsam unternehmen sie Sammelreisen nach Namibia, in die Toskana, nach Deutschland und in die österreichischen Alpen. Zu ihrer Hochzeitsreise im Jahre 1962 verschlägt es die beiden in das legendäre Smaragdfundgebiet des Habachtals. Sechs Jahre später bereisen sie zum ersten Mal das Zillertal, wo wohl der Fund ihres Lebens auf sie warten wird.

Erika Planitzer hat mir für diesen Artikel ihr persönliches Tagebuch zur Verfügung gestellt. In diesem dokumentiert sie bis ins kleinste Detail jenen Fund, der im Artikel beschrieben wird. Um noch besser die Emotionen bei der Suche nachzuempfinden, sind im Folgenden Ausschnitte aus Ihrem Tagebuch zu lesen. Mit ihren Zeilen, Fotos und Zeichnungen lässt sich auch nach 48 Jahren nicht nur ein genaues Bild des Fundes, sondern auch der Eindrücke und Gedanken der Finder nachzeichnen. Wegweisend für die damalige Zeit, hatten die beiden bereits 1976 die Wichtigkeit einer genauen Dokumentation für die Wissenschaft und die interessierte Fachgemeinde erkannt.

Eigentlich waren die Zeichen am 25. Juli 1976 bereits auf Abreise gestellt. An jenem Tag trafen die Planitzers im Zillertal ein, aber aufgrund des schlechten Wetters war bereits ein Abbruch der Unternehmung zur Diskussion. Doch zu groß ist die Begeisterung, wieder nach Mineralien zu suchen. So beschließen sie gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar aus Linz, das schlechte Wetter abzuwarten. Der darauffolgende Tag brachte leider keine Besserung, erst am Dienstag, den 27. Juli, lichtete sich der Nebel und die Temperaturen stiegen. Die kleine Gruppe stieg bis zur Berliner Hütte auf, doch der darauffolgende Tag sorgte durch Nebel und etwa 10 cm Schnee für erneut schwierige Bedingungen. Trotzdem begannen Erika, Rudolf und ihr Freund Hermann mit ersten Strahler-Tätigkeiten auf dem, neben der Edelweißklamm gelegenen, Saurüssel.

Markierung der Fundstelle auf dem Saurüssel. In unmittelbarer Umgebung der Kleine- und der Große Mörchner. Foto Martin Grüll.
Sammlung und Foto Maximilian Schiller.
Ein gefensterter Amethyst aus einem historischen Fund. Verkauft vom Münchner Händler Willy Hirsch, beschreibt das Etikett einen Amethystkristall als “selten schönen doppelendigen Skelettkristall” mit 6,5 x 3 cm vom Rothenkopf im Zillertal. Sammlung Maximilian Schiller, Foto Martin Grüll.

»Kleine Amethystsplitter und Bergkristalle gefunden. Vielleicht sollte man bei besserem Wetter nochmal nachschauen! – “Verdächtig“. Weiter Richtung Mörchnerkar. Beim ersten Steinmanderl schon in tiefem Schnee gestapft. Am späteren Nachmittag Rückmarsch zur Hütte. Sehr magere Mineralienfunde, aber großartige, tiefwinterliche Landschaft.«

Weitere zwei Tage später besserten sich die Bedingungen und strahlender Sonnenschein begleitete das Strahlertrio bei ihren Aktivitäten. Rudolf und Hermann hatten bereits im Vorjahr eine kleine Kluft entdeckt, mit langen Klufteisen und einigem Aufwand konnten sie diese vergrößern und tiefer in den Berg eindringen. Diese Mühe wird auch tatsächlich mit einem ersten doppelendigen Amethyst belohnt. Erika arbeitet nicht an dieser Kluft, hinterlässt aber folgenden Eintrag in ihrem Tagebuch:

»Habe zwischen sonnen und essen etwas herum prospektiert, unter anderem auch links (Richtung talabwärts), gleich neben einem großen alten Loch. Es war hier lauter lockerer, schwarzer Biotit – “wie Mohn“ und einige derbe, weiße Quarze. Ich spielte halt ein wenig weiter und legte einen kleinen Hohlraum frei. Ich sagte noch nichts. Schlief schließlich auf meinem Pickel sitzend bei meiner Arbeitsstelle ein.«

Zum Abschluss des Tages wurden die Funde geteilt, die ersten Erfolge weckten die Faszination von Neuem und motivierten die Sammler zu weiteren Arbeiten. Der Abend wurde mit gutem Essen und ein paar Gläsern Rotwein beschlossen.

Während die beiden Männer am nächsten Tag an ihrer Kluft weiter arbeiteten, widmete sich Erika ihrer eigenen Fundstelle. Laut ihren Aufzeichnungen ist es 11 Uhr, als sie Rudolf bei weiteren Stemmarbeiten um Hilfe bat. Zunächst stießen sie nur auf derben Quarz, doch die Stelle begann immer mehr interessante Anzeichen zu liefern und so beteiligte sich bald auch Hermann an den Arbeiten. Und dann blitzten die ersten Amethyst-farbigen Kristallflächen im Sonnenlicht und ein trichterartiger Hohlraum, der vollständig mit Kristallen ausgekleidet war, öffnete sich. Mit folgenden Worten lässt Erikas Eintrag den Moment auch heute noch lebendig werden:

»Ich holte mit den Fingern laufend Kristalle aus der Kluft. Es war toll, unglaublich und aufregend. Wunderbare Dinge bargen wir. Abends wurde alles aufgelegt und dann geteilt.«

Am darauf folgenden 31. Juli gibt es kein Halten mehr, bereits in den frühen Morgenstunden schreiten die Arbeiten am Kluftsystem voran. Dieses zieht sich steil nach rechts unten und die Funde mehren sich. …

In Mineralica 2024

Dieser Artikel steht auf den Seiten 34–44. Die ersten 2 Seiten können Sie frei durchblättern.

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