Eine Fundstelle von Weltruf: Die Epidote von der Knappenwand

Die Knappenwand im Untersulzbachtal in Salzburg ist seit über hundert Jahren eine weltbekannte Fundstelle für Mineralien wie Epidot. Viele verschiedene Pächter versuchten im Laufe der Zeit ihr Glück und brachten bedeutende Funde zutage.

Bereits vor über hundert Jahren waren die Epidote der Knappenwand bei Museen und Sammlern begehrt. Dieses Exemplar wurde sogar auf einer Postkarte abgedruckt.
Bereits vor über hundert Jahren waren die Epidote der Knappenwand bei Museen und Sammlern begehrt. Dieses Exemplar wurde sogar auf einer Postkarte abgedruckt. Erwin Burgsteiner

Die Entdeckung der Knappenwand - Eine Fundstelle für außergewöhnliche Epidote

„In der Tiefe drinnen war ein Gewirr von Stangen und Stäben zu sehen, von Nadeln und Zapfen und Haare, und das glänzt und glitzert und funkelt und gleißt in noch nie gesehener Pracht.“ So beschrieb der legendäre Pfarrer und Heimatforscher Josef Lahnsteiner die Öffnung einer Kluft in der Knappenwand, die er einmal miterleben durfte.

Beim Betrachten einiger Funde von der Knappenwand wird schnell klar, wie treffend die Beschreibung von Lahnsteiner ist.

Hochglänzende und perfekt ausgebildete Epidotkristalle mit den Maßen 3 x 5 x 7cm. Copyright Christian Hager
Hochglänzende und perfekt ausgebildete Epidotkristalle mit den Maßen 3 x 5 x 7cm. Christian Hager
Epidot mit Apatit verwachsen. In die Apatitkristalle sind feine Byssolithnadeln eingewachsen. Breite etwa 5cm. Copyright  Christian Hager
Epidot mit Apatit verwachsen. In die Apatitkristalle sind feine Byssolithnadeln eingewachsen. Breite etwa 5cm. Christian Hager
Feinste Byssolithnadeln auf einer Matrix aus kleinen Epidotkristalle. Maße: 3,5 x 2,5cm. Copyright Christian Hager
Feinste Byssolithnadeln auf einer Matrix aus kleinen Epidotkristalle. Maße: 3,5 x 2,5cm. Christian Hager

Im Jahr 2019 erhielt das Museum Bramberg vom Salzburger Mineraliensammler Karl-Heinz Stauder eine Münze aus dem 18. Jhdt., die er bei der Suche nach Epidoten unterhalb der Knappenwand-Hütte gefunden hatte. Es ist also anzunehmen, dass bereits im 18. Jhdt. (und vielleicht schon früher) an der heutigen Epidot-Fundstelle Leute unterwegs waren, wahrscheinlich aber auf der Suche nach Kupfer, denn knapp unterhalb der Epidotfundstelle wurden die Blauwand-Stollen in den Berg getrieben. Sie stehen allerdings in Zusammenhang mit dem historischen Kupferbergwerk. Die Bergwerksanlagen des ehemaligen Kupferbergbaues „Hochfeld“ liegen in der Falllinie unterhalb der Knappenwand nahe am Untersulzbach.

Der erste Epidot-Fund 1865

Die Geschichte der Mineralienfundstelle Knappenwand beginnt mit Alois Wurnitsch, der 1865 beim Steinsuchen auf die Amphibolitlinse im vorderen Untersulzbachtal stieß. Er fand stängelige, lose Epidotkristalle, grub nach und entdeckte einen Hohlraum mit wirr durcheinanderstehenden Epidotkristallen. Etliche dieser Kristalle nahm er mit und verkaufte sie seinem Freund, dem Mineralienhändler und Schneidermeister Andreas Bergmann aus Innsbruck. Dieser gab das seltsame Mineral an Prof. Victor Ritter von Zepharovich von der Universität Prag weiter, der das Mineral einwandfrei bestimmen konnte und auch eine kleine Abhandlung darüber erscheinen ließ.

Das war der Beginn der Abbaugeschichte in der Knappenwand, die sich über mehr als hundertfünfzig Jahre verfolgen und dokumentieren lässt.

Das einzige überlieferte Bild von Alois Wurnitsch Copyright Erwin Burgsteiner
Das einzige überlieferte Bild von Alois Wurnitsch Erwin Burgsteiner

Nachdem die Wissenschaft die Bedeutung der Knappenwand erkannt hatte - denn die Größe, Glanz, Farbe und Formenreichtum der Untersulzbachtaler Epidote stellte alles Vergleichbare in den Schatten - wurde auch den Mineraliensuchern und Mineralienhändlern klar, was hier entdeckt worden war. Etwa um 1867 dürfte nach überlieferten Angaben der Freund von Alois Wurnitsch, Andreas Bergmann, mit ersten Aufschlussarbeiten begonnen haben. Der Pachtvertrag, den Bergmann mit der  kaiserl.-königl. Forstverwaltung abschloss, galt für den Zeitraum vom 1.8.1874 bis zum 21.7.1875. Die ersten Arbeitswochen blieben ergebnislos und Bergmann hatte schon Schwierigkeiten, die Lohngelder für die Arbeiter aufzubringen, dann stellte sich nach der dritten Woche der Erfolg ein. Und zwar in einem Ausmaß, wie es selbst der optimistischste Steinsucher nicht erwarten hatte können. Der Bohrer fiel plötzlich in einen Hohlraum. Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn eine große Kluft war angefahren worden und das Tageslicht ließ zahlreiche Epidote mit viel Byssolith funkeln und glitzern.

1869 besuchte der Mitarbeiter des kaiserl.-königl. Mineralogischen Hof-Cabinets in Wien, Aristides Brezina, die Fundstelle Knappenwand. Von ihm wurden Epidote bis zu 13 cm Länge in einer kleinen Abhandlung erwähnt. Außerdem spricht er von über tausend auserlesenen Epidotkristallen. Unglaublich klingen solche Zahlen in unseren Ohren, weil jeder weiß, wie selten heute eine gute Knappenwander Epidotstufe zu sehen ist. Brezina beschreibt in der Folge auch Scheelitkristalle.

In der ersten Abbauperiode unter Andreas Bergmann war der Neukirchner Schwabreitbauer Sebastian Troyer ein fleißiger und umsichtiger Arbeiter. Durch seine behutsame Abbauweise blieben die Stufen in den Klüften von massiven Erschütterungen verschont und konnten deshalb meist ohne Beschädigungen geborgen werden. Die Arbeit in der damals noch kleinen Höhle brachte für Sebastian Troyer einen guten Nebenverdienst. Bergmann selbst war mit dem Verkauf, bei dem er höchstpersönlich die großen Museen und die bekannten Mineraliensammler aufsuchen musste, vollauf beschäftigt. 1877 und 1879 gab es zwei Versteigerungsverfahren, durch die der Pachtzins in die Höhe getrieben wurde.

Als nächster Pächter scheint ein gewisser Dr. Edmund Neminar, Universitätsprofessor in Innsbruck, (1.8.1878 – 30.7.1880) auf. Da sich dieser Pachtzeitraum mit der zweiten Pachtperiode von Andrä Bergmann (1.8.1879 – 30.7.1881) überschneidet, könnte diese Verwirrung durch die Versteigerungsverfahren entstanden sein.

Nach den ersten großen Erfolgen wurde der Abbau immer schwieriger, die Abbaukosten überstiegen den Erlös, sodass Andreas Bergmann den Pachtvertrag löste. Aus dieser Periode stammen dennoch die besten Epidotstufen. Nachdem Bergmann die Knappenwand verlassen hatte, übernahm der Salzburger Kaufmann Carl Steiner am 1.8.1881 für zwei Jahre (bis 31.7.1883) die Epidotfundstelle. Über seine Funde weiß man nichts. 1884 erschien im Salzburger Volksblatt eine öffentliche Ausschreibung für die Pacht. Ob sich gleich jemand an die bergwerksähnliche Arbeit wagte, ist unbekannt. Vom 25.7.1890 bis zum 24.7.1891 versuchte der Hofgasteiner Gastwirt Jakob Viehhauser sein Glück. Der rührige Neukirchner Postwirt Albert Schett war vom 1.1.1897 bis zum 31.12.1902 als Pächter mit drei Gehilfen eingetragen. Schett selbst war kein Steinsucher, aber einer, der frühzeitig mit vielen Aktivitäten die Weichen für den Tourismus von Neukirchen stellte.

Der Bramberger Krapflbauer Alois Hollaus arbeitete in der Folge (1903 – 1905) mit einem Gehilfen in der Knappenwand. Ihm erging es ähnlich wie Bergmann. Erst nach einer langen Zeit ohne Funde war er erfolgreich. Die Epidotstufen einer großen Kluft wurden in neun Buckelkörben, in die man Heu füllte und die empfindlichen Steine obenauf packte, ins Tal getragen. Alois Steiner sen. hatte beobachtet und später erzählt, wie Alois Hollaus, der in seiner Nachbarschaft wohnte, die wertvollen Epidotstufen auf dem Geländer seines Balkons deponiert hatte. 1905 beendete er die Arbeiten, weil seiner Meinung nach keine einträglichen Funde mehr zu erwarten waren.

Karl Wurnitsch und sein Mitstreiter Peter Troyer (Sohn von Sebastian Troyer). Copyright Erwin Burgsteiner
Karl Wurnitsch und sein Mitstreiter Peter Troyer (Sohn von Sebastian Troyer). Erwin Burgsteiner
Die Knappenwand um 1909/1910. Copyright Erwin Burgsteiner
Die Knappenwand um 1909/1910. Erwin Burgsteiner

Als nächster Pächter scheint Karl Wurnitsch von 1909 bis 1913 auf. Mit ihm arbeitete Peter Troyer, der Sohn von Sebastian Troyer. Aus dieser Zeit existieren sogar einige Bilder. Wurnitsch verlor bei der Abbauarbeit durch einen Steinsplitter unglücklicherweise sein linkes Auge.

„…sodass der Kirchturm wackelte!“

Auf eine Zeit des vorsichtigen Abbaus folgte eine ziemlich gewaltsame und von wenig Verständnis für die Mineralien getragene Abbaumethode. Ein gewisser Nicolussi – er stammte mit großer Wahrscheinlichkeit aus Luserna bei Trient (Italien) – war nicht selbst Pächter sondern nur Mitarbeiter. Er hieß wohl Christian Nicolussi, da ein Schriftstück im Archiv der Gemeinde Neukirchen diesen Vornamen vermerkt hat. Auf dem Friedhof von Luserna gibt es drei Gräber mit dem Namen Christian Nicolussi, die auch zeitlich mit dem Arbeiter in der Knappenwand übereinstimmen. Allerdings ist es unmöglich, an Ort und Stelle etwas über diese Leute und ihre Arbeit im Ausland in Erfahrung zu bringen, da ein Großteil der Männer aus der armen Gemeinde zu dieser Zeit außerhalb ihres Landes Arbeit suchten und sich nicht einmal die Kinder interessierten, wo der Vater sein Geld verdiente.

Und so wie er es als Arbeiter beim Eisenbahnbau gesehen hatte, ging Nicolussi forsch an die Sache heran. Er ließ 62 Bohrlöcher in das harte Gestein treiben, lud ordentlich Dynamit hinein und vergrößerte den kleinen Abbau mit diesen Großsprengungen zu einer gewaltigen Höhle. Dass die empfindlichen Mineralien auf diese Weise großen Schaden nehmen mussten, hätte man eigentlich voraussehen können. Nicht nur die Epidote des unmittelbar betroffenen Bereiches wurden zerstört, die Erschütterungswellen, die sich im Gestein fortpflanzten, führten zur Vernichtung von Mineralien, die erst Jahrzehnte später gefunden wurden. Hermann Unterwurzacher sen. erzählte dem jungen Karl Podpeskar von den Sprengungen und schilderte sie folgendermaßen: „Wenn in der Knappenwand gesprengt wurde, dann hat in Neukirchen der Kirchturm gewackelt!“

Die Knappenwand um 1930. Karl Wurnitsch auf dem Gerüst und Hubert Rossegger unten. Copyright Erwin Burgsteiner
Die Knappenwand um 1930. Karl Wurnitsch auf dem Gerüst und Hubert Rossegger unten. Erwin Burgsteiner

Dennoch sollen von Nicolussi auch ausgezeichnete Stufen gefunden und nach Italien gebracht worden sein.
Nach 1922 kehrten in der Knappenwand wieder ruhigere Zeiten ein. Der Mödlinger Mineralienhändler Anton Berger trat die Pacht im Jahr 1929 an. In seinen noch in Familienbesitz verbliebenen Aufzeichnungen finden sich nur wenige Erwähnungen von Epidoten, was darauf hindeutet, dass die Funde nicht besonders ergiebig waren. Er war zudem als Korrespondent des Naturhistorischen Museums Wien für Steinankäufe zuständig. Aber Nicolussi´s grobe Methoden hatten zu viel vernichtet. 1933 endete Bergers Vertrag mit den Bundesforsten. Von 1934 bis 1935 übernahm der mineralienkundige Oberlehrer Hugo Ullhofen die Knappenwand.

Hugo Ullhofen und seine Tochter Lisl Ullhofen bei der Unterkunft neben der Knappenwand, 1936. Copyright Erwin Burgsteiner
Hugo Ullhofen und seine Tochter Lisl Ullhofen bei der Unterkunft neben der Knappenwand, 1936. Erwin Burgsteiner
Um 1936 ist das markanten Aplitband  über der großen Höhle gut sichtbar. Im Vordergrund der Sektionsgeologe Emil Scherf. Copyright Erwin Burgsteiner
Um 1936 ist das markanten Aplitband  über der großen Höhle gut sichtbar. Im Vordergrund der Sektionsgeologe Emil Scherf. Erwin Burgsteiner
Sepp Mayer und Hugo Ullhofen bei der Arbeit um 1935. Copyright Erwin Burgsteiner
Sepp Mayer und Hugo Ullhofen bei der Arbeit um 1935. Erwin Burgsteiner

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Leo Eiter von 1946 bis 1948 an der Fundstelle. Als letzte Pächter scheinen Kajetan Stockmaier und Ehrenreich Schuchter auf, allerdings ohne Pachtvertrag. Mit von der Partie war auch der Neukirchner Gemeindesekretär Josef Eiter. Sie fanden allerhand gute Epidotstufen. Ehrenreich Schuchter war Sprengmeister und Obersteiger im Kupferbergbau Hochfeld im Untersulzbachtal.

1956 verlängerten die Österreichischen Bundesforste die Pacht vorerst nicht mehr.

Blick aus der Knappenwand um 1936. Copyright Erwin Burgsteiner
Blick aus der Knappenwand um 1936. Erwin Burgsteiner
Der bekannte Mineraliensammler Karl Kontrus bei einem Aplitband. Copyright Erwin Burgsteiner
Der bekannte Mineraliensammler Karl Kontrus bei einem Aplitband. Erwin Burgsteiner
Eine Epidot-Stufe aus der Sammlung von Karl Kontrus - abgedruckt als Postkarte. Copyright Erwin Burgsteiner
Eine Epidot-Stufe aus der Sammlung von Karl Kontrus - abgedruckt als Postkarte. Erwin Burgsteiner

Das Naturhistorische Museum Wien als Pächter

Immer wieder versuchten Steinsucher ihr Glück in der Knappenwand, aber ohne Pachtvertrag (und damit ohne Erlaubnis) konnten keine gröberen Arbeiten durchgeführt werden, sodass es kaum mehr Funde gab.

Erst im Jahr 1977 gelang es dem Naturhistorischen Museum Wien für das „Forschungsprojekt Knappenwand“ von den Bundesforsten einen Pachtvertrag auf zehn Jahre zu erhalten, nachdem ab 1973 die Vorbereitungsarbeiten in Angriff genommen worden waren. Leiter des Projektes war Dr. Robert Seemann. Eine neue Unterkunftshütte und eine Transportseilbahn wurden errichtet. Die Zielsetzung bildete aber diesmal nicht die Auffindung möglichst vieler Klüfte, sondern es sollten Mineralparagenesen, Bildungsbedingungen, Vergleichsfundstellen, Gesteinsabfolgen, etc. erforscht werden. Das Team des Naturhistorischen Museums schaffte dennoch die Öffnung von 70 Klüften.

1987 wurde der Pachtvertrag auf weitere 5 Jahre verlängert.

Das Team vom Naturhistorischen Museum Wien um 1983. Copyright Erwin Burgsteiner
Das Team vom Naturhistorischen Museum Wien um 1983. Erwin Burgsteiner

Vier Einheimische versuchen ihr Glück

Seit 1992 bemühte sich das Zukunftskollegium Neukirchen um einen Pachtvertrag von den Österreichischen Bundesforsten. Der wurde dazu genutzt, dass man den „Knappenweg Untersulzbachtal“ zum Kupferschaubergwerk Hochfeld eröffnete und die Knappenwand als Teil davon einband. Mit 1. 1. 1998 verlängerte man diesen Vertrag auf weitere 10 Jahre und ab dem Frühjahr 2001 erklärten sich die Neukirchner Steinsucher Franz Gartner, Josef Brugger und die Brüder Gerhard und Hannes Hofer aus Wald bereit, das abgelagerte Gestein zur Seite zu schaffen und eventuell wieder an Schichten heranzukommen, die auch Epidotklüfte enthalten konnten.

Die Unterkunft im Jahre 2002, direkt darüber der neu angelegte Stollen und die große Höhle der Knappenwand. Copyright Erwin Burgsteiner
Die Unterkunft im Jahre 2002, direkt darüber der neu angelegte Stollen und die große Höhle der Knappenwand. Erwin Burgsteiner

Seit dem Jahr 2002 wurde dann in der Knappenwand wieder regelmäßig gearbeitet. Für die wissenschaftliche Betreuung konnte Dr. Fritz Koller von der Universität Wien gewonnen werden. Die motivierte Mannschaft begann zuerst mit Sicherungsmaßnahmen an der südseitigen Wand, aus der immer wieder Felsplatten herausbrachen. Erst danach konnten die „Knappenwandinger“ (= die Arbeiter an der Knappenwand)  anfangen, das Abraummaterial früherer Zeiten zur Seite zu schaffen. Auf der Sohle der großen Höhle angelangt, zimmerten sie einen 10 m langen Stollen, damit sie vor herabfallenden Steinen geschützt waren. Erst als Sicherheit herrschte, konnten sie sich mit der Suche nach Epidotklüften beschäftigen. Diese standen meist in Zusammenhang mit der Aplitader im hinteren Höhlenbereich, an deren Krümmungspunkten sich häufig Klüfte auftaten. Schließlich stellten sich nach 2 Jahren mühevoller Vorarbeiten  auch Erfolge ein und sie entdeckten erste Klüfte mit interessantem Inhalt: Epidote, Byssolith, Apatite, Calcite, angelöste Quarze und Albit.

Der 17. Februar 2004 - Ein Glückstag

Bei allen Tätigkeiten an der Knappenwand steht die Sicherheit an oberster Stelle. Gefahr drohte vor allem von den seitlichen Wänden, da die Felsen ständig Risse zeigten und jederzeit herabstürzen konnten.

Vor allem von der südseitigen „Ulme“ (Seitenwand) brachen immer wieder größere Felspartien ab. So war es auch wieder im Sommer 2004, als mächtige Felsplatten auf das talseitige Portal des Sicherungsstollens stürzten. Die Gefahr eines massiven Abbruches drohte. Zum Schutz der Mannschaft verlängerten sie den Sicherungsstollen um 7 Meter „zur Nacht“ hin. Gerhard Hofer seilte sich dann im Herbst über die Wand ab und es gelang ihm, die brüchigen Felspartien abzuspalten. Danach wurde die instabile Wand mittels Felsanker gesichert,  und so wurde dem Deckengewölbe wieder die nötige Stabilität gegeben. Bergbaufachleute unterstützten die Knappenwandinger mit Know-how.

Nach Beendigung dieser Sicherungsarbeiten konnte erst im Februar 2004 wieder am Epidot-Amphibolit-Felsen weitergearbeitet werden.

Sepp Brugger erinnert sich an diesen denkwürdigen Tag und beschreibt den Fund

„Lange hatten wir einen Tag wie diesen herbeigesehnt. Ein Tag, der an die großartigen Funde am Beginn der legendären Knappenwand-Ära eines Alois Wurnitsch und Andrä Bergmann erinnerte und doch ganz anders war. Am 17. Februar 2004 war es dann soweit.

Wir hatten uns mühsam durch einen fast tauben, etwa 2 m mächtigen Epidot-Amphibolit-Stock gearbeitet. Vor uns zeigte der Gesteinsverlauf eine größere Störungszone an. Auffällig war, dass aus winzigen Rissen rostrotes Wasser austrat, welches offensichtlich viel gelöstes Eisenoxyd mitführte. Wir wussten schon von früher, dass Eisenoxyd führendes Wasser – wenn dieses in Rissen abgelagert ist – ein sicheres Kluftanzeichen war. Mit Keilen, Meißeln und einem kleinen elektrischen Schrämmhammer tasteten wir uns immer näher an die bereits brüchig werdende Gesteinspartie heran. Und dann! Plötzlich sahen wir vor uns ein 10 cm großes, kreisrundes Loch. Jedem von uns war die Spannung anzumerken. Irgendetwas war mit Sicherheit dahinter verborgen!

Die Bohrlöcher wurden mit Druckluftbohrern in das zähe Gestein getrieben. Copyright Erwin Burgsteiner
Die Bohrlöcher wurden mit Druckluftbohrern in das zähe Gestein getrieben. Erwin Burgsteiner
Franz Gartner und Gerhard Hofer bergen aus einer frisch geöffneten Kluft einen großen Calcitkristall. Copyright Erwin Burgsteiner
Franz Gartner und Gerhard Hofer bergen aus einer frisch geöffneten Kluft einen großen Calcitkristall. Erwin Burgsteiner

Beim Hineinleuchten in die Kluft konnte man erkennen, dass sich diese nicht (wie sonst üblich) in den Berg hineinzog. Die Kluft verlief 15 cm hinter dem noch stehenden Felsriegel quer durch den Amphibolitfels und wir sahen bereits, dass die hintere Seite der Kluft mit schönem, bis 3 cm langem Byssolith bewachsen war. Obwohl der Puls bei allen heftig klopfte, durften wir keinesfalls hektisch werden und nun stellte sich die Frage: Wer von uns darf als erster in den Hohlraum greifen? Die Freunde entschieden selbstlos und meinten, ich sollte in den Hohlraum greifen. Später wurde mir klar, dass dies zweifellos ein historischer Moment gewesen war. Ich erinnere mich nur noch, dass mein Herz vor Hochspannung wie wild trommelte. Schnell zog ich die Jacke aus, krempelte den rechten Ärmel meines Hemdes zurück und führte meine Finger vorsichtig tastend durchs kalte Wasser immer tiefer hinunter in die verfilzte Schicht von abgelöstem Byssolith. Die Finger stießen an etwas Glattes, Hartes und Längliches, vielleicht sogar ein epidotähnliches Gebilde?! Wenn es wirklich Epidot war, dann musste es groß sein, denn es wog ziemlich schwer. Vorsicht! Vorsicht! Höchste Konzentration war angebracht. An meinem Arm spürte ich, wie spitze Epidotnadeln über meine Haut kratzten. Alles war in diesem Augenblick unwichtig, denn es ging um die Bergung des Epidots.

Ja - und dann sah ich diese unglaubliche Stufe zum ersten Mal im Schein der Stirnlampen und ich zeigte sie den neugierig und in freudiger Erwartung neben mir stehenden Freunden. Schon lange hatten wir auf ein solches Ereignis hingearbeitet. Und nun hatte endlich die schon lang erhoffte Epidotstufe das Licht des Tages erblickt. Noch war sie vom Kluftschlamm dreckig, aber die Dimensionen und die Perfektion konnten wir bereits richtig einschätzen. Überaus behutsam wurde das besondere Stück von einer Hand zur anderen gereicht. Eingebettet in eine vorbereitete Schachtel mit weicher Unterlage wurde die Stufe dann zur Hütte getragen. Natürlich hatten wir für diesen Anlass auch eine Flasche Sekt vorbereitet. Diese musste an diesem Jubeltag daran glauben! Unsere Freude war riesig und wir ließen so schnell wie möglich unseren Betriebsleiter Ing. Hans Lerch, sowie unseren wissenschaftlichen Betreuer Dr. Friedrich Koller von der Universität Wien vom Fund wissen.“

Viele Epidote sind auf einem großen Calcitkristall aufgewachsen. Ausgestellt in der Nationalparkausstellung
Viele Epidote sind auf einem großen Calcitkristall aufgewachsen. Ausgestellt in der Nationalparkausstellung "Smaragde und Kristalle" im Museum Bramberg. Breite etwa 15cm. Maximilian Schiller
Hochglänzende und perfekt ausgebildete Epidotkristalle. Copyright Christian Hager
Hochglänzende und perfekt ausgebildete Epidotkristalle. Christian Hager

Am folgenden Tag wurde dann das gesamte Gestein zur Kluft hin beseitigt und die Kluft in ihrer gesamten Größe freigelegt. Mehrere herrliche Epidotstufen kamen ans Tageslicht und zum ersten Mal hatte ihnen die Knappenwand eine Schatzkammer geöffnet, so wie sie seinerzeit Lahnsteiner beschrieben hatte. Ein 12 cm großer Calcit, der sich  einst von der Kluftdecke gelöst hatte und von dem die rostbraune Färbung des Wassers ausgegangen war, lag in der Mitte der Kluft. Die vollständig mit Wasser gefüllte Kluft - ein quer im Amphibolitfels verlaufender Riss - hatte eine Höhe von 50 cm, war 40 cm breit und etwa 10 –15 cm tief. Die Kluftwände waren mit 1,5 cm bis 3 cm langen Byssolithnadeln, Apatitkristallen (bis 0,5 cm) und kleineren Epidotnadeln bewachsen. Das Kluftvolumen schätzten sie an Hand der Wassermenge auf ungefähr 20 bis 25 Liter. Byssolithschlamm bis 25 cm Höhe (gemessen vom Kluftboden) füllte den Hohlraum aus und schützte gleichzeitig die Kristalle. In diesem Schlamm fanden sich auch 3 Stück lose, 1 cm große Diopside, wie sie für die Knappenwand selten sind.

Die frisch geborgene Stufe mit Kluftlehm. Aber ihre Pracht ist dennoch schon gut zu erahnen. Copyright Gerhard Hofer
Die frisch geborgene Stufe mit Kluftlehm. Aber ihre Pracht ist dennoch schon gut zu erahnen. Gerhard Hofer
Heute befindet sich die Stufe im Besitz von Dr. Alexander Spunda und ist  zu sehen in der Nationalparkausstellung
Heute befindet sich die Stufe im Besitz von Dr. Alexander Spunda und ist  zu sehen in der Nationalparkausstellung "Smaragde und Kristalle" im Museum Bramberg. Maximilian Schiller

Weiters lagen noch etliche kleinere Epidotstufen im Schlamm. Die große Epidotstufe war ursprünglich im oberen Bereich der Kluft angewachsen gewesen und hatte sich schon vor langer Zeit abgelöst, wobei die Bruchfläche bereits verheilt und die Epidotstufe nahezu unbeschädigt war. Die Lage der Kluft wurde vermessen und fotografiert.

Die große Epidotstufe ist heute Teil einer privaten Sammlung, steht aber zur Zeit in der Nationalparkausstellung „Smaragde und Kristalle“ im Museum Bramberg, wo in einer Vitrine eine Reihe wunderbarer Epidote zu sehen sind.

Die Abbauphase 2006 – 2009

Die Aplitader, die gut sichtbar am Stollenfirst nach hinten verlief, war an ihren Krümmungspunkten immer schon ein Kluft-Anzeiger. Die „Knappenwandinger“ Josef Brugger, Hannes und Gerhard Hofer und Franz Gartner verfolgten deshalb den Lauf dieser Aplitader am Boden und knüpften ihre Hoffnungen daran. Auch andere Störungszonen oder besondere Gesteinsverfaltungen sind immer interessant, denn meist sind in ihrer Nähe Klüfte zu finden. In der Tiefe wurde die Ader bis zu einem Meter breit und deshalb lag die Vermutung nahe, dass man hier auf neue Klüfte stoßen könnte. Doch genau das Gegenteil war der Fall – epidothaltige Klüfte wurden hier nicht entdeckt.

Hannes Hofer 2008 beim Bohren neuer Sprenglöcher. Die Aplitader, an deren Rand die Epidot-Klüfte auftreten, ist deutlich zu sehen. Copyright Erwin Burgsteiner
Hannes Hofer 2008 beim Bohren neuer Sprenglöcher. Die Aplitader, an deren Rand die Epidot-Klüfte auftreten, ist deutlich zu sehen. Erwin Burgsteiner
Blick nach draußen. 2006 wurde viel Abraum gefördert und sorgsam aufgeschlichtet. Copyright Erwin Burgsteiner
Blick nach draußen. 2006 wurde viel Abraum gefördert und sorgsam aufgeschlichtet. Erwin Burgsteiner

Man musste in den folgenden Jahren wieder viel Arbeit in die Sicherung der Seitenwände investieren, ebenso galt ihr Augenmerk möglichen Steinschlaggefahren von oben, maß doch die Höhe der Kaverne immerhin schon 18 m. Man sondierte mit einem kurzen Stollen wieder nach hinten, aber das Gestein wurde immer kompakter und es zeigten sich hier überhaupt keine Klüfte. Schließlich begann man in Richtung Tag abzubauen – der Sicherheit wegen wieder als Stollenvortrieb. Das Niveau des Stollens lag etwa auf der Höhe des früher schon angelegten und beschriebenen, gezimmerten Stollens, auf den der Abraum früherer Zeiten geschlichtet worden war. Je tiefer man also kam, desto mühsamer wurde es, schwere Gesteinsbrocken in die Schubkarren zu laden und auf die Halde zu kippen. Nach einigen Überlegungen und guten Ratschlägen verlässlicher Helfer konstruierte man zur Entlastung eine Seilbahn an einem quergespannten Seil, womit nun mechanisch Schutt und Gestein gehoben und ins Freie transportiert werden konnten.

Ein neues Problem tauchte auf – viel Quellwasser sickerte aus einer Felsspalte nach, sodass ständig abgepumpt werden musste. Gleichzeitig wurde eine Absauganlage für den Bohrstaub eingebaut, denn das Bohren mit Wasser ist bei Minusgraden im Winter nicht möglich.

Insgesamt waren die Jahre 2005 bis 2007 relativ erfolglos, was die Mineralfunde betrifft. Franz Gartner zog sich 2007 aus dem Team zurück.

Klüfte sind selten

Weil die Erfolge ausgeblieben waren, stoppte man den Vortrieb in Richtung „Nacht“, senkte das Niveau ab und begann einen Vortrieb in Richtung „Tag“ (2008). Gleich zu Beginn des Stollenvortriebes (1,30 m tiefer als das Stollenniveau des alten Stollens) beobachteten sie eine dünne Calcitader (4 cm breit), der sie etwa 4 Meter folgen konnten. Ein interessantes Phänomen war den Knappen schon mehrmals aufgefallen. Immer, wenn sich rot gefärbte - also eisenhaltige – Harnischflächen zeigten, lag mit ziemlicher Sicherheit eine Kluft in der Nähe. So war es auch hier. In der unmittelbaren Umgebung der Calcitader fand man mehrere taschenartige Klüfte, die mit kleinen Epidoten, Byssolith und Calcit gefüllt waren. Man schöpfte wieder neuen Mut und fand auch weitere Klüfte. In einem Aufwölbungsbereich stießen sie auf eine lang gezogene, aber schmale Kluft, deren Wände mit feinem, langfaserigem Byssolith ausgekleidet waren. In der Kluft selbst lag scheibenförmiger Calcit, in dem der Abdruck eines großen Epidots sichtbar war. Der Epidot selbst hatte sich aus dem Calcit gelöst, lag lose in der Kluft, ist 12 x 2 x 4 cm stark und weist scharfkantige und hochglänzende Kopfflächen auf. Der Lohn nach mehreren schwachen Jahren! Weitere schöne Epidotstufen, vergesellschaftet mit langen Byssolithhaaren, konnten ans Tageslicht gehoben werden. Auch Bergkristalle, Apatit, Calcit, Albit und kleine Sphene zählten zu den Fundstücken.

Nach Beendigung der Kluftarbeiten sondierte man mit einem Bohrer in Richtung Tag und bald erkannte man, dass der Felspfeiler bis zum Tag nur mehr sehr dünn war und deshalb keinen weiteren Abbau mehr zuließ. Die dünne Schicht blieb also stehen. Man schlug einige Meter tiefer von außen einen neuen Stollen an, vor den im Spätherbst 2009 noch eine kleine Hütte gebaut wurde.

Die Förderung des Abbraums stellte sich mit zunehmender Tiefe als Schwierigkeit heraus. Copyright Erwin Burgsteiner
Die Förderung des Abbraums stellte sich mit zunehmender Tiefe als Schwierigkeit heraus. Erwin Burgsteiner
Feine Byssolithnadeln mit kleinen Apatitkristallen bewachsen. Copyright Christian Hager
Feine Byssolithnadeln mit kleinen Apatitkristallen bewachsen. Christian Hager

Weitere Klüfte und der große Steinschlag

Im Jänner 2010 ging ein verheerender Steinschlag, der in einer Nebenrinne oberhalb der Knappenwand seinen Ursprung hatte, über die Knappenwand nieder. Sogar die Hütten des Schaubergwerks Hochfeld weit unterhalb der Fundstelle wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zum Glück war aber an dem Tag niemand vor Ort. Dieses Ereignis brachte viel zusätzliche Arbeit für die Knappenwand-Belegschaft. Der Steig zur Knappenwand war verwüstet worden und musste danach steinschlagsicher angelegt werden. Durch einen überhängenden Felsen geschützt, blieben die Vortriebe und die Baulichkeiten vom Bergsturz weitgehend verschont. Ein riesiger Baum sauste während des Bergsturzes mit dem Wipfel voran knapp vor der Knappenwand-Hütte ins Erdreich, das Wurzelgeflecht mit Steinen und Erde beschädigte das Hüttendach und zerstörte die Toilettenanlage. Ein Teil der tieferliegenden Gerätehütte wurde ebenfalls weggerissen, der Güterweg ins Untersulzbachtal war den ganzen Sommer lang gesperrt und musste erneuert werden. Obwohl heute ein Steinwall den Güterweg schützt, sollte man sich in diesem Bereich nicht aufhalten, denn der Steinschlag ist immer präsent und den Steinen, die über diese steile Halde herunterschießen, kann man kaum ausweichen.

Josef Brugger, ein verdienter „Knappenwandinger“ der ersten Stunde, zog sich 2011 aus Altersgründen von den Arbeiten zurück. Seither arbeiten die Brüder Hannes und Gerhard Hofer allein.

Nach 2012 gab es einige Klüfte, die herrliche Epidote bis 16 cm Länge freigaben. In den darauffolgenden Jahren war von den Brüdern Gerhard und Hannes Hofer zwar fleißig gearbeitet und gesucht worden, allerdings stellte sich kaum Erfolg ein. Man muss schon über ein großes Maß an Ausdauer verfügen, wenn man diese harte Arbeit durchsteht, ohne dass sich auch nur die kleinste Kluft zeigt.

Der Steinschlag, der 2010 über die Knappenwand niedergegangen war, hatte sich beruhigt und die Schutzmaßnahmen waren fertig gestellt, sodass man ohne mulmiges Gefühl zur Fundstelle aufsteigen und sich dort aufhalten konnte, auch wenn man es nie sagen kann, ob sich nicht doch noch große Felsblöcke lösen können.

Nach oben hin zur Decke der großen Höhle ist der Abbau in der Knappenwand unmöglich, sodass man auf einer tieferen Ebene einen Vortrieb ansetzte, in der Hoffnung, dass sich im tiefgrünen Amphibolit Klüfte zeigen würden. Auch wenn es hier noch so gut aussah, man traf auf keine Klüfte, nicht einmal auf Klüftchen.

Da im Jahr 2014 das Wetter ohnehin schlecht war, sodass man in höheren Regionen nicht nach Steinen suchen konnte, entschlossen sich die Brüder Hofer, zumindest zwei- bis dreimal pro Woche ins Untersulzbachtal zu gehen und nach den Epidoten zu graben. Zur gleichen Zeit mussten sie immer wieder beim Umbau des Wohnhauses in Wald im Pinzgau Hand anlegen.

In den Monaten Mai bis Juli folgten die Brüder wieder dem verheißungsvoll aussehenden, harten Grüngestein, als sie endlich in Bodennähe auf eine faustgroße Calcit-Einsprengung stießen. Aus Erfahrung wussten sie, dass man hier sehr vorsichtig sein musste, denn so etwas konnte durchaus ein Kluftanzeiger sein. Tatsächlich war nach einigen Schlägen mit Hammer und Meißel die Sache klar, denn die Calcitader gab nach und ein kleiner Hohlraum öffnete sich.

Hannes Hofer hat eine kleine Kluft vorsichtig geöffnet. Copyright Erwin Burgsteiner
Hannes Hofer hat eine kleine Kluft vorsichtig geöffnet. Erwin Burgsteiner
Der Finder freut sich über eine kleine aber perfekte Stufe. Copyright Erwin Burgsteiner
Der Finder freut sich über eine kleine aber perfekte Stufe. Erwin Burgsteiner

Am Kluftboden sammelte sich Wasser. Vorsichtigst wurde das umgebende Gestein entfernt, und die Zerrkluft lüftete nach und nach ihre Geheimnisse. Im Zentrum lag ein frei auskristallisierter Calcit, der aber wenig spektakulär aussah. Daneben gab es kleine, aber bizarre Epidotgebilde (bis 7 cm Länge) - oft mit Byssolith vergesellschaftet. Auch kleine, weiße Albite kamen zum Vorschein. Diese fußballgroße Kluft bildete den Höhepunkt von zwei arbeitsreichen Jahren. Weitere schmale Kluftschlitze gab es in der Folge noch öfter, sodass letztendlich doch eine gewisse Anzahl von hübschen Epidot-Byssolith-Stufen gefunden werden konnte.

Die Knappenwand von 2015 – 2023

Im folgenden Jahr 2015 gab es trotz großer Anstrengungen keine Erfolge, außerdem investierten die Brüder ihre Arbeitskraft an anderen Orten, sodass es in der  Knappenwand vorerst einmal ruhig wurde. Das „Zukunftskollegium Nationalpark Hohe Tauern“ betrieb zwar das Schaubergwerk Hochfeld weiter, löste jedoch 2016 den Pachtvertrag  mit den Österreichischen Bundesforsten auf. Den Brüdern Hofer gelang es, nun die Knappenwand allein zu pachten. Sie trieben in der Folge vom tiefsten Punkt aus in knappen Abständen Bohrlöcher in den harten Amphibolit und schoben eine Rohrkamera nach, mit der sie auch kleine Veränderungen oder gar Klüfte erkannt hätten. Doch es war wie verhext – kein einziger Hohlraum wurde angefahren oder auf diese Weise entdeckt. Damit sank die Motivation und in den folgenden Jahren beschränkten sich ihre Tätigkeiten auf Wartungsarbeiten an der Hütte, am Steig und an den Stollen.

Ob und wie es nun an der Knappenwand weiter geht, kann man noch nicht genau voraussagen. Auf jeden Fall sind und bleiben Epidote von dieser großartigen Fundstelle eine Rarität, denn Neufunde werden auch in Zukunft sehr selten sein, wenn es sie überhaupt geben wird.

Herzlichen Dank an Christian Hager für die Bereitstellung der Mineralienfotografien.

Quellen

  • Burgsteiner, E.: Kristallschätze – Mineraliensucher im Oberpinzgau, Bode Verlag, Haltern, 2002;
  • Burgsteiner, E.: Mineralogische Neuigkeiten aus dem Land Salzburg, Bode-Verlag GmbH, Haltern, 2004;
  • Burgsteiner, E.: Mineralogische Neuigkeiten aus dem Land Salzburg, Bode-Verlag GmbH, Haltern, 2005;
  • Burgsteiner, E.: Salzburg - Land einzigartiger Mineralien, Bode-Verlag GmbH, Salzhemmendorf, 2010;
  • Burgsteiner, E.: Mineralogische Neuigkeiten aus dem Land Salzburg, Bode-Verlag GmbH, Salzhemmendorf, 2013;
  • Burgsteiner, E.: Mineralogische Neuigkeiten aus dem Land Salzburg, Christian-Weise- Verlag, München, 2015;
  • Burgsteiner, E.: Mineralogische Neuigkeiten aus dem Land Salzburg, Christian-Weise- Verlag, München, 2005;
  • Lahnsteiner, J.: Oberpinzgau – Von Krimml bis Kaprun, Salzburger Druckerei und Verlag, Hollersbach, 1965;
  • Lerch, H., Lewandowski, K., Zukunftskollegium Nationalpark Hohe Tauern: Bergbau im Untersulzbachtal – Eine fast vergessene Welt, Eigenverlag, Neukirchen, 2006;
  • Seemann, R.: Epidotfundstelle Knappenwand, Verlag Doris Bode, Haltern, 1985;

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